Zusammenhang zwischen Anti-Phospholipase-A2-Rezeptor-Antikörpern und der Wirksamkeit traditioneller chinesischer Medizin (Shenqi-Partikel) bei Patienten mit idiopathischer membranöser Nephropathie: Eine prospektive Kohortenstudie
Die membranöse Nephropathie (MN) ist eine autoimmune Erkrankung und die häufigste Ursache des nephrotischen Syndroms bei Erwachsenen. In China liegt die Inzidenz bei etwa 12 Fällen pro Million pro Jahr, mit einem durchschnittlichen Erkrankungsalter von 50–60 Jahren und einer Geschlechterverteilung von 2:1 (Männer:Frauen). Eine 10-Jahres-Analyse von Nierenbiopsien zeigte, dass MN 29,1% aller renalen Pathologien ausmacht. Die aktualisierten KDIGO-Leitlinien (2019) identifizierten Anti-Phospholipase-A2-Rezeptor (Anti-PLA2R)-Autoantikörper als relevante molekulare Risikofaktoren für die Progression der Nierenfunktionsstörung. Das Monitoring dieser Antikörper wird zur Diagnose und Einschätzung der Immunaktivität bei MN empfohlen.
Traditionelle chinesische Medizin (TCM), insbesondere Shenqi-Partikel, wird in China häufig bei idiopathischer MN eingesetzt. Eine multizentrische, randomisierte Studie (2008–2011) bestätigte die Wirksamkeit und Sicherheit von Shenqi-Partikeln bei primärer MN (PMN). Ungeklärt blieb der Zusammenhang zwischen Anti-PLA2R-Antikörperspiegeln und dem Ansprechen auf TCM.
Methodik
Diese prospektive Kohortenstudie (Longhua Hospital, Shanghai; Ethikkommission-Nr.: 2016LCSY022; Chinesisches Studienregister: ChiCTR-OOC-16009632) schloss 112 Erwachsene (18–75 Jahre) mit bioptisch gesicherter MN (Stadium I–IV), Proteinurie >1 g/24 h (nach 6-monatiger Beobachtung), eGFR >30 mL/min/1,73 m² und TCM-Syndrommuster (Milz-Qi-Mangel, Feuchte-Hitze, Blutstase) ein. Ausschlusskriterien umfassten sekundäre MN, Diabetes (HbA1c >6,2 mmol/L), Immunsuppressiva-Gebrauch oder Infektionen.
Die Patienten wurden anhand der Anti-PLA2R-Baselinewerte (ELISA, EUROIMMUN) in zwei Gruppen eingeteilt:
- Positivgruppe (n=49): Anti-PLA2R >20 RU/mL
- Negativgruppe (n=63): Anti-PLA2R <20 RU/mL
Beide Gruppen erhielten 48 Wochen lang Shenqi-Partikel (9,6 g, dreimal täglich), kombiniert mit Bai’ao-Lumbrokinase (600.000 U) oder Huoxue-Tongmai-Kapseln. Begleittherapien umfassten Blutdruckkontrolle (<130/80 mmHg) mittels ACE-Hemmer/AT1-Blocker.
Ergebnisse
Nach 48 Wochen zeigte die Negativgruppe eine signifikant höhere Remissionsrate (82,53% vs. 38,77%; p<0,001):
- Komplette Remission (CR): Negativgruppe 13/63 (20,6%) vs. Positivgruppe 3/49 (6,1%)
- Partielle Remission (PR): Negativgruppe 39/63 (61,9%) vs. Positivgruppe 16/49 (32,6%)
Die 24-h-Proteinurie verringerte sich in beiden Gruppen (Negativgruppe: 4,10 ± 2,60 → 0,95 ± 1,04 g/d; Positivgruppe: 4,15 ± 2,52 → 2,30 ± 1,62 g/d; p<0,05). Der Serumalbuminspiegel stieg signifikant an (Negativgruppe: 28,23 ± 7,04 → 39,12 ± 5,84 g/L; Positivgruppe: 27,80 ± 6,92 → 35,06 ± 6,38 g/L; p<0,01), während Cholesterin- und Triglyzeridspiegel sanken. Die Nierenfunktion (eGFR) blieb stabil.
Schlussfolgerungen
Patienten mit negativen Anti-PLA2R-Antikörpern sprachen besser auf Shenqi-Partikel an, was auf den prädiktiven Wert dieser Biomarker hindeutet. Shenqi-Partikel verbesserten Proteinurie, Serumalbumin und Lipidprofile bei MN, insbesondere in der Negativgruppe. Limitationen umfassen das Fehlen einer Kontrollgruppe. Weitere Studien sind notwendig, um den Einsatz von TCM bei therapierefraktären MN-Patienten zu validieren.
Interessenkonflikt
Die Autoren erklären keine Interessenkonflikte.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000001565