Klinisch-pathologische Analyse von 722 Brustkrebspatientinnen der TAILORx-Studie

Klinisch-pathologische Analyse von 722 Brustkrebspatientinnen, die die Einschlusskriterien der TAILORx-Studie erfüllten

Brustkrebs zählt weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Die Entscheidung zur adjuvanten Chemotherapie bei frühen Stadien bleibt kritisch und oft kontrovers. Die TAILORx-Studie (Trial Assigning IndividuaLized Options for Treatment) zeigte, dass ein Großteil der Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem, HER2-negativem Brustkrebs im Frühstadium auf Chemotherapie verzichten und allein mittels endokriner Therapie behandelt werden kann. Diese retrospektive Studie analysiert klinisch-pathologische Merkmale und prognostische Faktoren bei 722 Patientinnen, die den TAILORx-Einschlusskriterien entsprachen, um reale Behandlungsentscheidungen ohne Multigen-Tests zu bewerten.

An der Peking University First Hospital wurden 2430 Patientinnen mit Frühstadium-Brustkrebs (2008–2015) untersucht. Davon erfüllten 722 (29,7%) die TAILORx-Kriterien: Alter 18–75 Jahre, Tumordurchmesser 1,1–5,0 cm (oder 0,6–1,0 cm bei Grad-3-Histologie), negative Lymphknoten, Hormonrezeptorpositivität, HER2-Negativität, keine Prätherapie und chirurgische Behandlung. Die Patientinnen wurden in zwei Gruppen eingeteilt: 417 (57,8%) erhielten ausschließlich endokrine Therapie (Non-Chemo-Gruppe), 305 (42,2%) Chemotherapie plus endokrine Therapie (Chemo-Gruppe).

Signifikante Unterschiede zeigten sich im Alter (Chemo-Gruppe: 51,3 Jahre vs. Non-Chemo: 56,5 Jahre), Menopausenstatus (58% postmenopausal vs. 48,9%), T-Stadium (T1-Tumoren: 78,4% vs. 63%), histologischem Grad und Ki67-Index (höhere Werte in der Chemo-Gruppe). Die 5-Jahres-Gesamtüberlebensrate (OS) lag bei beiden Gruppen bei 97,9%. Die 5-Jahres-krankheitsfreie Überlebensrate (DFS) war jedoch in der Non-Chemo-Gruppe signifikant höher (97,9% vs. 94,7%). Die Cox-Regression bestätigte kein OS-Unterschied (HR = 1,00; 95%-KI: 0,46–2,21), aber ein erhöhtes Rezidivrisiko in der Chemo-Gruppe (HR = 3,05; 95%-KI: 1,40–6,67).

Gemäß dem St.-Gallen-10-Konsensus wurden 223 Patientinnen (30,9%) als Niedrigrisiko und 499 (69,1%) als Intermediärrisiko eingestuft. In der Niedrigrisikogruppe erhielten 81,2% nur endokrine Therapie. Bei Intermediärrisiko-Patientinnen war die DFS in der Non-Chemo-Gruppe signifikant besser, was auf eine mögliche Übertherapie hinweist.

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung klinisch-pathologischer Merkmale für Therapieentscheidungen, besonders wenn Multigen-Tests nicht verfügbar sind. Faktoren wie Alter, Menopausenstatus, Tumorgröße und Ki67-Index ermöglichen die Identifikation von Patientinnen, die keine Chemotherapie benötigen. Dennoch erhielten 42,2% der Studienpopulation Chemotherapie, was deren Nutzen infrage stellt. Die Integration von Multigen-Tests könnte die Therapiestratifikation, insbesondere bei Intermediärrisiko, optimieren.

Limitationen umfassen den Single-Center-Ansatz, mögliche Selektionsverzerrungen, fehlende Multigen-Testdaten (regulatorische Restriktionen in China) und eine kurze Nachbeobachtungszeit. Zukünftige multizentrische Studien mit längeren Follow-up-Phasen und Genexpressionsanalysen werden empfohlen.

Zusammenfassend zeigt diese Analyse, dass klinisch-pathologische Merkmale in Ressourcen-begrenzten Settings valide Therapieentscheidungen lenken können. Die Kombination mit Multigen-Tests würde präzisere Indikationsstellungen ermöglichen, um unnötige Chemotherapien zu vermeiden.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000548

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