Einsatz pränataler Kortikosteroide bei Säuglingen mit einem Gestationsalter von 24 bis 31 Wochen in 57 neonatologischen Intensivstationen Chinas: Eine Querschnittsstudie
Pränatale Kortikosteroide (ACS) gelten als eine der wirksamsten Interventionen zur Senkung der Mortalität und schwerer Morbiditäten bei Frühgeborenen, insbesondere vor der 32. Schwangerschaftswoche (SSW). Trotz nachgewiesener Vorteile variiert die Anwendung von ACS international und zwischen Gesundheitssystemen. Diese Studie untersucht die Anwendung von ACS bei sehr frühen Frühgeborenen in China, mit Fokus auf Säuglinge der SSW 24+0 bis 31+6 in 57 neonatologischen Intensivstationen (NICUs). Zudem werden perinatale Einflussfaktoren und interhospitale Unterschiede analysiert.
Die Studie basiert auf Daten des Chinese Neonatal Network (CHNN), einer nationalen klinischen Datenbank zur Erfassung von Behandlungspraktiken und Outcomes in chinesischen NICUs. Zwischen 01.01.2019 und 30.12.2019 wurden prospektiv Daten von 57 Krankenhäusern aus 25 Provinzen erhoben, darunter 43 perinatale Zentren mit geburtshilflichen Einrichtungen und 14 kinderärztliche Fachkliniken ohne Geburtshilfe. Eingeschlossen wurden Frühgeborene der SSW 24+0 bis 31+6, die innerhalb von sieben Tagen nach Geburt aufgenommen wurden. Ausgeschlossen wurden Säuglinge mit schweren angeborenen Fehlbildungen oder unklarem ACS-Status.
Die ACS-Gabe wurde als Verabreichung mindestens einer Dosis Dexamethason oder Betamethason vor der Geburt definiert. Ein vollständiger Kurs umfasste zwei Betamethason-Dosen oder vier Dexamethason-Dosen; eine Teilgabe wurde bei unvollständiger Dosierung klassifiziert. Der Zeitpunkt der ACS-Gabe wurde kategorisiert in: <48 Stunden, 48 Stunden–7 Tage und >7 Tage vor Geburt.
Von 7828 eingeschlossenen Säuglingen erhielten 6103 (78,0%) ACS. Die Anwendungsrate stieg mit dem Gestationsalter: 68,3% (177/259) bei 24–25 SSW vs. 78,8% (3120/3960) bei 30–31 SSW. Unter den ACS-exponierten Säuglingen erhielten 49,1% (2999/6103) einen vollständigen Einzelkursus, 33,4% (2039/6103) eine Teilgabe und 12,6% (772/6103) wiederholte Kurse. Die zeitliche Verteilung der ACS-Gabe zeigte: 43,3% Geburten <48 Stunden nach erster Dosis, 33,5% innerhalb 48 Stunden–7 Tage und 23,2% >7 Tage nach erster Dosis.
Risikofaktoren für eine reduzierte ACS-Anwendung umfassten niedrigeres Gestationsalter (24–25 SSW: adjustierte Odds Ratio [aOR] 0,35; 26–27 SSW: aOR 0,41 vs. Referenz 30–31 SSW) sowie Outborn-Status (aOR 0,29). Mütterliche Hypertension (aOR 1,63), Diabetes (aOR 1,39), vorzeitiger Blasensprung (aOR 1,70) und Sectio caesarea (aOR 1,52) erhöhten die ACS-Wahrscheinlichkeit signifikant.
Die interhospitalen Unterschiede waren erheblich: In 43 perinatalen Zentren variierte die ACS-Rate von 30,2% bis 100,0%. Sechs Zentren lagen unter 70%, sechs über 90%. Bei SSW 24–25 wiesen fünf Kliniken signifikant niedrigere Raten auf (Trichterdiagrammanalyse).
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit standardisierter Qualitätsverbesserungsinitiativen. Trotz Fortschritten bleibt die ACS-Rate in China unter der in Industrieländern, zudem erhalten viele Säuglinge inkomplette oder zeitlich suboptimale Kurse. Aktuelle chinesische Leitlinien empfehlen ACS ab SSW 28–34; eine Ausweitung auf SSW 24–27 könnte angesichts verbesserter Überlebensraten extrem früher Frühgeborener sinnvoll sein.
Zusammenfassend zeigt diese Studie Fortschritte und Defizite der ACS-Anwendung in China. Optimierungen der Timing-Qualität, Leitlinienanpassungen und interregionale Kooperationen sind entscheidend, um die neonatale Versorgung weiter zu verbessern.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002266