Gewaschene Mikrobiota-Transplantation verbessert die Fertilität bei Patientinnen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED), einschließlich Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, sind durch anhaltende Entzündungen des Gastrointestinaltrakts gekennzeichnet. Frauen mit CED weisen häufig Fertilitätsstörungen auf, darunter reduzierte Konzeptionsraten und längere Zeiträume bis zum Eintritt einer Schwangerschaft im Vergleich zur gesunden Bevölkerung. Die Behandlung dieser Fertilitätsprobleme stellt eine zentrale Herausforderung im CED-Management dar. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten auf eine mögliche Rolle der Darmmikrobiota bei der Beeinflussung der reproduktiven Gesundheit hin. Eine Dysbiose der Darmmikrobiota könnte die Fortpflanzungsfähigkeit durch Modulation von Hormonen wie Östrogenen, Androgenen und Insulin negativ beeinflussen. Dies hat die Untersuchung der fäkalen Mikrobiota-Transplantation (FMT) als potenzielle Intervention zur Wiederherstellung des mikrobiellen Gleichgewichts und zur Verbesserung der Fertilität angeregt.
In diesem Kontext wurde die gewaschene Mikrobiota-Transplantation (WMT) entwickelt, eine Methode mit automatisiertem Waschprozess, die Sicherheit, Quantifizierung und Applikation der Mikrobiota-Suspension optimiert. Das Verfahren wurde 2019 in einem Konsensusstatement der FMT-Standardisierungsgruppe formalisiert. Die vorliegende retrospektive Studie evaluierte, ob WMT die Fertilität bei CED-Patientinnen verbessern kann, mit Fokus auf Schwangerschaftsraten, Zeit bis zur Konzeption und neonatale Outcomes.
Die Studie wurde am Medizinischen Zentrum für Verdauungserkrankungen des Zweiten Affiliierten Krankenhauses der Nanjing Medical University in China durchgeführt. Nach ethischer Genehmigung und schriftlicher Einwilligung der Teilnehmerinnen wurden Frauen mit CED in Remission (nach medikamentöser Therapie oder WMT) eingeschlossen. Patienten wurde eine Schwangerschaftsplanung mindestens einen Monat nach der letzten WMT empfohlen, sofern ein gutes klinisches Ansprechen vorlag. Für WMT wurde frische Mikrobiota von gesunden Spendern (18–24 Jahre) verwendet. Jeder Therapiezyklus umfasste drei WMT-Sitzungen mit je drei bis fünf Einheiten Mikrobiota (1 Einheit = 1,0 × 10^13 Bakterien). Ausgeschlossen wurden Patientinnen mit fertilitätsrelevanten Komorbiditäten wie polyzystischem Ovarsyndrom oder Azoospermie.
Die Auswertung umfasste 21 Patientinnen (WMT-Gruppe: n=11; Kontrollgruppe ohne WMT: n=10). Die Schwangerschaftsrate war in der WMT-Gruppe signifikant höher (p=0,047), und die mittlere Zeit bis zur Konzeption war kürzer (mehrheitlich <6 Monate vs. Kontrolle; p=0,017). Patienten mit Konzeptionsversagen in beiden Gruppen litten an Morbus Crohn, was auf einen Einfluss der Erkrankungsschwere hindeutet. Schwangerschaftskomplikationen traten in keiner Gruppe auf. Spontane Vaginalgeburten waren in der WMT-Gruppe häufiger (9/11 vs. 2/10; p=0,036). Neonatale Komplikationen unterschieden sich nicht signifikant; alle Nachkommen zeigten normale Entwicklungsparameter. Zwei WMT-Patientinnen mit initialen Menstruationsstörungen berichteten posttherapeutisch reguläre Zyklen über ≥6 Monate.
Vergleiche mit populationsbasierten Daten zeigten, dass CED-Patientinnen (insbesondere mit Morbus Crohn) ein erhöhtes Risiko für verzögerte Konzeption (>12 Monate) aufweisen. Die adjustierten relativen Risikoraten hierfür betrugen 1,28 (CED gesamt), 1,10 (Colitis ulcerosa) und 1,54 (Morbus Crohn). Die beobachteten Verbesserungen unter WMT könnten auf die Restauration der Darmmikrobiota und deren Interaktion mit reproduktiven Hormonen sowie der immunologischen Prägung des Neugeborenen zurückgeführt werden.
Limitationen umfassen die kleine Stichprobe, den retrospektiven Charakter und fehlende mikrobiologische Sequenzierungsanalysen. Zukünftige randomisierte Multicenterstudien sind notwendig, um die Ergebnisse zu validieren und langfristige Effekte von WMT zu untersuchen.
Zusammenfassend zeigt diese Studie, dass WMT bei CED-Patientinnen mit Fertilitätsstörungen vielversprechende Ergebnisse erzielt, einschließlich verbesserter Konzeptionsraten, verkürzter Zeit bis zur Schwangerschaft und positiver Effekte auf Menstruationszyklusstörungen. Die Sicherheit für Mutter und Kind wurde bestätigt. Diese Befunde unterstreichen das Potenzial von WMT als Therapieoption zur Verbesserung reproduktiver Outcomes bei CED.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002284