Veränderte Profile kardiovaskulärer Erkrankungen und Risikofaktoren in China: Eine Sekundäranalyse der Global Burden of Disease Study 2019
Kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD) bleiben weltweit die führende Todes- und Behinderungsursache, wobei China einen erheblichen Anteil dieser Last trägt. In den letzten drei Jahrzehnten haben sich das Profil von CVD und den damit verbundenen Risikofaktoren in China erheblich gewandelt. Diese Studie analysiert umfassend die Trends der CVD-Last und ihrer zugrunde liegenden Risikofaktoren in China von 1990 bis 2019 anhand von Daten der Global Burden of Disease (GBD)-Studie 2019. Die Ergebnisse unterstreichen die wachsenden Herausforderungen in der Prävention und Kontrolle von CVD sowie den Bedarf an zielgerichteten Strategien zur Bewältigung der zunehmenden Last der ischämischen Herzkrankheit und persistierender modifizierbarer Risikofaktoren.
Gesamtlast der CVD in China
Die absolute Zahl der CVD-Fälle stieg von 5,3 Millionen (1990) auf 12,3 Millionen (2019) an. Die Todesfälle verdoppelten sich nahezu von 2,4 auf 4,6 Millionen, während die behinderungsadjustierten Lebensjahre (DALYs) von 60,3 auf 91,9 Millionen anstiegen. Diese Zunahmen reflektieren das Bevölkerungswachstum und die demografische Alterung.
Trotz des Anstiegs der absoluten Zahlen zeigten die altersstandardisierten Raten (ASR) gemischte Trends: Die ASR der Inzidenz stieg minimal von 646,2 auf 652,2 pro 100.000, während die ASR der Mortalität um 27,4 % (von 381,2 auf 276,9/100.000) und die DALYs-ASR um 33,4 % (von 7412,8 auf 4938,4/100.000) sanken. Dies deutet auf Verbesserungen in der altersadjustierten Krankheitskontrolle hin.
Trends bei CVD-Subtypen
Schlaganfall, ischämische Herzkrankheit und hypertensive Herzerkrankung verursachten über 95 % der CVD-Todesfälle 2019. Die ASR der Schlaganfallmortalität sank um 39,8 %, was auf erfolgreiche Präventionsmaßnahmen zurückgeführt wird. Im Gegensatz dazu stiegen die ASR für ischämische Herzkrankheit signifikant an (Inzidenz +11,5 %, Mortalität +17,6 %), bedingt durch Risikofaktoren wie Alterung und unzureichende Therapieadhärenz.
Rheumatische Herzerkrankungen gingen um >75 % zurück, während nicht-rheumatische Klappenerkrankungen und Vorhofflimmern insbesondere bei Älteren zunahmen. Periphere arterielle Verschlusskrankheiten zeigten den stärksten relativen Anstieg der DALYs (+89,4 %).
Altersspezifische CVD-Last
Schlaganfälle dominierten die DALYs in der Altersgruppe 1–14 Jahre, während ischämische Herzkrankheit und Schlaganfall 80 % der Last bei 15–79-Jährigen ausmachten. Vorhofflimmern gewann bei über 55-Jährigen deutlich an Bedeutung. Der Beitrag hypertensiver Herzerkrankungen stieg in allen Altersgruppen kontinuierlich an.
Risikofaktorenanalyse
Zwölf modifizierbare Risikofaktoren erklärten 94,1 % der CVD-DALYs 2019. Die Top-5-Faktoren waren:
- Hoher systolischer Blutdruck (SBP) (45,1 %)
- Ernährungsrisiken (38,7 %)
- Tabakkonsum (24,1 %)
- Luftverschmutzung (21,1 %)
- Hohes LDL-Cholesterin (19,6 %)
Der Beitrag des Body-Mass-Index (BMI) verdoppelte sich von 1990–2019 (ASR +81,4 %), während alkoholbedingte DALYs um 38,2 % sanken. Geschlechtsspezifisch dominierten bei Männern Tabakkonsum (28,9 % der DALYs), bei Frauen Luftverschmutzung (22,4 %).
Implikationen für die Prävention
Die Ergebnisse fordern differenzierte Interventionsansätze:
- Intensivierung des Risikofaktorenmanagements für ischämische Herzkrankheit
- Ausbau von Präventionsprogrammen gegen Adipositas und Stoffwechselstörungen
- Stärkung der primärmedizinischen Versorgung in ländlichen Gebieten
- Umweltpolitische Maßnahmen zur Reduktion der Feinstaubbelastung
- Implementierung bevölkerungsweiter Screenings ab dem 40. Lebensjahr
Fazit
Diese Studie dokumentiert den epidemiologischen Wandel der CVD-Last in China von infektiologisch geprägten zu alters- und lebensstilassoziierten Erkrankungen. Die zunehmende Dominanz metabolischer Risikofaktoren erfordert eine Neuausrichtung der Präventionsstrategien im Einklang mit den Zielen der „Healthy China 2030“-Initiative. Multisektorale Ansätze zur Verbesserung der Bevölkerungsgesundheit bleiben entscheidend.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000002741