Automatisierte Quantifizierung des Ki-67-Index korreliert mit dem pathologischen Grad pulmonaler neuroendokriner Tumoren
Pulmonale neuroendokrine Tumoren (pNETs) machen etwa 20–25 % aller invasiven Lungenkarzinome aus. Zu diesen gehören das aggressivste kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC), gefolgt vom großzelligen neuroendokrinen Karzinom (LCNEC), typischen Karzinoid (TC) und atypischen Karzinoid (AC). Die Klassifikation basiert bisher auf morphologischen Merkmalen, mitotischem Index und dem Vorhandensein von Nekrose gemäß der WHO-Klassifikation von 2015. Die Rolle des Proliferationsmarkers Ki-67 in Diagnostik und Prognose bleibt jedoch umstritten. Diese Studie evaluierte den diagnostischen und prognostischen Wert des Ki-67-Index in pNETs sowie die Vergleichbarkeit manueller (MCM) und computerassistierter (CIAM) Quantifizierungsmethoden.
Es wurden 159 chirurgische Proben (35 TC, 2 AC, 28 LCNEC, 94 SCLC) analysiert. Der Ki-67-Index wurde mittels MCM und CIAM bestimmt. Bei CIAM wurden sechs repräsentative Felder (500 × 500 µm, 10x Vergrößerung) digital annotiert. Die Ki-67-Indizes variierten signifikant zwischen den Subtypen: TC 0,38–12,66 %, AC 4,34–29,48 %, LCNEC 30,67–93,74 % und SCLC 40,71–96,87 %. Ein Cut-off-Wert von 30,07 % trennte niedriggradige (TC/AC) von hochgradigen Tumoren (LCNEC/SCLC).
In univariaten Überlebensanalysen korrelierten sowohl das Gesamtüberleben (OS) als auch das progressionsfreie Überleben (PFS) mit dem Ki-67-Index. CIAM zeigte eine starke positive Korrelation mit MCM (Korrelationskoeffizient = 0,956), wobei CIAM leicht höhere Werte aufwies, wahrscheinlich aufgrund der Detektion schwach positiver Zellen. Der Ki-67-Index war außerdem mit klinisch-pathologischen Parametern wie Tumorstadium, mitotischem Index und Nekrose assoziiert. Hochgradige Tumoren wiesen signifikant schlechtere OS- und PFS-Raten auf. In der multivariaten Analyse blieb lediglich das frühe pathologische Stadium ein unabhängiger prognostischer Faktor.
Die Studie unterstreicht die Wertigkeit des KI-67-Index, insbesondere mittels CIAM, zur Differenzierung niedrig- und hochgradiger pNETs. Die computerassistierte Methode bietet hierbei eine reproduzierbare Alternative zur subjektiven manuellen Auswertung. Obwohl der Ki-67-Index keine unabhängige prognostische Aussagekraft besitzt, könnte er die Therapieentscheidung unterstützen, insbesondere bei Grenzfällen in der Histopathologie. Weitere Studien müssen die Rolle von Ki-67 als Prädiktor für das Ansprechen auf Chemotherapie klären.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000109