Hypertonie und NAFLD-Risiko: Erkenntnisse aus der NHANES 2017–2018 und Mendelian Randomization-Analysen
Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) ist die weltweit häufigste chronische Lebererkrankung. Sie ist durch die Akkumulation von Fett in der Leber gekennzeichnet, die zu schwerwiegenden Verläufen wie Steatohepatitis, Fibrose, Zirrhose und Leberkrebs fortschreiten kann. Trotz des relativ geringen Anteils von Patienten mit schweren Komplikationen stellt die hohe Prävalenz der NAFLD ein bedeutendes Problem für die öffentliche Gesundheit dar. Hypertonie, die etwa 30 % der globalen Bevölkerung betrifft, ist ein Hauptrisikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Beide Erkrankungen teilen gemeinsame metabolische Risikofaktoren wie Adipositas, Insulinresistenz und Alter, was ihre Beziehung komplex und bidirektional macht. Diese Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Hypertonie und NAFLD anhand von Daten der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) 2017–2018 sowie Mendelian Randomization (MR)-Analysen.
Für die Beobachtungsstudie wurden die NHANES-2017–2018-Daten genutzt. Einschlusskriterien waren Teilnehmer ab 20 Jahren mit Elastographie-Messungen mittels FibroScan 502 Touch. Ausschlusskriterien umfassten unvollständige Elastographie-Daten, signifikanten Alkoholkonsum, Hepatitis-B/C-Infektionen, steatogenen Medikamentengebrauch und fehlende Blutdruckdaten. Die finale Stichprobe umfasste 3144 Teilnehmer. Hypertonie wurde nach den Leitlinien der American Heart Association/American College of Cardiology (2017) definiert (systolischer Blutdruck [SBP] ≥130 mmHg oder diastolischer Blutdruck [DBP] ≥80 mmHg). NAFLD wurde über den Controlled Attenuation Parameter (CAP) mittels FibroScan diagnostiziert (Cutoff: 285 dB/m).
Die demografischen und klinischen Merkmale zeigten, dass NAFLD-Patienten älter, häufiger männlich und nicht-hispanisch weiß waren. Sie wiesen höhere Bildungsabschlüsse, Raucherprävalenz, Diabetes- und Hypertonieraten auf. Zudem lagen bei NAFLD-Patienten höhere mediane Werte für Lebersteifheit, CAP, Body-Mass-Index (BMI), Taillenumfang, SBP, DBP und Leberenzyme vor. Die multivariable logistische Regressionsanalyse ergab eine signifikante positive Assoziation zwischen Hypertonie und NAFLD-Risiko (Odds Ratio [OR] = 1,677). Erhöhter SBP und DBP korrelierten ebenfalls signifikant mit NAFLD.
In der Zwei-Stichproben-MR-Analyse wurden genetische Varianten aus großangelegten GWAS (Genome-Wide Association Studies) für Hypertonie, SBP und DBP verwendet. Die MR-Analyse bestätigte einen kausalen Zusammenhang zwischen Hypertonie und NAFLD (OR = 7,203). Ähnliche kausale Assoziationen fanden sich für SBP (OR = 1,024) und DBP (OR = 1,047). Sensitivitätsanalysen (MR-Egger, gewichteter Median, MR-PRESSO) unterstützten die Robustheit der Ergebnisse.
Die kombinierte Auswertung der Beobachtungsstudie und MR-Analyse deutet darauf hin, dass Hypertonie ein signifikanter Risikofaktor für NAFLD ist. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Hypertonieüberwachung und -behandlung zur Reduktion des NAFLD-Risikos. Zukünftige Forschung sollte die zugrundeliegenden Mechanismen untersuchen und die Befunde in diversen Populationen validieren.
Zusammenfassend liefert diese Studie umfassende Evidenz für den Zusammenhang zwischen Hypertonie und NAFLD. Durch die Kombination von NHANES-Daten und MR-Analysen werden robuste Einblicke in die kausale Beziehung gegeben. Die Erkenntnisse haben relevante Implikationen für die öffentliche Gesundheit, insbesondere für integrierte Strategien zur gemeinsamen Behandlung von Hypertonie und NAFLD.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002753