Robotergestützte einseitige Lungentransplantation

Robotergestützte einseitige Lungentransplantation

Die Lungentransplantation stellt derzeit die einzige akzeptierte Behandlungsmethode für terminales Lungenversagen dar. Traditionell erfolgen Doppellungentransplantationen über eine transversale Thorakosternotomie oder Sternotomie, während einseitige Transplantationen über eine posterolaterale Thorakotomie durchgeführt werden. Diese hochinvasiven Zugangswege können zu postoperativen Schmerzen, verzögerter Wundheilung und chronischer Post-Thorakotomie-Neuralgie führen, was die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinträchtigt. In den letzten Jahren wurden zunehmend minimal-invasive Methoden erforscht, wobei roboterassistierte Systeme in der Thoraxchirurgie an Bedeutung gewonnen haben. Dieser Artikel präsentiert einen detaillierten Fallbericht einer robotergestützten einseitigen rechtsseitigen Lungentransplantation bei einem Patienten mit terminaler chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD).

Kasuisitik
Der Patient war ein 59-jähriger Mann mit terminaler COPD und Zustand nach offener Resektion beidseitiger Lungenbullae vor zehn Jahren. Präoperativ zeigten sich schwere Lungenfunktionseinschränkungen: forciertes exspiratorisches Volumen in einer Sekunde (FEV1) 0,27 L, forcierte Vitalkapazität (FVC) 0,52 L und Vitalkapazität (VC) 1,20 L. Die Blutgasanalyse ergab pH 7,35, PaO₂ 88,1 mmHg, PaCO₂ 50,8 mmHg, HCO₃⁻ 26,1 mmol/L und SaO₂ 97,6 % unter FiO₂ 41 %. Die transthorakale Echokardiographie zeigte eine Ejektionsfraktion von 60 % und einen pulmonalarteriellen Systolendruck von 30 mmHg.

Spenderorgan und Operation
Nach 69-tägiger Wartezeit wurde ein passendes Spenderorgan eines 40-jährigen Hirnblutungspatienten mit einem Oxygenierungsindex von 450 mmHg identifiziert. Der Empfänger wurde in Linksseitenlage positioniert und mittels Doppellumentubus intubiert. Das da-Vinci-Si-Robotersystem (Intuitive Surgical Inc., Mountain View, Kalifornien, USA) kam zum Einsatz. Über eine 8,0 cm große Arbeitsinzision im sechsten Interkostalraum sowie vier weitere Trokarzugänge (je 1,0 cm) erfolgte die Thorakoskopie.

Intraoperativ wurden ausgedehnte Pleuraadhäsionen gelöst. Die Lungenvenen wurden präpariert, gefolgt von einer Stapler-Durchtrennung der rechten oberen und unteren Pulmonalvene (Ethicon, Johnson & Johnson, New Brunswick, USA). Die Arteria pulmonalis dextra wurde abgeklemmt, deren anteriore apikale Äste mittels Stapler durchtrennt und die Hauptarterie distal des Abgangs abgesetzt. Der rechte Hauptbronchus wurde zwei Knorpelspangen distal der Carina durchtrennt.

Das Spenderorgan (kalt-ischämische Zeit: 300 Minuten) wurde ohne Rippenspreizung eingebracht. Die Implantation umfasste robotergestützte Anastomosen: Bronchus (12 Minuten, halbkontinuierliche 3/0 Prolene-Naht), Arteria pulmonalis (28 Minuten, 5/0 Prolene) und Vorhofmanschette (32 Minuten, 4/0 Prolene). Nach Reperfusion und Belüftung erfolgte die Platzierung von Thoraxdrainagen.

Postoperativer Verlauf
Der Patient wurde nach 36 Stunden extubiert. Die Immunsuppression umfasste Tacrolimus und Kortikosteroide. Die Thorax-CT am 9. postoperativen Tag zeigte eine suffiziente Transplantatentfaltung. Bei Entlassung (Tag 19) verbesserten sich die Lungenfunktionsparameter auf FEV1 1,01 L, FVC 1,13 L und VC 1,71 L. In der 6-Minuten-Gehtest erreichte der Patient 350 Meter. Bronchoskopisch zeigten sich stabile Anastomosen.

Diskussion
Das da-Vinci-System ermöglicht durch dreidimensionale Visualisierung und EndoWrist-Instrumente präzise Präparation und Anastomosierung, insbesondere bei Adhäsionen oder komplexer Anatomie. Die robotergestützte Technik reduziert Trauma und potenzielle Komplikationen offener Verfahren. Limitationen umfassen die fehlende haptische Rückmeldung, welche visuelle Kontrolle während der Naht erfordert, sowie die Notwendigkeit eines erfahrenen Assistenten zur Management intraoperativer Komplikationen.

Schlussfolgerung
Die robotergestützte einseitige Lungentransplantation stellt eine sichere und machbare Option für selektionierte Patienten dar. Bei Expertise des chirurgischen Teams kann dieses minimal-invasive Verfahren die postoperative Morbidität verringern und die Erholung beschleunigen, wodurch es eine vielversprechende Alternative zu konventionellen Techniken bietet.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002462

Schreibe einen Kommentar 0

Your email address will not be published. Required fields are marked *