Vergleich zwischen GnRH-Agonist- und GnRH-Antagonisten-Protokollen bei POSEIDON 3 und 4

Vergleich zwischen GnRH-Agonist- und GnRH-Antagonisten-Protokollen bei Patientinnen der POSEIDON-Gruppen 3 und 4 unter Verwendung von Propensity-Score-Matching

Die Behandlung der schlechten ovariellen Reaktion (Poor Ovarian Response, POR) in der assistierten Reproduktionstechnologie (ART) stellt aufgrund fehlender standardisierter Definitionen seit Langem eine Herausforderung dar. Die POSEIDON-Klassifikation (Patient-Oriented Strategies Encompassing Individualized Oocyte Number) wurde eingeführt, um eine detaillierte Stratifizierung von Patientinnen basierend auf ihrer ovariellen Reserve und dem Ansprechen auf Stimulation zu ermöglichen. Die POSEIDON-Gruppen 3 und 4 umfassen Patientinnen mit niedrigen Anti-Müller-Hormon (AMH)-Spiegeln (<1,2 ng/mL) und/oder einer niedrigen antralen Follikelzahl (AFC; <5), die als Patientinnen mit niedriger Prognose für erfolgreiche ART-Ergebnisse gelten. Die Wahl des kontrollierten ovariellen Stimulationsprotokolls (COS), insbesondere die Verwendung von Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Agonisten (GnRH-a) oder GnRH-Antagonisten (GnRH-ant), bleibt in diesen Gruppen kontrovers. Diese Studie verglich die kumulative Lebendgeburtenrate (CLBR), die Anzahl entnommener Oozyten sowie weitere klinische Outcomes zwischen GnRH-a- und GnRH-ant-Protokollen mittels Propensity-Score-Matching (PSM) bei Patientinnen der POSEIDON-Gruppen 3 und 4 im ersten COS-Zyklus.

Methodik
In dieser retrospektiven Kohortenstudie wurden 494 Patientinnen der POSEIDON-Gruppen 3 und 4 analysiert, die zwischen Januar 2015 und Dezember 2019 am Ersten Affiliierten Krankenhaus der Sun Yat-sen-Universität behandelt wurden. Ausschlusskriterien umfassten endokrine Anomalien, uterine Strukturauffälligkeiten, Präimplantationsgenetiktests oder unvollständige Nachverfolgung. Die finale Analyse umfasste 397 Patientinnen (181 GnRH-a, 216 GnRH-ant). Die Studie wurde von der Ethikkommission der Institution genehmigt; alle Teilnehmerinnen gaben eine schriftliche Einwilligung.

Die COS-Protokolle starteten mit rekombinantem FSH oder humanem menopausalen Gonadotropin, dosiert nach Alter, BMI, FSH-, AMH-Spiegeln und AFC. Bei ≥2 Follikeln mit ≥18 mm Durchmesser wurde humanes Choriongonadotropin (hCG) verabreicht, gefolgt von der Oozytenentnahme nach 36 Stunden. Frische Embryonen wurden 2–5 Tage postentnahme transferiert; Kryozyklen erfolgten in natürlichen oder hormonell substituierten Zyklen.

Primärer Endpunkt war die CLBR (Lebendgeburt nach erstem COS-Zyklus inklusive aller Transferzyklen innerhalb von 2 Jahren). Sekundäre Endpunkte umfassten Laborparameter (Oozytenzahl, Metaphase-II-Oozyten, 2PN-Embryonen) sowie klinische Schwangerschaftsraten (bestätigt durch transvaginalen Ultraschall in der 7.–8. SSW). Mittels PSM (1:1-Matching, Caliper 0,02) wurden Baseline-Unterschiede adjustiert. Subgruppenanalysen erfolgten nach Alter (<35 vs. ≥35 Jahre) und AMH-Spiegeln (Cut-off: 0,88 ng/mL).

Ergebnisse
Vor PSM zeigte die GnRH-ant-Gruppe in POSEIDON-Gruppe 4 niedrigere AMH-Werte (0,73 vs. 0,87 ng/mL, P = 0,004), AFC (4 vs. 4, P = 0,03) und Oozytenzahl (4 vs. 5, P < 0,001) sowie eine niedrigere CLBR (12,4 % vs. 28,0 %, P = 0,001). Nach PSM blieb die Oozytenanzahl in der GnRH-ant-Gruppe reduziert (4 vs. 5, P = 0,00), die CLBR unterschied sich jedoch nicht signifikant (15,1 % vs. 22,6 %, P = 0,13). In POSEIDON-Gruppe 3 zeigte sich nach PSM ebenfalls eine geringere Oozytenausbeute (5 vs. 6, P = 0,02) ohne CLBR-Unterschied.

In der Subgruppe mit höheren AMH-Werten (≥0,88 ng/mL) wies die GnRH-ant-Gruppe vor PSM eine niedrigere AFC (4 vs. 5, P < 0,001), Östradiolspiegel am Trigger-Tag, Anzahl Follikel ≥14 mm, Oozyten (4,5 vs. 7, P < 0,001) und CLBR (20,6 % vs. 46,2 %, P < 0,001) auf. Nach PSM blieben Unterschiede lediglich in der GnRH-Dosierung, Oozytenanzahl (5 vs. 6, P = 0,01) und 2PN-Embryonen bestehen. In der niedrigen AMH-Subgruppe (<0,88 ng/mL) zeigte die GnRH-ant-Gruppe nach PSM reduzierte Follikelanzahlen (≥14 mm) und Oozyten (4 vs. 5, P = 0,03).

Diskussion
Das GnRH-a-Protokoll erhöhte signifikant die Oozytenausbeute in allen Subgruppen, jedoch ohne signifikante CLBR-Steigerung. Dies könnte auf Unterschiede in der Oozytenqualität hinweisen. Die Studie unterstreicht die Bedeutung individueller COS-Protokolle für Patientinnen mit eingeschränkter ovarieller Reserve gemäß POSEIDON-Kriterien. Limitationen umfassen das retrospektive Design, kleine Stichprobe und potenzielle Selektionsbias. Zukünftige randomisierte Studien sind erforderlich, um die optimalen Protokolle zu validieren.

Schlussfolgerung
Für Patientinnen der POSEIDON-Gruppen 3 und 4 ist das GnRH-a-Protokoll aufgrund der höheren Oozytenausbeute vorzuziehen, auch wenn sich dies nicht signifikant auf die CLBR auswirkt. Weitere Forschung ist notwendig, um die Protokolloptimierung und patientenspezifische Anpassungen zu evaluieren.

Interessenkonflikte
Keine angegeben.

Finanzierung
Keine externe Finanzierung.

Ethik
Die Studie wurde gemäß den ethischen Standards der Deklaration von Helsinki durchgeführt und von der Ethikkommission genehmigt (Referenznummer einfügen).

DOI
10.1097/CM9.0000000000002370

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