Nomogramm zur Vorhersage des krankheitsspezifischen Überlebens bei Osteosarkomen

Nomogramm zur Vorhersage des krankheitsspezifischen Überlebens bei Osteosarkomen

Zusammenfassung
Osteosarkome (OS) sind die häufigsten primären malignen Knochentumore und betreffen vorwiegend Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Bis zu 20 % der OS-Patienten weisen bei Diagnose metastatische Läsionen auf, wobei über 85 % dieser Metastasen in der Lunge lokalisiert sind. Die Identifizierung prognostischer Risikofaktoren ist entscheidend, um individualisierte Therapieansätze zu verbessern. Nomogramme stellen präzise prognostische Modelle dar, die multiple Risikofaktoren integrieren und somit eine präzisere Einschätzung des Überlebens ermöglichen als das traditionelle TNM-System. Diese Studie entwickelte und validierte ein Nomogramm sowie ein Risikomodell zur Vorhersage des krankheitsspezifischen Überlebens (DSS) bei OS-Patienten.

Methoden
Daten von zwischen 2004 und 2015 diagnostizierten OS-Patienten wurden aus der SEER-Datenbank (Surveillance, Epidemiology, and End Results) extrahiert. Einschlusskriterien umfassten eine pathologische OS-Diagnose, Ausschluss anderer Malignome oder unbekannter klinischer Daten. Insgesamt 1639 Patienten wurden randomisiert in Trainings- (n=881), Validierungs- (I: n=408; II: n=350) Kohorten eingeteilt. Erhobene Variablen waren Alter, Ethnizität, Tumorgröße, Metastasenstatus, Therapieverfahren und Überlebenszeit. Mittels univariater und multivariater Cox-Regressionen wurden unabhängige Prognosefaktoren identifiziert. Ein Nomogramm wurde konstruiert, dessen Genauigkeit durch Konkordanzindex (C-Index), Kalibrationskurven und AUC-Werte (Area Under Curve) bewertet wurde.

Ergebnisse
Unabhängige Prognosefaktoren für DSS umfassten Alter (≥18 vs. <18 Jahre: HR 2,07; 95 %-KI 1,63–2,63; p<0,001), histologischer Grad (Grad III vs. I: HR 5,09; 95 %-KI 1,61–16,13; p=0,006; Grad IV vs. I: HR 4,86; 95 %-KI 1,55–15,29; p=0,007), Tumorgröße (>5 cm vs. <2 cm: HR 2,09; 95 %-KI 1,29–3,38; p=0,003), Fernmetastasen (HR 3,07; 95 %-KI 2,35–4,01; p<0,001) und chirurgische Resektion (lokale Resektion vs. keine OP: HR 0,31; 95 %-KI 0,22–0,44; p<0,001). Das Nomogramm zeigte hohe Vorhersagegenauigkeit mit C-Indizes von 0,72 (Training), 0,78 (Validierung I) und 0,80 (Validierung II). Die AUC-Werte für 1-, 2- und 3-Jahres-DSS lagen zwischen 0,67 und 0,82. Eine Risikostratifizierung (Niedrigrisiko: Score <59; Hochrisiko: 59–106) ergab signifikant unterschiedliche mediane DSS-Zeiten (Niedrigrisiko: 61,6 vs. Hochrisiko: 47,4 Monate; p<0,001).

Diskussion
Die Studie identifizierte Alter, Tumorgrad, -größe, Metastasenstatus und Chirurgie als entscheidende Prognosefaktoren. Die Ergebnisse unterstreichen die prognostische Bedeutung einer vollständigen Tumorresektion, während die Rolle von Chemo- und Radiotherapie weiter unklar bleibt. Die Limitationen umfassen die retrospektive Design und fehlende Details zu Therapiemargen. Das entwickelte Nomogramm bietet jedoch eine robuste Grundlage für individualisierte Prognoseabschätzungen und klinische Entscheidungen.

Schlussfolgerung
Das Nomogramm und Risikomodell ermöglichen eine präzise Vorhersage des DSS sowie eine klare Risikostratifizierung bei OS-Patienten. Prospective Multicenter-Studien sind erforderlich, um die Modelle zu validieren und um biologisch relevante Faktoren zu integrieren.

Schlüsselwörter
Osteosarkom, Nomogramm, krankheitsspezifisches Überleben, Risikostratifizierung, SEER-Datenbank

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären keine Interessenkonflikte.

Finanzierung
Keine Angaben.

DOI
10.1097/CM9.0000000000001837

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