Entwicklung fetaler Wachstumskurven für Zwillinge in China

Entwicklung fetaler Wachstumskurven für Zwillinge stratifiziert nach Chorionizität und Zeugungsmodus: Eine retrospektive Kohortenstudie aus China

Einleitung
Zwillingsschwangerschaften nehmen weltweit zu, vor allem aufgrund des vermehrten Einsatzes assistierter Reproduktionstechnologien (ART) und späterer Geburten. ART ist für etwa ein Drittel aller Zwillingsschwangerschaften verantwortlich. Es ist gut dokumentiert, dass das fetale Wachstum bei Zwillingen im Vergleich zu Einlingsschwangerschaften ab der 28. bis 32. Schwangerschaftswoche (SSW) verlangsamt ist, bedingt durch den begrenzten uterinen Raum. Dennoch stützt sich die klinische Beurteilung des intrauterinen Wachstums bei Zwillingen weitgehend auf Einlingsstandards. Diese Diskrepanz unterstreicht die dringende Notwendigkeit zwillingsspezifischer Biometrie-Referenzen.

Bisher wurden mehrere ultraschallbasierte Wachstumskurven für Zwillinge entwickelt, jedoch oft basierend auf kleinen Kohorten oder ohne Ausschluss von Hochrisikoschwangerschaften. Monochoriale diamniotische (MCDA)-Zwillinge zeigen zudem ein langsameres Wachstum als dichoriale diamniotische (DCDA)-Zwillinge. Darüber hinaus beeinflusst ART die perinatalen Outcomes bei Zwillingen. Somit sind Chorionizität und Zeugungsmodus entscheidende Faktoren für die Entwicklung fetaler Biometrie-Referenzen.

Methoden
Diese retrospektive Längsschnittstudie wurde am International Peace Maternity & Child Health Hospital in Shanghai, China (2016–2019) durchgeführt. Eingeschlossen wurden Schwangere mit Zwillings- oder Einlingsgeburten ab 34 SSW (Zwillinge) bzw. 37 SSW (Einlinge) und mindestens zwei Ultraschallmessungen. Ausschlusskriterien umfassten unklare Chorionizität, Monoamnionizität, fetale Anomalien oder maternale Komplikationen (z. B. Hypertonie, Diabetes).

Die Schwangerschaftsdauer wurde anhand des Ovulationsdatums, Embryotransfers, des letzten Menstruationstermins oder der Scheitel-Steiß-Länge bestimmt. Die Chorionizität wurde im ersten Trimenon via Ultraschall („T-Zeichen“ für MCDA, „Lambda-Zeichen“ für DCDA) bestätigt. Ultraschalluntersuchungen erfolgten alle 3–4 Wochen zwischen 14–32 SSW und anschließend alle 2 Wochen (Einlinge/DCDA-Zwillinge) bzw. wöchentlich (MCDA-Zwillinge ab 32 SSW).

Gemessene fetale Parameter umfassten biparietalen Durchmesser (BPD), Kopfumfang (HC), Femur- und Humeruslänge (FL/HL), anteroposterioren und transversalen Stammdurchmesser (APTD/TTD). Das geschätzte fetale Gewicht (EFW) wurde mittels Hadlock-Formeln berechnet, der Abdomenumfang (AC) aus APTD und TTD abgeleitet.

Statistische Analysen erfolgten mit linearen gemischten Modellen zur Überprüfung von Wachstumsunterschieden. Die Wachstumskurven wurden mithilfe generalisierter additiver Modelle (GAMLSS) modelliert, wobei die Modellauswahl auf dem verallgemeinerten Akaike-Informationskriterium (GAIC) basierte.

Ergebnisse
Die Studie umfasste 929 Zwillings- und 2019 Einlingsschwangerschaften mit 12.837 bzw. 9.787 Ultraschallmessungen. Unter den Zwillingen waren 148 spontan konzipierte MCDA (SC-MCDA), 215 spontan konzipierte DCDA (SC-DCDA) und 566 ART-konzepierte DCDA (ART-DCDA).

SC-DCDA-Zwillinge wiesen ein schnelleres Wachstum als SC-MCDA, jedoch ein langsameres als ART-DCDA-Zwillinge auf (alle Unterschiede statistisch signifikant, p < 0,05). Alle drei Gruppen unterschieden sich signifikant von Einlingen, insbesondere im dritten Trimenon. Für jeden Biometrieparameter wurden stratifizierte Wachstumskurven erstellt.

SC-MCDA-Zwillinge zeigten kleinere Messwerte in EFW, AC, FL und HL im Vergleich zu SC-DCDA. ART-DCDA-Zwillinge unterschieden sich signifikant in allen sechs Biometrieparametern von SC-DCDA, mit höheren Wachstumsraten.

Diskussion
Die Studie unterstreicht die Relevanz chorionizitäts- und zeugungsmodusspezifischer Wachstumskurven für Zwillinge. Die langsamere Entwicklung von SC-MCDA-Zwillingen steht im Einklang mit früheren Studien, während der beschleunigte Wachstumstrend bei ART-DCDA-Zwillinge auf einen Einfluss der ART hinweist.

Stärken der Studie umfassen die große Kohorte, das Längsschnittdesign und die strenge Fallselektion. Die Anwendung des GAMLSS-Modells ermöglichte eine präzise Abbildung von Median, Standardabweichung, Schiefe und Kurtosis. Die Gegenüberstellung mit Einlingsdaten betont die Notwendigkeit zwillingsspezifischer Referenzen.

Einschränkungen sind der Einzelzentrumsansatz und die geringe Fallzahl ART-konzipierter MCDA-Zwillinge. Dennoch bieten die Ergebnisse eine fundierte Grundlage für die klinische Praxis und zukünftige Forschung.

Schlussfolgerung
Die Studie entwickelte erfolgreich fetale Wachstumskurven für chinesische Zwillinge, stratifiziert nach Chorionizität und Zeugungsmodus. SC-MCDA-Zwillinge wuchsen langsamer als SC-DCDA, während ART-DCDA die höchsten Wachstumsraten aufwiesen. Diese maßgeschneiderten Kurven bieten ein valides Instrument zur pränatalen Überwachung und adressieren die Limitationen einlingsbasierter Standards. Zukünftige multizentrische Studien sollten die Befunde validieren und zugrundeliegende Mechanismen untersuchen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001616

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