Auswirkungen höherer Femurtunnel auf klinische Ergebnisse bei DB – ACLR

Auswirkungen höherer Femurtunnel auf klinische Ergebnisse, MRT- und Second-Look-Befunde bei der Doppelbündel-Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands mit einer Mindestnachbeobachtungszeit von 5 Jahren

Einleitung
Die Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands (ACLR) ist ein etabliertes Verfahren zur Wiederherstellung der Kniestabilität nach Rupturen. Anatomische ACLR-Techniken gewannen aufgrund ihrer Fähigkeit, die native Anatomie des Kreuzbands nachzubilden, zunehmend an Bedeutung. Dabei spielt die Positionierung der Femurtunnel eine entscheidende Rolle für die Biomechanik und klinischen Ergebnisse. Aktuelle Studien betonen, dass höhere Femurtunnel (HFT) im zentralen Bereich der direkten Fasern des femoralen ACL-Ansatzes biomechanische Vorteile bieten könnten. Diese Studie vergleicht klinische Ergebnisse, MRT-Befunde und Second-Look-Arthroskopien zwischen HFT und tiefer positionierten Femurtunneln (LFT) bei der Doppelbündel-ACLR (DB-ACLR) über mindestens 5 Jahre.

Hintergrund
Der femorale ACL-Ansatz besteht aus direkten (mechanisch relevanten) und indirekten Fasern. Direkte Fasern zeigen isometrischeres Verhalten während der Knieflexion und tragen maßgeblich zur Stabilität bei. Biomechanische Daten deuten darauf hin, dass HFT diese Eigenschaften besser reproduzieren. Dennoch fehlen Langzeitdaten zur klinischen Wirksamkeit von HFT in der DB-ACLR.

Methoden
In dieser retrospektiven Studie wurden 83 Patienten nach DB-ACLR (2014–2016) analysiert: 37 mit HFT (Gruppe 1) und 46 mit LFT (Gruppe 2). Einschlusskriterien: Unilaterale ACL-Ruptur, Alter 18–45 Jahre, geschlossene Wachstumsfugen. Ausschlusskriterien: Knorpelschäden ≥ Grad 3, Meniskusresektion >50%, Mehrbandverletzungen. Die Tunnelposition wurde mittels 3D-CT postoperativ verifiziert.

Chirurgisches Verfahren
Die Semitendinosus- (AM-Bündel) und Gracilis-Sehne (PL-Bündel) wurden als Autografts entnommen. Die Femurtunnel wurden transportal angelegt, wobei HFT im direkten Ansatzbereich platziert wurden. Die Fixierung erfolgte mit Endobuttons (femoral) und bioresorbierbaren Interferenzschrauben (tibial). Die Rehabilitation umfasste frühfunktionelle Übungen und stufenweise Belastungssteigerung.

Klinische Bewertung
Prä- und postoperativ wurden der IKDC-Subjektivscore, Tegner-Aktivitätsscore und Lysholm-Score erhoben. Die Stabilität wurde mittels KT-2000-Arthrometer, Lachman-Test und Pivot-Shift-Test beurteilt. Knorpelveränderungen wurden nach IKRSS klassifiziert. Bei 43 Patienten erfolgte eine Second-Look-Arthroskopie zur Beurteilung der Transplantatqualität.

Ergebnisse
Beide Gruppen waren hinsichtlich Demografie, BMI und Nachbeobachtungszeit (68,2 ± 7,1 Monate) vergleichbar. Die HFT-Gruppe zeigte signifikant bessere Stabilität:

  • KT-2000-Differenz: 1,1 ± 0,6 mm vs. 2,3 ± 1,1 mm (p <0,05)
  • Negativer Pivot-Shift-Test: 89,2 % vs. 67,4 % (p = 0,019)
    Die Return-to-Sports-Rate lag in der HFT-Gruppe bei 86,8 % vs. 65,2 % (p = 0,028). In der Second-Look-Arthroskopie wies das PL-Bündel der HFT-Gruppe signifikant bessere Spannung (p = 0,003) und Synovialisierung (p = 0,013) auf. MRT-basierte Knorpelverschlechterungen (ICRSS ≥1 Grad) traten in beiden Gruppen ohne signifikanten Unterschied auf (HFT: 24,3 % vs. LFT: 28,3 %).

Diskussion
Die Ergebnisse unterstützen die biomechanische Überlegenheit von HFT, insbesondere für das PL-Bündel. Die höhere Position reduziert vermutlich Längenänderungen des Transplantats während der Flexion, was die verbesserte Stabilität und Return-to-Sports-Rate erklärt. Die unveränderten klinischen Scores könnten auf limitierte Sensitivität dieser Bewertungssysteme hinweisen. Langfristige Knorpeldegenerationen scheinen durch HFT nicht beschleunigt zu werden.

Schlussfolgerung
HFT in der DB-ACLR führt zu superiorer Kniestabilität und höheren Sportrückkehrraten verglichen mit LFT. Die Second-Look-Befunde unterstreichen die Bedeutung der anatomischen PL-Bündel-Rekonstruktion. Weitere Studien mit größeren Kohorten und quantitativen Knorpelanalysen (z.B. T2-Mapping) sind notwendig, um Langzeitfolgen zu evaluieren.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002948

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