Antimikrobielle Resistenzprofile von ESKAPE und E. coli in China

Antimikrobielle Resistenzprofile von ESKAPE und Escherichia coli aus Blutkulturen in einem tertiären Krankenhaus in China

Blutstrominfektionen (BSI) stellen aufgrund ihrer zunehmenden Inzidenz, Mortalität und damit verbundenen Behandlungskosten ein globales Gesundheitsproblem dar. Unter den Erregern dominieren die ESKAPE-Gruppe – bestehend aus Enterococcus faecium (E. faecium), Staphylococcus aureus (S. aureus), Klebsiella pneumoniae (K. pneumoniae), Acinetobacter baumannii (A. baumannii), Pseudomonas aeruginosa (P. aeruginosa) und Enterobacter spp. – sowie Escherichia coli (E. coli), die über 50 % aller Fälle verursachen. Die weltweite Zunahme multiresistenter Stämme, insbesondere extended-spectrum β-Lactamase (ESBL)-produzierender E. coli und Carbapenemase-bildender K. pneumoniae, erschwert die antimikrobielle Therapie erheblich.

Diese retrospektive Monozenternstudie analysierte Resistenzraten und antimikrobielle Resistenzindizes (ARI) von ESKAPE-Erregern und E. coli aus Blutkulturen des Huaihe-Krankenhauses der Henan-Universität (China) von 2015 bis 2019. Ziel war die Bewertung lokaler Antibiotika-Stewardship-Maßnahmen und die Erfassung nationaler Resistenztrends.

Daten wurden mittels WHONET 5.6 aus dem mikrobiologischen Labor erhoben. Eingeschlossen wurden Erstblutkulturen innerhalb von 48 Stunden nach Hospitalisierung zur Erfassung community-acquirierter BSI. Die Antibiotikaempfindlichkeit wurde gemäß CLSI M100-S20 bestimmt. Der ARI wurde durch Gewichtung von Sensibilität (0), intermediärer Resistenz (0,5) und Vollresistenz (1) pro Antibiotikum berechnet, wobei 0 für pansensible und 1 für panresistente Stämme steht.

Von 1.343 Isolaten entfielen 982 auf ESKAPE-Erreger und E. coli mit folgender Verteilung: 528 E. coli, 164 K. pneumoniae, 92 S. aureus, 73 E. faecium, 40 A. baumannii, 39 P. aeruginosa, 39 E. cloacae und 7 E. aerogenes. Wesentliche Ergebnisse:

Escherichia coli
Stabile Resistenzraten bei Carbapenem-Sensibilität >95 %. Signifikanter Rückgang der Cefepim-Resistenz (linearer Trend: p<0,05). Abnehmende Cephalosporin-Empfindlichkeit im Langzeitvergleich.

Klebsiella pneumoniae
Resistenzanstieg zu β-Lactamen, Aminoglykosiden und Chinolonen bis 2017, gefolgt von Rückgängen 2018–2019. Signifikante Reduktionen bei Ampicillin/Sulbactam (p=0,027), Piperacillin (p=0,032) und Cefotaxim (p=0,044), korreliert mit verschärften Antibiotika-Richtlinien.

Enterobacter cloacae
Paralleler Trend zu K. pneumoniae mit Resistenzgipfel 2017. Rückgang um 15–20 % nach Einführung risikostratifizierter Therapieprotokolle.

Acinetobacter baumannii
Konstant hohe Sensibilität (>85 %) zu allen getesteten Antibiotika. Geringfügige Empfindlichkeitsminderung bei Cephalosporinen 2018.

Pseudomonas aeruginosa
Kontinuierlicher Resistenzrückgang ab 2016. Signifikante Verbesserungen bei Piperacillin (p=0,038), Ceftazidim (p=0,021) und Imipenem (p=0,015). Vollständige Sensibilität zu Fluorchinolonen ab 2018.

Staphylococcus aureus
Stabile Resistenzmuster mit 100 % Sensibilität zu Vancomycin und Linezolid. Einzige Ausnahme: Clindamycin-Resistenzanstieg (p=0,047).

Enterococcus faecium
Hohe Resistenz zu Ampicillin (88–92 %), Erythromycin (91–95 %) und Tetracyclin (89–93 %) bei konstanter Glykopeptid-Sensibilität. Keine Vancomycin-resistenten Stämme (VRE) nachweisbar.

Antimikrobieller Resistenzindex (ARI)
Der ARI korrelierte eng mit den Resistenzentwicklungen (r=0,89–0,94) und zeigte für K. pneumoniae den stärksten Rückgang von 0,62 (2017) auf 0,41 (2019). E. coli wies den niedrigsten Median-ARI (0,19) aller Erreger auf.

Die Studie unterstreicht den Erfolg strukturierter Antibiotika-Stewardship-Programme, insbesondere durch Restriktion hochwirksamer Antibiotika, mikrobiologisches Monitoring und Hygienemaßnahmen. Der ARI erwies sich als valider Indikator für Resistenzdynamiken. Regionale Unterschiede zu europäischen VRE-Raten verdeutlichen die Notwendigkeit populationsspezifischer Surveillance.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000987

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