Multizentrische Untersuchung zur brusterhaltenden Operation in China (CSBrS-005)

Multizentrische Untersuchung zur brusterhaltenden Operation basierend auf Daten der Chinesischen Gesellschaft für Brustchirurgie (CSBrS-005)

Die brusterhaltende Operation (BET) gilt als Standardtherapie für frühe Stadien des Mammakarzinoms, mit vergleichbaren Überlebensraten zur Mastektomie und besserer ästhetischer Erhaltung. Trotz globaler Akzeptanz ist die Anwendung der BET in China historisch geringer als in westlichen Ländern, wobei kaum Daten zur realen Praxis vorliegen. Diese multizentrische Querschnittsstudie der Chinesischen Gesellschaft für Brustchirurgie (CSBrS) charakterisiert den aktuellen Status der BET in China durch eine umfassende Analyse klinischer und pathologischer Daten von 34 Mitgliedskrankenhäusern (Januar–Dezember 2018).

Hintergrund und Grundlage

Die Einführung der BET begann mit wegweisenden Studien der 1980er- und 1990er-Jahre, die gleichwertige Überlebensraten und verbesserte Lebensqualität im Vergleich zur Mastektomie zeigten. Bis 1991 empfahl das US-amerikanische NIH die BET für frühe Mammakarzinome, was zu ihrer globalen Verbreitung führte. In China jedoch tragen späte Diagnosen, eingeschränkte Screeningprogramme sowie Präferenzen von Patienten oder Ärzten für die Mastektomie zu niedrigen BET-Raten bei. Studien von 2008 dokumentierten eine nationale BET-Rate von 11,88 %, wobei ausgewählte Zentren Südchinas Raten über 50 % erreichten. Die Analyse der zugrunde liegenden Unterschiede ist entscheidend für die Verbesserung der Versorgungsstandards.

Studiendesign und Methodik

Diese retrospektive Studie analysierte Daten von 34 CSBrS-Krankenhäusern aus sieben Regionen: Nordost-, Nord-, Ost-, Süd-, Zentral-, Nordwest- und Südwestchina. Eingeschlossen wurden Frauen mit histologisch bestätigtem Mammakarzinom, die eine BET erhielten, ausgeschlossen solche mit Fernmetastasen, inflammatorischem Karzinom oder männlichem Brustkrebs. Standardisierte elektronische Fragebögen erfassten demografische, klinische und pathologische Variablen, einschließlich Tumorgröße, neoadjuvante Therapie, Resektionsränder, Lymphknotenbefall und molekulare Subtypen. Die Randbreite wurde als ≤2 mm, 2–5 mm oder >5 mm klassifiziert; positive Ränder definierten Tumoranteile am Schnittrand.

Hauptergebnisse

Regionale Variation der BET-Raten

Von 30.494 Brustkrebsoperationen 2018 waren 4.459 (14,6 %) BET. Die regionalen Unterschiede waren erheblich: Südchina verzeichnete die höchste Rate (47,1 %), gefolgt von Nordchina (23,3 %), während Nordostchina die niedrigste Rate (8,9 %) aufwies. Diese Diskrepanzen spiegeln ungleiche Umsetzung der BET, möglicherweise bedingt durch Expertise, Patientenaufklärung oder Infrastruktur.

Patienten- und Tumorcharakteristika

Das mittlere Alter der Kohorte lag bei 48,7 ± 11,2 Jahren (19,8 % <40 Jahre; 2,3 % >75 Jahre). Die Mehrheit (58,2 %) war prämenopausal. Tumoren traten häufiger in der linken Brust (51,5 %) und im oberen lateralen Quadranten (49,4 %) auf. 5,3 % berichteten über familiären Brustkrebs, 7,9 % über andere Malignome in der Familie.

