Klinisch-pathologische Merkmale entzündlicher demyelinisierender Erkrankungen in Biopsien

Klinisch-pathologische Merkmale entzündlicher demyelinisierender Erkrankungen in Biopsien

Entzündliche demyelinisierende Erkrankungen (IDD) des Zentralnervensystems (ZNS) umfassen eine Gruppe von Störungen, die zu erheblicher neurologischer Beeinträchtigung führen, insbesondere bei jungen Erwachsenen. Diese Erkrankungen sind durch Entzündung und Schädigung der Myelinscheide gekennzeichnet, die für die Funktionsfähigkeit von Nervenzellen essenziell ist. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um durch Immuntherapie Rückfälle, Behinderungen und Mortalität zu reduzieren. Multiple Sklerose (MS) stellt die häufigste IDD bei Erwachsenen dar. Während die histologischen Merkmale chronischer MS-Läsionen gut bekannt sind, gestaltet sich die Diagnose eines entzündlichen Demyelinisierungsprozesses in Biopsieproben häufig schwierig. Dies liegt an der geringen Probengröße und der Tatsache, dass Biopsien oft nur einen Teil größerer Läsionen erfassen. Zudem unterscheiden sich die histopathologischen Merkmale akuter MS-Läsionen signifikant von denen chronischer demyelinisierter Plaques in Autopsieproben.

In dieser retrospektiven Studie wurden klinische und histopathologische Merkmale von 23 IDD-Fällen analysiert, die zwischen 2009 und 2017 am Institut für Pathologie des Xuanwu-Hospitals der Capital Medical University diagnostiziert wurden. Zur pathologischen Diagnostik wurden Luxol-fast-blue-Färbung (LFB) und immunhistochemische (IHC) Marker eingesetzt. Fälle von ischämischem Infarkt (2009–2016) dienten als Kontrollgruppe. Die Studie wurde durch die Ethikkommission des Xuanwu-Hospitals genehmigt, und die Datenanalyse erfolgte mittels SPSS 19.0. Der Kruskal-Wallis-Test diente zum Vergleich des Krankheitsverlaufs zwischen drei Gruppen, wobei ein P-Wert <0,05 als statistisch signifikant galt.

Die 23 IDD-Patienten (11 männlich, 12 weiblich) wiesen ein medianes Alter von 37,0 Jahren (Range: 10,0–68,0 Jahre) auf und waren somit jünger als die Kontrollgruppe (median 50,0 Jahre). Klinische Symptome variierten je nach Läsionslokalisation und umfassten Kopfschmerzen, Schwindel, Gliederschwäche, Sensibilitätsstörungen, Übelkeit, Sehstörungen, Dysarthrie und Fazialisparesen. Die Zeitspanne zwischen Symptombeginn und Biopsie lag bei median 30 Tagen (7 Tage bis 5 Monate). Ein Patient entwickelte IDD 11 Monate nach allogener Stammzelltransplantation.

In der Magnetresonanztomographie (MRT) zeigten neun IDD-Fälle eine einzelne Läsion, vier zwei Regionen und vier ≥ drei Regionen. Die Läsionen betrafen fast alle ZNS-Bereiche, einschließlich Frontal-, Temporal-, Parietal- und Insellappen, periventrikuläre Areale, Basalganglien, Capsula interna, Kleinhirn und Rückenmark. Die meisten Läsionen wiesen in der MRT lange T1- und T2-Signalzeiten mit Kontrastmittelanreicherung auf und wurden als raumfordernde Prozesse fehlinterpretiert, was eine Biopsie erforderlich machte.

Histopathologisch zeigten alle IDD-Läsionen in der Hämatoxylin-Eosin(H&E)-Färbung eine Hyperzellularität mit dicht infiltrierten Schaumzellen (CD68-positiv). T-Zell-dominierte Lymphozyten umgaben kleine Blutgefäße und verteilten sich zwischen Makrophagen. Reaktive Astrozyten (GFAP-positiv) waren proliferiert und zeigten eine homogene eosinophile Zytoplasmaverschwellung („gemistocytic“). Mitotische Astrozyten oder solche mit granulären Einschlüssen (Creutzfeldt-Peters-Zellen) fanden sich in zwei Fällen. Neurofilament(NF)-IHC zeigte relativ erhaltene Axone, teilweise mit Auftreibung (axonalen Sphäroiden).

Die LFB-Färbung wies in allen IDD-Fällen einen Myelinverlust nach. IHC für Proteolipidprotein (PLP) und Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG) bestätigten dies, wobei PLP eine höhere Sensitivität zeigte. MOG-positive Granula fanden sich nur in 15 Fällen, was auf eine schnellere Degradation von MOG im Vergleich zu PLP hindeutet. Myelinfragmente in Makrophagen waren sowohl LFB- als auch PLP-positiv.

Die Läsionen wurden nach Aktivität klassifiziert: 15 Fälle zeigten aktive frühe Demyelinisierung, sechs aktive späte Demyelinisierung und zwei postdemyelinisierende Aktivität. Chronisch-inaktive Läsionen (typisch für Autopsien) fehlten. Keine signifikanten Unterschiede bestanden im zeitlichen Verlauf zwischen den Gruppen, was die räumliche Multilokalität von IDD-Läsionen unterstreicht.

In der Kontrollgruppe (ischämischer Infarkt) zeigten vier von fünf Fällen Demyelinisierung, wobei PLP- und MOG-positive Makrophagen in zwei Fällen nachweisbar waren. Im Gegensatz zu IDD wiesen Infarktläsionen jedoch axonalen Untergang auf, was eine Differenzierung mittels NF-IHC ermöglicht.

Zusammenfassend unterstreicht die Studie, dass die pathologische Diagnose von IDD in Biopsien eine Kombination aus Klinik, MRT und Histopathologie erfordert. IHC für PLP, MOG, NF, CD68 und GFAP unterstützt Diagnose und Stadieneinteilung und sollte in der neuropathologischen Routinediagnostik eingesetzt werden.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000738

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