Schübe und Veränderungen der Krankheitsaktivität bei RA-Patienten nach COVID-19-Impfung

Schübe und Veränderungen der Krankheitsaktivität bei Patienten mit stabiler rheumatoider Arthritis nach COVID-19-Impfung: eine prospektive chinesische Kohortenstudie

Einleitung
Die COVID-19-Pandemie stellte eine erhebliche globale Gesundheitsherausforderung dar, wobei Impfungen eine Schlüsselrolle bei der Eindämmung spielten. Für Patienten mit chronischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis (RA) wurde die COVID-19-Impfung von rheumatologischen Fachgesellschaften wie der European League Against Rheumatism (EULAR) und dem American College of Rheumatology (ACR) empfohlen. Dennoch bestehen Bedenken hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf die Krankheitsaktivität und Schubrisiken. Bisherige Studien deuten auf seltene Schübe nach Impfung hin, basierten jedoch häufig auf Patientenangaben oder elektronischen Krankenakten. Diese prospektive Kohortenstudie evaluierte erstmals systematisch mittels klinischer Assessments den Einfluss der COVID-19-Impfung auf RA-Patienten in Remission oder mit geringer Krankheitsaktivität.

Studiendesign und Teilnehmer
Die Studie wurde innerhalb der CENTRA-Kohorte (Collaboratively intENsive Treat-to-target in RA) durchgeführt, einer seit 2015 am Peking University First Hospital etablierten prospektiven RA-Kohorte. Eingeschlossen wurden RA-Patienten in Remission oder mit niedriger Krankheitsaktivität (Januar 2021–Januar 2022). Die 202 Teilnehmer wurden basierend auf ihrem Impfstatus in zwei Gruppen eingeteilt: Geimpfte (zweifache Impfung, n=104) und Ungeimpfte (n=98). Ausgeschlossen wurden Einmal-Geimpfte oder Patienten mit unvollständiger Nachbeobachtung.

Der mediane Abstand zwischen Voruntersuchung und Erstimpfung betrug 67 Tage, zwischen Zweitimpfung und Nachuntersuchung 83 Tage. Verwendete Impfstoffe umfassten inaktivierte Vakzine von Sinovac (67,3%), Sinopharm (26,0%) und einen rekombinanten Untereinheiten-Impfstoff von Zhifei Longcom (6,7%).

Datenerhebung und Bewertungen
Erfasst wurden demografische und klinische Parameter einschließlich Gelenkbefund, Laborwerte (BSG, CRP) sowie zusammengesetzte Krankheitsaktivitätsscores (DAS28-ESR, DAS28-CRP, CDAI, SDAI). Mittels Ultraschalluntersuchung (22 Gelenke) wurde subklinische Synovitis anhand von Gray-Scale (GS) und Power-Doppler(PD)-Scores (0–3 pro Gelenk) quantifiziert. Impfnebenwirkungen wurden systematisch dokumentiert.

Primärer und sekundärer Endpunkt
Primärer Endpunkt war die Schubrate, definiert als DAS28-ESR >3,2 mit Anstieg ≥0,6 gegenüber dem Ausgangswert. Sekundäre Endpunkte umfassten Veränderungen von Krankheitsaktivitätsscores und Synovitisparametern.

Ergebnisse
Beide Gruppen waren hinsichtlich Geschlecht, Krankheitsdauer und Medikation vergleichbar, allerdings waren Geimpfte im Median jünger (51,6 vs. 55,5 Jahre; p=0,041).

In der geimpften Gruppe zeigten sich keine signifikanten Veränderungen der Krankheitsaktivitätsscores oder Ultraschallparameter nach Impfung:

  • DAS28-ESR: 2,13 ± 0,79 vs. 2,19 ± 0,89 (p>0,05)
  • GS- und PD-Scores ohne relevante Differenzen

Die Schubrate betrug 4,8% (5/104) bei Geimpften vs. 9,2% (9/98) bei Ungeimpften (p=0,221). Alle Schübe verliefen mild und kontrollierbar. In der multivariaten Analyse erwies sich nur eine höhere Ausgangs-Krankheitsaktivität (DAS28-ESR) als signifikanter Schubrisikofaktor (OR: 2,03; 95%-KI:1,11–3,70; p=0,021).

Sicherheitsprofil
Bei 27,9% (29/104) traten Impfnebenwirkungen auf, überwiegend lokal (26,9%) und systemisch (10,6%):

  • Häufigste systemische Ereignisse: Fatigue/Schlafstörungen (5,8%), Hautausschlag (2,9%), Kopfschmerzen (2,9%)
  • Alle Nebenwirkungen waren mild und selbstlimitierend

Diskussion
Die Studie liefert Evidenz, dass COVID-19-Impfungen bei RA-Patienten in stabiler Remission/geringer Aktivität weder die Krankheitsaktivität signifikant beeinflussen noch das Schubrisiko erhöhen. Die beobachteten Schubraten (4,8% vs. 9,2%) unterstützen die Sicherheit der Impfung in dieser Population. Die Identifikation der Baseline-Krankheitsaktivität als Hauptrisikofaktor unterstreicht die Bedeutung engmaschiger Monitoringstrategien.

Stärken und Limitationen
Stärken umfassen das prospektive Design mit klinisch-ultraschallgestützter Datenerhebung. Limitationen sind der Fokus auf stabile RA-Patienten und die monozentrische Durchführung in China.

Schlussfolgerung
COVID-19-Impfungen sind bei stabiler RA sicher und sollten aktiv empfohlen werden. Die niedrige Impfrate (50,5%) in dieser Kohorte im Vergleich zum chinesischen Durchschnitt unterstreicht den Bedarf an Aufklärung über Nutzen-Risiko-Profil der Impfung in dieser Patientengruppe.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002562

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