Direkte medizinische Kosten hospitalisierter Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose in einem tertiären Krankenhaus in China
Die idiopathische Lungenfibrose (IPF) ist eine chronisch fortschreitende Lungenerkrankung, die durch eine Vernarbung des Lungengewebes zu einem Funktionsverlust der Lunge und letztlich zu respiratorischem Versagen führt. Die Inzidenz der IPF variiert weltweit erheblich. In Nordamerika und Europa liegt sie bei 3–9 Fällen pro 100.000 Einwohnern jährlich, während sie in Südamerika und Asien mit 1,2–4,16 Fällen pro 100.000 Einwohnern niedriger ausfällt. Mit steigender Inzidenz gewinnt die wirtschaftliche Belastung durch die Erkrankung zunehmend an Bedeutung. Studien aus den USA und Spanien schätzen die jährlichen direkten medizinischen Kosten pro Patient auf 26.378 US-Dollar bzw. 26.435 Euro. Für China liegen jedoch bisher keine Daten vor. Diese Studie untersucht erstmals die direkten medizinischen Kosten hospitalisierter IPF-Patienten in einem tertiären Krankenhaus Chinas und identifiziert kostentreibende Faktoren.
Studiendesign und Methodik
In dieser retrospektiven Querschnittsstudie am Beijing Chao-Yang-Krankenhaus wurden Daten von 219 zwischen 2012 und 2015 hospitalisierten IPF-Patienten analysiert. Die Diagnose erfolgte gemäß den Leitlinien der American Thoracic Society, European Respiratory Society, Japanese Respiratory Society und Asociación Latinoamericana de Tórax. Aus dem Krankenhausinformationssystem wurden demografische Daten, Komorbiditäten und Behandlungskosten erhoben.
Die direkten medizinischen Kosten wurden in drei Kategorien unterteilt:
- Diagnostikkosten (Labor, Bildgebung, Pathologie),
- Arzneimittelkosten (Antibiotika, westliche Medikamente, traditionelle chinesische Medizin, Blutprodukte),
- Sonstige Kosten (Behandlungen, Pflege, Sauerstoff, Unterbringung).
Alle Kosten wurden in Renminbi (CNY) angegeben (Wechselkurs 2015: 1 USD ≈ 6,2 CNY). Die statistische Auswertung erfolgte mit SPSS 22.0. Kontinuierliche Daten wurden als Median (Interquartilsbereich; IQR) und kategoriale Daten als absolute Zahlen bzw. Prozentsätze dargestellt. Gruppenvergleiche erfolgten mittels Mann-Whitney-U-Test. Kostentreibende Faktoren wurden durch uni- und multivariate lineare Regressionsanalysen identifiziert (Signifikanzniveau: p < 0,05).
Patienteneigenschaften
Das mittlere Alter der 219 Patienten betrug 65 Jahre (Spanne: 41–88 Jahre), 91,3 % waren männlich. 48,9 % stammten aus Peking. Die durchschnittliche Krankenhausverweildauer lag bei 10,1 Tagen (±8,0 Tage). Bei 13 Patienten (5,9 %) kam eine invasive oder nicht-invasive Beatmung zum Einsatz, 3 Patienten (1,4 %) wurden auf der Intensivstation behandelt.
Direkte medizinische Kosten
Die medianen direkten medizinischen Kosten pro Aufenthalt betrugen 9.378,3 CNY (IQR: 7.366,9–12.122,8 CNY). Den größten Anteil machten Diagnostikkosten mit 5.745,8 CNY (IQR: 4.105,4–7.043,7 CNY) aus, gefolgt von Arzneimittelkosten (1.347,0 CNY; IQR: 624,9–3.809,9 CNY). Laboruntersuchungen waren mit 3.687,5 CNY (IQR: 2.525,5–4.556,5 CNY) die teuerste Diagnostikkategorie.
Kostentreibende Faktoren
Intensivbehandlung und Beatmung: Patienten auf der Intensivstation wiesen mediane Kosten von 81.452,5 CNY (IQR: 63.117,9–100.048,5 CNY) gegenüber 9.294,9 CNY (IQR: 7.344,2–12.057,8 CNY) bei Nicht-Intensivpatienten auf. Beatmungspflichtige Patienten hatten Kosten von 29.869,7 CNY (IQR: 10.121,8–72.415,4 CNY) vs. 9.242,5 CNY (IQR: 7.322,8–11.897,7 CNY).
Komorbiditäten: Bei Patienten mit Lungeninfektionen lagen die Kosten bei 11.023,4 CNY (IQR: 8.347,4–19.849,6 CNY) vs. 8.789,3 CNY (IQR: 6.810,5–11.209,4 CNY). Respiratorisches Versagen erhöhte die Kosten auf 16.456,9 CNY (IQR: 9.265,8–29.350,6 CNY), pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH) auf 12.122,7 CNY (IQR: 8.123,3–19.011,5 CNY).
Regressionsanalysen: In der multivariaten Analyse waren die Verweildauer, Intensivbehandlung, Lungeninfektionen und respiratorisches Versagen unabhängige Prädiktoren für hohe Kosten. Intensivbehandlung hatte den stärksten Einfluss (β = 62.329,7 CNY; p < 0,001).
Diskussion
Die medianen direkten Kosten pro Aufenthalt (9.378,3 CNY) waren im Vergleich zu westlichen Ländern niedriger, was auf geringere Arzneimittelkosten (Limitierung antifibrotischer Therapien wie Pirfenidon/Nintedanib) und niedrigere Personalkosten zurückgeführt wird. Die hohen Diagnostikkosten erklären sich durch die häufig erst stationär gestellte Erstdiagnose. Komplikationen wie Infektionen oder respiratorisches Versagen verdoppelten bis vervierfachten die Kosten, was die Notwendigkeit frühzeitiger Diagnostik und Komorbiditätenkontrolle unterstreicht.
Schlussfolgerung
Diese erste chinesische Kohortenstudie zu IPF-Kosten zeigt, dass insbesondere Intensivbehandlung und Komplikationen die wirtschaftliche Belastung erhöhen. Die Ergebnisse unterstreichen die Dringlichkeit leitliniengerechter Versorgung und den Ausbau antifibrotischer Therapieoptionen in China.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001089