Ethnische Unterschiede im Zusammenhang zwischen Hypertoniedauer und kardiovaskulärem Erkrankungsrisiko bei chinesischen Erwachsenen

Ethnische Unterschiede im Zusammenhang zwischen Hypertoniedauer und kardiovaskulärem Erkrankungsrisiko bei chinesischen Erwachsenen

Kardiovaskuläre Erkrankungen (CVDs) sind weltweit eine führende Ursache für Morbidität und Mortalität, wobei Hypertonie ein entscheidender modifizierbarer Risikofaktor ist. Obwohl Studien den Zusammenhang zwischen Hypertoniedauer und CVD-Risiko in verschiedenen Populationen untersucht haben, bleibt der potenzielle Einfluss der Ethnizität auf diese Assoziation untererforscht. Diese Studie analysiert die Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Hypertoniedauer und CVD-Risiko bei drei ethnischen Gruppen – Dong, Miao und Bouyei – in Südwestchina, einer Region mit ethnischer Vielfalt und sozioökonomischen Ungleichheiten.

Studiendesign und Population

Die Studie nutzte Daten der China Multi-Ethnic Cohort Study mit 18.790 Teilnehmenden im Alter von 30–79 Jahren aus der Provinz Guizhou (Juli 2018 bis August 2019). Nach Ausschluss einer Person mit unvollständigen Hypertoniedauerdaten umfasste die Analyse 18.789 Personen: Dong (33,72 %), Miao (32,72 %) und Bouyei (33,56 %). Guizhou wurde aufgrund seiner geringeren sozioökonomischen Entwicklung und höheren CVD-Belastung ausgewählt.

Definitionen und Messungen

Hypertonie wurde definiert als: ärztliche Diagnose, systolischer Blutdruck (SBP) ≥140 mmHg, diastolischer Blutdruck (DBP) ≥90 mmHg oder aktuelle Einnahme antihypertensiver Medikamente. Die Hypertoniedauer wurde aus der Differenz zwischen dem Alter der Teilnehmenden und dem selbstberichteten Alter bei Erstdiagnose berechnet. Die Dauer wurde in drei Kategorien eingeteilt: 0 Jahre (Referenz), >0–5 Jahre und >5 Jahre.

Der primäre Endpunkt war die Prävalenz selbstberichteter CVDs (koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Arrhythmie), die durch medizinisches Fachpersonal diagnostiziert worden waren. Die Validität der Selbstangaben wurde in Vorstudien bestätigt.

Statistische Methoden

Die altersstandardisierten CVD-Prävalenzraten wurden anhand der chinesischen Zensusdaten 2010 berechnet. Mittels multivariabler logistischer Regression (adjustiert für Alter, Geschlecht, Ethnizität, Wohnort, Bildung, Rauchen, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität und CVD-Familiengeschichte) wurden Odds Ratios (ORs) und 95%-Konfidenzintervalle (KIs) geschätzt. Sensitivitätsanalysen schlossen aktuelle Raucher:innen, regelmäßige Alkoholkonsument:innen sowie Personen mit Diabetes, Hyperlipidämie oder Krebs aus. Trendtests prüften lineare Assoziationen; stratifizierte Analysen untersuchten Subgruppenunterschiede nach Alter, Geschlecht und Wohnort.

Hauptergebnisse

Gesamtassoziation zwischen Hypertoniedauer und CVD-Risiko

Es zeigte sich eine starke lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung. Im Vergleich zu nicht-hypertensiven Personen hatten Teilnehmende mit >0–5 Jahren Hypertonie eine adjustierte OR von 2,37 (95%-KI: 1,87–2,99), bei >5 Jahren Hypertonie betrug die OR 3,89 (3,14–4,83) (P für Trend <0,001). Jedes zusätzliche Hypertoniejahr erhöhte das CVD-Risiko um 5 % (OR: 1,05; 1,04–1,06).

Ethnischespezifische Muster

Deutliche ethnische Unterschiede wurden festgestellt:

  • Dong: ORs von 2,23 (1,55–3,19) für >0–5 Jahre und 2,65 (1,86–3,77) für >5 Jahre. Jährliches Risikoanstieg: 3 % (1,03; 1,01–1,04).
  • Miao: ORs 1,88 (1,20–2,93) bzw. 4,66 (3,14–6,91); jährlicher Anstieg 7 % (1,07; 1,05–1,10).
  • Bouyei: Stärkste Assoziation mit ORs 3,07 (2,01–4,71) bzw. 5,15 (3,48–7,63); jährlicher Anstieg 7 % (1,07; 1,05–1,10).

Die Bouyei-Gruppe wies das höchste CVD-Risiko pro Hypertoniejahr auf, gefolgt von Miao und Dong.

Subgruppen- und Sensitivitätsanalysen

Stratifizierte Analysen bestätigten konsistente Assoziationen in allen Subgruppen. Städtische Bewohner:innen mit >5-jähriger Hypertonie hatten ein höheres CVD-Risiko (OR: 4,35; 3,08–6,16) als ländliche (OR: 3,37; 2,58–4,39). Sensitivitätsanalysen zeigten abgeschwächte, aber signifikante Zusammenhänge, was auf eine partielle Vermittlung durch Lebensstil und Komorbiditäten hinweist.

Hypertoniekontrolle und Medikation

60,6 % der hypertensiven Teilnehmenden nahmen antihypertensive Medikamente ein; nur 36,5 % erreichten eine Blutdruckkontrolle (SBP <140 mmHg, DBP <90 mmHg). Die Bouyei-Gruppe wies die geringste Kontrollrate auf.

Diskussion

Die Studie zeigt ethnische Variationen im hypertoniebedingten CVD-Risiko in China. Die lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung deckt sich mit früheren Studien in koreanischen und US-Kohorten. Die erhöhte Vulnerabilität der Bouyei könnte auf genetische, soziokulturelle oder ökonomische Faktoren (z. B. eingeschränkter Gesundheitszugang) zurückgehen. Biologische Mechanismen umfassen endotheliale Dysfunktion, arterielle Steifheit und kardiales Remodeling.

Public-Health-Implikationen

Früherkennung und langfristige Blutdruckkontrolle sind in ethnischen Hochrisikogruppen entscheidend. Maßnahmen sollten gemeindebasierte Screening-Programme, kultursensible Aufklärung und verbesserten Medikamentenzugang umfassen. Bei den Bouyei sind Interventionen zur Salzreduktion und Raucherentwöhnung prioritär.

Limitationen

Das Querschnittsdesign limitiert kausale Rückschlüsse. Selbstberichtete Hypertonie- und CVD-Daten bergen Verzerrungsrisiken. Die Ausblendung von CVD-Subtypen und feineren Dauer-Kategorien könnte Detailassoziationen verschleiern.

Zukünftige Forschung

Longitudinale Follow-up-Studien sind erforderlich, um temporale Zusammenhänge und umweltbedingte/genetische Modifikatoren zu klären. Ethnische Biomarker und kosteneffektive Interventionen sollten evaluiert werden.

DOI: https://doi.org/10.1097/CM9.0000000000002318

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