Globale, regionale und nationale Belastung und attributive Risikofaktoren von Transportverletzungen: Global Burden of Disease-Studie 1990–2019

Globale, regionale und nationale Belastung und attributive Risikofaktoren von Transportverletzungen: Global Burden of Disease-Studie 1990–2019

Transportverletzungen stellen eine bedeutende, jedoch oft übersehene Ursache der globalen Krankheitslast dar. Jährlich ereignen sich Millionen verletzungsbedingter Todesfälle, die erhebliche Disparitäten hinsichtlich Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit und sozioökonomischem Status widerspiegeln. Durch fortschreitende Urbanisierung und die Zunahme motorisierter Fahrzeuge kommt es zu engeren Interaktionen zwischen Fußgängern, Radfahrern und Fahrzeugführern, was das Risiko von Transportverletzungen erhöht. Im Jahr 2019 rangierten Straßenverletzungen als siebthäufigste Ursache verletzungsbedingter behinderungsbereinigter Lebensjahre (DALYs) über alle Altersgruppen hinweg. Die Analyse der Verteilung von Transportverletzungen in verschiedenen Regionen und Ländern ist entscheidend für evidenzbasierte politische Maßnahmen.

Die Daten stammten aus der Global Burden of Disease (GBD)-Studie 2019, verfügbar über die Global Health Data Exchange. Die Studie folgte den GATHER-Empfehlungen. Transportverletzungen wurden in GBD 2019 in zwei Kategorien unterteilt: Straßenverletzungen und sonstige Transportverletzungen. Straßenverletzungen umfassten Fußgänger-, Radfahrer-, Motorrad-, Kraftfahrzeug- und andere Straßenverletzungen. Die ICD-10-Codes V00–V86.99, V87.2–V87.3, V88.2–V88.3 und V90–V98.8 wurden verwendet.

Die Krankheitslast (Inzidenz, Mortalität, DALYs) wurde mittels des Bayesianischen Modells DisMod-MR 2.1 geschätzt und als absolute Zahlen sowie altersstandardisierte Raten pro 100.000 Einwohner dargestellt. Die Analyse berücksichtigte Alter, Geschlecht, soziodemografischen Index (SDI) und geografische Lage. Der SDI wurde in fünf Stufen unterteilt; 204 Länder wurden 21 Regionen zugeordnet. Von 87 identifizierten Risikofaktoren wurden vier Kategorien gebildet.

Jede Schätzung erfolgte 1.000-mal, wobei der Mittelwert und das 95 %-Unsicherheitsintervall (UI) aus der 25. und 97.5. Perzentile berechnet wurden. Ein p-Wert <0,05 galt als signifikant. Die Datenauswertung erfolgte mittels Excel und R (Version 4.1.0).

Globale Ergebnisse zeigten, dass Radfahrerverletzungen die höchsten altersstandardisierten Inzidenzraten aufwiesen, während Fußgängerverletzungen die höchste Mortalität verzeichneten. Kraftfahrzeugverletzungen führten zu den höchsten DALYs-Raten. Signifikante regionale Unterschiede bestanden: In 14 von 21 GBD-Regionen dominierten Kraftfahrzeug-DALYs. Niedrige SDI-Regionen (insbesondere Subsahara-Afrika) hatten durchgehend die höchsten Mortalitäts- und DALYs-Raten, was mit Konflikten, schwacher medizinischer Infrastruktur und geringer Verkehrssicherheit assoziiert wurde.

Männer wiesen 2019 signifikant höhere Inzidenz- (Spitze: 20–24 Jahre), Mortalitäts- und DALYs-Raten auf als Frauen. Unabhängig vom Geschlecht verzeichnete die Altersgruppe 20–24 Jahre die höchsten Fall- und Todeszahlen, wobei Radfahrerverletzungen hauptsächlich zur Inzidenz und Kraftfahrzeugverletzungen zur Mortalität beitrugen. Berufsbedingte Verletzungen (höchster Anteil), niedrige Knochendichte und Alkoholkonsum waren die wesentlichen Risikofaktoren. Bei 20- bis 44-Jährigen erreichten die durch Berufsrisiken und Alkohol bedingten DALYs-Raten ihren Höhepunkt im Alter von 25–29 Jahren.

Häufigste Verletzungsmuster waren Frakturen, Kopfverletzungen (moderate/schwere sowie leichte Schädel-Hirn-Traumen), Amputationen und Verbrennungen. Trotz rückläufiger Mortalitäts- und DALYs-Raten seit 1990 bleibt die Belastung in Ländern mit niedrigem/mittlerem SDI unverhältnismäßig hoch. Ursächlich sind unzureichende Präventionsmaßnahmen, mangelndes Sicherheitsbewusstsein und unzureichende politische Investitionen.

Diese Studie unterstreicht die Notwendigkeit gezielter Interventionen, insbesondere für junge Männer und Berufsgruppen mit hohem Expositionsrisiko. Die Ergebnisse bieten eine Grundlage für prioritätenorientierte Gesundheitsstrategien zur Reduktion der globalen Transportverletzungslast.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002744

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