Anwendung eines modifizierten Fossa – infratemporalis – Typ – B – Zugangs

Anwendung eines modifizierten Fossa-infratemporalis-Typ-B-Zugangs zur Resektion lateraler Schädelbasistumoren

Der Fossa-infratemporalis(ITF)-Zugang ist eine etablierte chirurgische Technik zur Entfernung großer Tumoren im Bereich des Felsenbeins und der lateralen Schädelbasis. Dieser Zugang umfasst mehrere Subtypen (Typ A, B, C, D). Der ITF-Typ-B(ITFB)-Zugang ermöglicht die Darstellung des Felsenbeinapex, Clivus und des horizontalen Segments der Arteria carotis interna(ICA) und eignet sich besonders für Tumoren in diesen Regionen. Der klassische ITFB-Zugang umfasst eine subtotale Petrosektomie, Resektion der vorderen Gehörgangswand, Entfernung des Kiefergelenksdiskus sowie Durchtrennung des N. mandibularis und der A. meningea media. In der Praxis zeigte sich jedoch, dass bei einigen Patienten Läsionen primär im Jochbogen und Mittelohr lokalisiert sind, ohne Invasion des horizontalen ICA-Segments. Für solche Fälle wurde ein modifizierter ITFB-Zugang entwickelt, der die Integrität des N. mandibularis und der A. meningea media bewahrt und die ICA-Exposition vermeidet.

In dieser Studie wird die Anwendung des modifizierten ITFB-Zugangs bei sechs Patienten (4 männlich, 2 weiblich; mittleres Alter 37,5 Jahre) der HNO-Abteilung des Beijing Tiantan Hospitals (2014–2017) analysiert. Einschlusskriterien waren Läsionen im Mittelohr, Jochbogen, Kiefergelenk oder mittleren Schädelbasis ohne ICA-Beteiligung. Präoperativ zeigten alle Patienten Hörverluste (1× leicht, 3× moderat leitend, 2× hochgradig sensorineural). Zusätzliche Symptome umfassten Tinnitus (3 Fälle), Otorrhoe (1 Fall) und Fazialisparesen (HB-Grad II bei 1 Patient).

Der operative Zugang erfolgte über eine C-förmige Inzision mit Verschluss des äußeren Gehörgangs, Darstellung des Jochbogens und subtotaler Petrosektomie. Bei drei Patienten mit Durainfiltration erfolgte zusätzlich eine intrakranielle Tumorresektion mit Duratersatz. Postoperativ bestätigte die MRT bei allen Patienten eine komplette Resektion. Histopathologisch fanden sich u.a. Riesenzellgranulome (2 Fälle), Teratome und Plattenepithelkarzinome. Die mittlere Blutungsmenge lag unter 100 ml ohne Gefäßverletzungen.

Hörfunktionell entwickelten vier Patienten postoperative Schallleitungsschwerhörigkeiten (PTA-Anstieg um 10–25 dB), während die sensorineuralen Defizite unverändert blieben. Eine Patientin mit präoperativ normaler Fazialisfunktion entwickelte eine HB-Grad-VI-Parese durch Nervenresektion. Alle anderen zeigten stabile oder verbesserte Nervenfunktionen. Bei dreijähriger Nachbeobachtung (2–6 Jahre) traten keine Rezidive, Liquorfisteln oder intrakraniellen Komplikationen auf.

Vorteile des modifizierten ITFB-Zugangs liegen im Erhalt neurovaskulärer Strukturen und reduzierter ICA-Exposition gegenüber dem klassischen Verfahren. Durch Verschluss von Gehörgang und Tuba auditiva sowie Fettgewebstamponade wird das Infektionsrisiko minimiert. Limitationen bleiben der obligate Hörverlust und die Beeinträchtigung des Kiefergelenks. Die Technik eignet sich somit insbesondere für laterale Schädelbasisprozesse mit Jochbogen- und Mittelohrbeteiligung bei erhaltener ICA-Integrität.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000998

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