Globale und regionale Trends in Inzidenz, Prävalenz und attributierbaren Risikofaktoren uteriner Myome auf nationaler Ebene von 2010 bis 2019

Globale und regionale Trends in Inzidenz, Prävalenz und attributierbaren Risikofaktoren uteriner Myome auf nationaler Ebene von 2010 bis 2019

Uterine Myome (UM), die häufigsten gutartigen Tumoren bei Frauen im reproduktiven Alter, verursachen weltweit erhebliche gesundheitsökonomische Belastungen. Diese Studie analysierte mithilfe der Global Burden of Disease (GBD)-Daten 2019 epidemiologische Trends, altersspezifische Muster und Risikofaktoren für UM in 204 Ländern und Territorien von 2010 bis 2019. Die Ergebnisse zeigen signifikante Variationen in Inzidenz, Prävalenz und behinderungsbereinigten Lebensjahren (DALYs) sowie handlungsrelevante Erkenntnisse zu modifizierbaren Risikofaktoren für öffentliche Gesundheitsstrategien.


Globale Krankheitslast uteriner Myome im Jahr 2019

2019 wurden weltweit 9.643.336 neue UM-Fälle diagnostiziert, was einer rohen Inzidenzrate von 250,05 pro 100.000 Frauen und einer altersstandardisierten Inzidenzrate (ASIR) von 241,18 pro 100.000 entspricht. Die globale Prävalenz belief sich auf 226.045.773 Fälle mit einer altersstandardisierten Prävalenzrate (ASPR) von 5.467,68 pro 100.000. Die DALYs betrugen 1.378.498, entsprechend einer altersstandardisierten DALY-Rate von 33,32 pro 100.000.

Regionale Disparitäten waren ausgeprägt: Europäische und südamerikanische Länder wiesen die höchsten ASIR- und ASPR-Werte auf. Lettland führte mit einer ASIR von 667,14 pro 100.000 und einer ASPR von 15.612,81 pro 100.000, gefolgt von Russland (ASIR: 586,64; ASPR: 13.336,71) und Estland (ASPR: 13.127,11). In Regionen wie Afrika, Ozeanien und Teilen Asiens lagen die Raten deutlich niedriger. China verzeichnete eine ASIR von 133,80 pro 100.000 und eine ASPR von 2.934,66 pro 100.000, unterhalb des globalen Durchschnitts.


Zeitliche Trends in Inzidenz und Prävalenz (2010–2019)

Die globale ASIR stieg signifikant mit einer durchschnittlichen jährlichen Prozentveränderung (AAPC) von 0,27 % (95 %-KI: 0,25–0,29). Die ASPR zeigte einen moderaten, aber signifikanten Anstieg (AAPC: 0,078 %, 95 %-KI: 0,055–0,102).

Nationale Variationen

In 88 Ländern mit hochwertigen Daten wiesen 52 Länder signifikante ASIR-Anstiege auf. Die stärksten Zuwächse traten in Norwegen (AAPC: 1,59 %), Brasilien (1,42 %) und Iran (1,11 %) auf. Dagegen sank die ASIR in 22 Ländern, insbesondere in Kanada (–1,29 %), Polen (–1,12 %) und Chile (–1,02 %).

Bei der Prävalenz zeigten nur sechs Länder signifikante Anstiege, angeführt von Mexiko (6,34 %), Argentinien (5,58 %) und Iran (5,20 %). Die meisten Nationen wiesen stabile Prävalenzraten auf, was auf heterogene Erfassungs- und Diagnosepraktiken hinweist.


Altersspezifische Inzidenz- und Prävalenzmuster

Globale Inzidenzraten waren bei Frauen im Alter von 30–44 Jahren am höchsten, während die Prävalenz zwischen 35–54 Jahren gipfelte. Alters-Perioden-Kohorten-Analysen ergaben:

  • Alterseffekt: Die Inzidenz stieg von 15–39 Jahren steil an, erreichte mit 35–39 Jahren ihr Maximum und nahm postmenopausal ab.
  • Periodeneffekt: Die UM-Raten sanken leicht über den Betrachtungszeitraum.
  • Kohorteneffekt: Jüngere Geburtskohorten zeigten ein graduell erhöhtes UM-Risiko, was auf generationsspezifische Umwelt- oder Lebensstileinflüsse hindeutet.

