Einfluss der Anästhesie auf die gastrointestinale Endoskopie: Eine groß angelegte Studie in 50 öffentlichen Krankenhäusern Chinas
Die gastrointestinale Endoskopie (GIE) ist ein unverzichtbares Diagnoseinstrument zur Früherkennung von gastrointestinalen Tumoren und verwandten Erkrankungen. In den letzten Jahren hat die Anwendung von Anästhesie während der GIE global erheblich an Bedeutung gewonnen. Beispielsweise werden etwa 82 % der Gastroskopien in Deutschland und 98 % der Koloskopien in den USA unter Sedierung oder Anästhesie durchgeführt. Trotz zunehmender Evidenz für die Vorteile der Anästhesie bei GIE bestehen Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Effektivität bei Patienten und sogar Endoskopikern. Diese multizentrische, prospektive Beobachtungskohortenstudie in 50 öffentlichen chinesischen Krankenhäusern zielte darauf ab, diese Fragen systematisch zu untersuchen, mit Fokus auf Patientencompliance, Zufriedenheit und Sicherheit.
Das Studiendesign wurde von der Ethikkommission des Peking Friendship Hospitals genehmigt. Alle Teilnehmer gaben schriftliche Einwilligung. Eingeschlossen wurden Patienten zwischen 18 und 80 Jahren mit ASA-Status I–III, BMI 18–30 kg/m² und der Fähigkeit, Fragebögen auszufüllen. Ausgeschlossen wurden Notfall-GIE, kombinierte Endoskopien, schwere Begleiterkrankungen sowie Kommunikationsstörungen.
Die Patienten wurden entsprechend ihrem Verfahren (Gastro-/Koloskopie) und Anästhesiewunsch in vier Gruppen eingeteilt. Vor dem Eingriff erhielten alle Patienten Entschäumer und Lidocain. In der Anästhesiegruppe erfolgte die GIE nach intravenöser Gabe von Sufentanil und Propofol/Etomidat mit kontinuierlicher Propofol-Infusion. Postinterventionell wurden Patienten mindestens zwei Stunden im Aufwachraum überwacht. Vitalparameter und unerwünschte Ereignisse (z.B. Hypotension, Apnoe) sowie postprozedurale Beschwerden (Übelkeit, Schwindel) wurden dokumentiert.
Von 4.296 rekrutierten Patienten zeigten sich keine signifikanten demografischen Unterschiede zwischen den Gruppen. Frauen und höher gebildete Patienten wählten signifikant häufiger Anästhesie. Die Compliance zur Wiederholung der GIE war in den Anästhesiegruppen deutlich höher (p < 0,001). Sowohl Patienten- als auch Endoskopikerzufriedenheit lagen in diesen Gruppen bei über 95 %, verglichen mit 65–78 % in Nicht-Anästhesiegruppen. Biopsie- und Läsionsdetektionsraten waren unter Anästhesie erhöht bei kürzerer Untersuchungsdauer.
Es traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf. Allerdings war die Inzidenz intraprozeduraler Komplikationen (11,2 % vs. 6,8 %) und postinterventioneller Beschwerden (34,5 % vs. 18,9 %) in Nicht-Anästhesiegruppen signifikant höher. Dies unterstreicht die Sicherheit der Anästhesie bei korrekter Dosierung.
Limitationen umfassen die fehlende Verblindung, unberücksichtigte Konfaktoren wie ökonomische Einflüsse sowie das Fehlen einer Kosteneffektivitätsanalyse. Zudem wurden Risiken für Hochrisikopopulationen nicht detailliert untersucht.
Zusammenfassend zeigt diese Studie, dass Anästhesie die Compliance, Diagnostikqualität und Patientenzufriedenheit bei GIE signifikant verbessert, bei gleichzeitig reduzierter Komplikationsrate. Die routinemäßige Anwendung sollte erwogen werden. Künftige Studien sollten spezifische Sedierungstiefen und ökonomische Aspekte adressieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002664