Bei 2.754 Patienten mit dokumentierter Tumorgröße hatten 61,2 % Tumoren ≤2 cm, 29,3 % 2–3 cm, 6,4 % 3–4 cm und 3,2 % >4 cm. Neoadjuvante Therapien erhielten 10,2 % zur Tumorreduktion für BET-Eignung. Axilläre Chirurgie umfasste Sentinel-Lymphknotenbiopsie (80,7 %) und Axilladissektion (19,3 %). Pathologisch negative Lymphknoten fanden sich in 76,9 %, 1–3 befallene Knoten in 17,7 % und ≥4 Knoten in 5,3 %.

Invasiv duktale Karzinome (IDC) dominierten (63,8 %), gefolgt von duktalen Carcinoma in situ (DCIS; 11,0 %). Molekulare Subtypen: Luminal B (58,0 %), Luminal A (23,2 %), triple-negativ (12,7 %) und HER2-positiv (6,1 %).

Resektionsränder

Bei 3.119 Patienten mit dokumentiertem Randstatus zeigten 7,3 % positive Ränder, die eine Nachresektion erforderten. Von 1.734 Patienten mit Randbreitenangaben hatten 88,2 % Ränder >5 mm, 9,8 % 2–5 mm und 2,0 % ≤2 mm. IDC-Fälle mit ≤2 mm Rändern betrugen 1,9 %, DCIS-Fälle 0,7 %. Dies zeigt eine konservative chinesische Praxis mit breiten Exzisionen zur Rezidivprävention.

Diskussion

Niedrige nationale BET-Raten und regionale Ungleichheiten

Die BET-Rate von 14,6 % unterstreicht anhaltende Herausforderungen trotz Fortschritten seit 2008. Die hohe Rate in Südchina (47,1 %) entspricht modernen Zentren wie dem Sun Yat-sen Memorial Hospital. Geringere Raten in Nordost- oder Nordwestchina könnten auf limitierte Strahlentherapie, Patientenängste oder chirurgische Präferenzen zurückgehen. Standardisierte Leitlinien und Fortbildungen könnten diese Disparitäten verringern.

Tumorcharakteristika und neoadjuvante Therapien

Der Anteil kleiner Tumoren (≤2 cm: 61,2 %) spricht für adäquate Patientenselektion. Die geringe Nutzung neoadjuvanter Therapien (10,2 %) kontrastiert mit westlichen Protokollen, wo sie zur BET-Eignung häufiger eingesetzt werden. Die Förderung solcher Therapien, besonders in Regionen mit fortgeschrittenen Tumoren, könnte BET-Raten steigern.

Randpraktiken und klinische Implikationen

Die Präferenz für breite Ränder (>5 mm in 88,2 %) weicht vom internationalen Standard „no ink on tumor“ ab. Obwohl breite Ränder Nachresektionen reduzieren, könnten sie ästhetische Ergebnisse beeinträchtigen. Die niedrige Rate positiver Ränder (7,3 %) reflektiert intraoperative Schnellschnittanalysen, die in China üblich sind. Dies erhöht jedoch den Ressourcenaufwand, weswegen evidenzbasierte, lokal adaptierte Richtlinien erforderlich sind.

Limitationen

Der Fokus auf tertiäre Krankenhäuser mit hohem Patientenaufkommen könnte nationale BET-Raten überschätzen, da ländliche Einrichtungen geringere Raten aufweisen. Fehlende Daten zu Tumorgröße (38,2 %) und Randbreiten (61,1 %) limitieren die Generalisierbarkeit. Prospektive Studien mit standardisierter Datenerfassung sind notwendig.

Fazit

Diese CSBrS-Studie liefert die umfassendste aktuelle Analyse der BET in China und zeigt Fortschritte trotz regionaler Ungleichheiten. Zielgerichtete Maßnahmen – chirurgische Fortbildung, patientenzentrierte Aufklärung und verbesserte Strahlentherapiezugänge – sind entscheidend. Die Standardisierung von Randbewertungen und der Ausbau neoadjuvanter Therapien könnten Ergebnisse weiter optimieren. Zukünftige Forschungen sollten Langzeitüberleben und Rezidivraten untersuchen, um die Sicherheit der BET in diversen chinesischen Populationen zu untermauern.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001152

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