Besonders bei 45–54-jährigen Frauen traten divergierende Trends zutage: Während die globale Inzidenz stabil blieb (AAPC: 0,14 %, 95 %-KI: –0,05–0,33), verzeichneten Iran (3,09 %), Brasilien (2,65 %) und Japan (2,47 %) starke Zuwächse, während Polen (–1,53 %), Norwegen (–0,93 %) und Chile (–0,72 %) Rückgänge aufwiesen. Diese Unterschiede könnten auf Menopausentiming, Gesundheitszugang oder Diagnoseverfahren zurückgehen.


Risikofaktoren und ökologische Assoziationen

Fertilität und Human Development Index (HDI)

Es bestand eine inverse Beziehung zwischen Fertilitätsraten und UM-Inzidenz: Länder mit höheren Fertilitätsraten (Projektionen 2010–2015 und 2015–2020) hatten niedrigere ASIR-Werte. Dies stützt die Hypothese, dass Nulliparität das UM-Risiko erhöht. Der HDI zeigte eine schwach positive Assoziation mit der Inzidenz, die jedoch nicht signifikant war.

Lebensstil- und metabolische Faktoren

Multivariable Regressionsanalysen identifizierten vier signifikante modifizierbare Faktoren:

  1. Alkoholkonsum: Jeder zusätzliche Liter reinen Alkohols erhöhte die ASIR um 41,35 pro 100.000 (P <0,001).
  2. Hypertonie: Eine 1 %-ige Steigerung der Hypertonieprävalenz erhöhte die ASIR um 5,63 (P = 0,004).
  3. Adipositas: Ein Anstieg des BMI um 1 % erhöhte die ASIR um 1,82 (P = 0,006).
  4. Rauchen: Tabakkonsum zeigte einen protektiven Effekt mit einer Reduktion der ASIR um 2,61 pro 1 %-Anstieg (P = 0,013).

Subgruppenanalysen verdeutlichten Unterschiede:

  • In Ländern mit steigender Inzidenz dominierten Alkohol und Hypertonie.
  • In Ländern mit sinkender Inzidenz war erhöhtes Serumcholesterein ein unerwarteter Risikofaktor (β = 429,22, P <0,001), was weiterer Validierung bedarf.

Implikationen für die öffentliche Gesundheit

Die zunehmende UM-Belastung erfordert gezielte Maßnahmen. Länder mit steigenden Trends (v. a. in Afrika, Asien und Südamerika) sollten priorisieren:

  • Primärprävention: Kampagnen gegen Alkoholmissbrauch, Adipositas und Hypertonie.
  • Screening: Verbesserter Zugang zu diagnostischer Bildgebung in ressourcenarmen Settings.
  • Förderung von Schwangerschaften: Geburtenfördernde Politikansätze könnten das UM-Risiko senken.

Länder mit sinkender Inzidenz (z. B. Kanada, Polen) bieten Modelle zur Evaluierung bestehender Maßnahmen wie Tabakkontrollprogramme.


Studienlimitierungen

  1. Datenquellen: Modellierungen der GBD-Daten bergen Unsicherheiten gegenüber bevölkerungsbasierten Registern.
  2. Ökologischer Fehlschluss: Länderebene-Analysen erlauben keine kausalen Rückschlüsse auf Individuen.
  3. Nicht erfasste Confounder: Genetische Prädisposition, ethnische Diversität und Umwelttoxine wurden nicht berücksichtigt.

Fazit

Diese Analyse unterstreicht die wachsende globale Herausforderung durch uterine Myome. Zwischen 2010 und 2019 stieg die Inzidenz in 59 % der untersuchten Länder signifikant, getrieben durch Alkoholkonsum, Hypertonie und Adipositas. Die protektiven Effekte von Fertilität und Rauchen bieten neue Präventionsansätze. Zukünftige Forschung muss Datenlücken in unterrepräsentierten Regionen schließen und biologische Mechanismen modifizierbarer Risikofaktoren untersuchen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002971

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