Mortalität, Morbidität und Versorgungsstrategien bei 1750 Frühgeborenen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht, 2016–2021
Einleitung
Frühgeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (VLBW; <1500 g) stellen eine kritische Patientengruppe in der Neonatologie dar. Trotz Fortschritte in der intensivmedizinischen Versorgung bleiben Morbidität und Mortalität bedeutende Herausforderungen. Diese Studie analysierte klinische Merkmale, Versorgungsstrategien und Outcomes von VLBW-Säuglingen der West China Second University Hospital zwischen 2016 und 2021 im Vergleich zum Zeitraum 2009–2015.
Hintergrund
Weltweit werden jährlich über 20 Millionen Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht geboren (15–20% aller Lebendgeburten). Die Überlebensraten von VLBW-Säuglingen variieren global erheblich (Japan: 93%, Spanien: 78%). In China liegt die Überlebensrate bei <32 Schwangerschaftswochen (SSW) mittlerweile bei 95,4%, dennoch bestehen Disparitäten bei schweren Morbiditäten wie intraventrikulärer Hämorrhagie (IVH), Sepsis, bronchopulmonaler Dysplasie (BPD), nekrotisierender Enterokolitis (NEC) und Frühgeborenenretinopathie (ROP).
Methoden
Retrospektive Kohortenstudie an der West China Second University Hospital (2016–2021) mit 1750 VLBW-Säuglingen (Ausschluss bei schweren Fehlbildungen). Daten zu Mortalität, Morbiditäten und Versorgungsmaßnahmen wurden erhoben und mit denen von 2009–2015 verglichen. Ethische Genehmigung wurde erteilt; informierte Zustimmung entfiel aufgrund des retrospektiven Designs.
Versorgungsstrategien
- Reanimation im Kreißsaal: 42,9% (häufiger bei extrem niedrigem Geburtsgewicht [ELBW] und <28 SSW).
- Respiratorisches Management: Nicht-invasive Beatmung (53,9%), invasive Beatmung (38,2%), Hochfrequenzbeatmung (9,9%). Pulmonales Surfactant (55,1%), Koffeingabe (81,4%).
- Postnatale Kortikosteroide: 19,2% (primär ELBW und <28 SSW).
- Parenterale Ernährung: Median 19 Tage.
Hauptmorbiditäten
Von 1517 vollständig behandelten Neugeborenen traten auf:
- Pneumonie (81,8%), neonatales Atemnotsyndrom (NRDS; 60,1%), BPD (28,7%).
- Pulmonale Hämorrhagie (8,4%), Apnoe (22,0%), IVH (28,5%), schwere IVH/Periventrikuläre Leukomalazie (PVL; 7,6%), ROP (29,9%), schwere ROP (2,0%), NEC (5,7%), Sepsis (11,1%). Höhere Inzidenzen bei ELBW und niedrigerem Gestationsalter.
Prognose
- Gesamtmortalität: 9,7% (Klinikmortalität: 3,0%).
- Haupttodesursachen: Sepsis, NRDS und NEC (innerklinisch); NRDS, Sepsis und schwere IVH (nach Entlassung gegen ärztlichen Rat).
Vergleich 2009–2015 vs. 2016–2021
- Höherer Anteil ELBW und <28 SSW im aktuellen Zeitraum.
- Verbesserte Versorgungspraktiken (z. B. nicht-invasive Beatmung).
- Geringere Mortalität (gesamt und innerklinisch), weniger Apnoe und IVH/PVL.
- Erhöhte NRDS- und BPD-Inzidenz.
Diskussion
Trotz reduzierter Mortalität und neurologischer Morbiditäten erfordern die steigenden NRDS- und BPD-Raten weitere Optimierung der Beatmungsstrategien, antenatalen Kortikoidprophylaxe und Ernährung. Multidisziplinäre Ansätze sowie evidenzbasierte Qualitätsinitiativen bleiben entscheidend.
Fazit
Die Studie zeigt signifikante Fortschritte in der VLBW-Versorgung in China, verweist jedoch auf persistierende Herausforderungen. Frühinterventionen, standardisierte Protokolle und interdisziplinäre Zusammenarbeit sind essenziell, um Langzeitprognosen weiter zu verbessern.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002923