Auswirkungen der Coronavirus Disease 2019-Impfung auf Anfälle bei Patienten mit Epilepsie
Die Coronavirus Disease 2019 (COVID-19)-Pandemie hat erhebliche Auswirkungen auf die globale Gesundheit, wobei Infektionen mit dem schweren akuten respiratorischen Syndrom Coronavirus 2 (SARS-CoV-2) zu einem breiten Spektrum klinischer Verläufe führen, von asymptomatischen Fällen bis hin zu schwerer respiratorischer Insuffizienz und Tod. Die Impfung hat sich als zentrale Strategie zur Pandemiekontrolle etabliert, jedoch bestehen Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit, insbesondere bei vulnerablen Gruppen wie Patienten mit Epilepsie (PWE). Diese Studie untersuchte das Risiko und korrelative Faktoren für Anfälle bei PWE nach COVID-19-Impfung, um relevante Erkenntnisse für Neurologen und Betroffene zu liefern.
Die retrospektive Studie wurde an 11 Krankenhäusern in China durchgeführt und schloss PWE ein, die eine COVID-19-Impfung erhalten hatten. Die Patienten wurden basierend auf dem Auftreten von Anfällen innerhalb von 14 Tagen postvakzinal in zwei Gruppen eingeteilt: Patienten mit Anfällen (SAV-Gruppe) und anfallsfreie Patienten (SFAV-Gruppe). Zusätzlich dienten 67 ungeimpfte PWE als Kontrollgruppe zur Bewertung des Impfeinflusses auf die Anfallsrezidivrate. Mittels binärer logistischer Regressionsanalyse wurden potenzielle Risikofaktoren für Anfallsrezidive identifiziert und der Effekt der Impfung bei Patienten mit reduzierter oder abgesetzter Antiepileptika (ASM)-Therapie untersucht.
Insgesamt wurden 407 Patienten eingeschlossen, davon entwickelten 48 (11,8%) innerhalb von 14 Tagen postvakzinal Anfälle (SAV-Gruppe), während 359 (88,2%) anfallsfrei blieben (SFAV-Gruppe). Die Analyse zeigte, dass die Anfallsfreiheitsdauer vor Impfung sowie ASM-Reduktion oder -Absetzen periimpfung signifikant mit Anfallsrezidiven assoziiert waren. Patienten mit über dreimonatiger Anfallsfreiheit und normalem Elektroenzephalogramm (EEG) präimpfung wiesen ein geringeres Rezidivrisiko auf. Von 33 Patienten, die diese Kriterien erfüllten, blieben 32 (97,0%) innerhalb von 14 Tagen postvakzinal anfallsfrei.
Nicht-epileptische Nebenwirkungen traten bei 92 (22,6%) Patienten auf, darunter Schmerzen/Juckreiz an der Injektionsstelle (14,3%), Verhärtungen (4,7%) und subfebrile Temperaturen (2,0%). Weitere Nebenwirkungen umfassten Fatigue (5,2%), Schwindel/Kopfschmerzen (3,7%), Myalgien (5,4%), Übelkeit/Erbrechen (1,0%) und abdominelle Beschwerden (0,7%). Schwerwiegende Nebenwirkungen (Synkope, generalisierter Ausschlag) traten bei zwei Patienten (0,5%) auf. Nicht-epileptische Nebenwirkungen beeinflussten die Anfallsrezidivrate nicht signifikant.
Die Studie unterstreicht drei Kernbefunde: Erstens ist das Rezidivrisiko postvakzinal bei langzeit-anfallsfreien PWE gering. Zweitens erhöht ASM-Dosisreduktion oder -Absetzen periimpfung das Rezidivrisiko signifikant. Drittens zeigte der Impfstofftyp (ausschließlich inaktivierte Vakzine) keinen Einfluss auf das Anfallsrisiko.
Klinisch relevant ist, dass COVID-19-Impfungen für PWE bei ausreichender Anfallskontrolle sicher erscheinen. Bei aktuellen Anfällen oder ASM-Modifikationen ist jedoch engmaschiges Monitoring indiziert. Die Aufrechterhaltung der ASM-Therapie periimpfung ist entscheidend zur Risikominimierung.
Studienlimitierungen umfassen das retrospektive Design, geringe Fallzahl, Selbstangaben zur Anfallsfrequenz und die Beschränkung auf inaktivierte Impfstoffe. Prospektive Studien mit größeren Kohorten und verschiedenen Vakzintypen sind erforderlich.
Zusammenfassend zeigt diese Studie, dass das Anfallsrezidivrisiko nach COVID-19-Impfung bei stabiler Epilepsie gering ist. Langzeit-anfallsfreie Patienten mit normalem EEG können sicher geimpft werden. Bei erhöhtem Rezidivrisiko durch ASM-Modifikationen ist jedoch besondere Vorsicht geboten. Diese Erkenntnisse unterstützen die klinische Entscheidungsfindung und bieten Sicherheit für Betroffene und Behandler hinsichtlich der Impfsicherheit bei Epilepsie.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002558