Neoadjuvante Therapie bei frühem HER2-positivem Mammakarzinom in China: Eine multizentrische Real-World-Studie (CSBrS-015)

Neoadjuvante Therapie bei frühem HER2-positivem Mammakarzinom in China: Eine multizentrische Real-World-Studie (CSBrS-015)

Das Mammakarzinom bleibt weltweit ein bedeutendes Gesundheitsproblem, wobei das humane epidermale Wachstumsfaktorrezeptor 2 (HER2)-positive Mammakarzinom etwa 15% bis 20% aller Brustkrebsfälle ausmacht. In China steigt die Inzidenz von Brustkrebs, und HER2-positive Fälle stellen einen erheblichen Anteil dar. Die Einführung zielgerichteter Therapien wie Trastuzumab und Pertuzumab hat die Behandlung von HER2-positivem Brustkrebs revolutioniert. Diese multizentrische Real-World-Studie, durchgeführt von der Chinese Society of Breast Surgery (CSBrS), zielte darauf ab, die kurzfristige klinische Wirksamkeit und Sicherheit von neoadjuvanten Therapien mit Trastuzumab sowie Trastuzumab plus Pertuzumab bei Patientinnen mit frühem HER2-positivem Brustkrebs in China zu evaluieren.

Die Studie wurde in 30 Mitgliedskrankenhäusern der CSBrS durchgeführt, die 18 Provinzen, Gemeinden und autonome Regionen in China umfassten. Die Daten wurden von Patientinnen gesammelt, bei denen zwischen März 2019 und Dezember 2020 ein frühes HER2-positives invasives Mammakarzinom diagnostiziert wurde und die eine neoadjuvante Therapie erhielten. Das primäre Ziel war die Bewertung der pathologischen Komplettremissionsraten (pCR) und des Sicherheitsprofils der beiden neoadjuvanten Therapien: Trastuzumab plus Chemotherapie und Trastuzumab plus Pertuzumab plus Chemotherapie.

Insgesamt wurden 27.455 Patientinnen mit frühem invasivem Brustkrebs während des Studienzeitraums diagnostiziert, von denen 6.135 (22,3%) HER2-positiv waren. Davon erhielten 1.838 Patientinnen eine neoadjuvante Therapie, was 30,0% der HER2-positiven Brustkrebsfälle entspricht. Nach Anwendung der Einschluss- und Ausschlusskriterien wurden 1.032 Patientinnen in die endgültige Analyse eingeschlossen. Die Patientinnen wurden in zwei Gruppen eingeteilt: 472 Patientinnen erhielten eine neoadjuvante Therapie mit Trastuzumab plus Chemotherapie (Trastuzumab-Gruppe), und 560 Patientinnen erhielten eine neoadjuvante Therapie mit Trastuzumab plus Pertuzumab plus Chemotherapie (Trastuzumab plus Pertuzumab-Gruppe).

Die Gesamt-pCR-Rate betrug 47,2% (487/1.032). Die pCR-Raten in der Trastuzumab-Gruppe und der Trastuzumab plus Pertuzumab-Gruppe betrugen 34,5% (163/472) bzw. 57,9% (324/560). Dieser Unterschied war statistisch signifikant (P < 0,001). Die Studie verwendete Propensity-Score-Matching (PSM), um Störfaktoren wie Alter, T-Stadium, N-Stadium, klinisches Stadium und Hormonrezeptorstatus zu eliminieren. Nach PSM wurden 798 Patientinnen in die Analyse eingeschlossen, mit 399 Patientinnen in jeder Gruppe. Die pCR-Rate blieb in der Trastuzumab plus Pertuzumab-Gruppe signifikant höher als in der Trastuzumab-Gruppe (P < 0,001, χ² = 20,6).

Die Sicherheitsbewertung konzentrierte sich auf unerwünschte Ereignisse (AEs) im Zusammenhang mit den neoadjuvanten Therapien. Unter den 560 Patientinnen, die Trastuzumab plus Pertuzumab plus Chemotherapie erhielten, hatten 321 vollständige AE-Aufzeichnungen. Die häufigsten AEs waren eine verminderte Granulozytenzahl (31,2%), Haarausfall (25,9%) sowie Übelkeit und Erbrechen (22,1%). Grad-4-AEs wurden bei 24 Patientinnen (7,5%) beobachtet, hauptsächlich im Zusammenhang mit Myelosuppression. Es wurden keine signifikanten kardiovaskulären AEs, wie eine Abnahme der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) um mehr als 10%, berichtet.

Die Studie hob die regionale Variabilität bei der Anwendung der neoadjuvanten Therapie für HER2-positiven Brustkrebs in China hervor. Der Anteil der Patientinnen, die eine neoadjuvante Therapie erhielten, lag zwischen 1,9% und 67,6% in verschiedenen Krankenhäusern, was auf die Notwendigkeit einer Standardisierung der klinischen Praxis hinweist. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der dualen zielgerichteten Therapie mit Trastuzumab und Pertuzumab zur Erzielung höherer pCR-Raten, die mit verbesserten langfristigen Ergebnissen wie dem krankheitsfreien Überleben (DFS) und dem Gesamtüberleben (OS) assoziiert sind.

Die in der Studie verwendeten neoadjuvanten Therapieregime basierten auf den National Comprehensive Cancer Network (NCCN) Breast Cancer Clinical Practice Guidelines und den Chinese Society of Clinical Oncology (CSCO) Breast Cancer Diagnosis and Treatment Guidelines. Die Regime umfassten Taxane, Carboplatin, Anthrazykline und Cyclophosphamid in Kombination mit Trastuzumab oder Trastuzumab plus Pertuzumab. Die spezifischen Regime waren:

  • TCbH-Regime: Taxane + Carboplatin + Trastuzumab
  • TH-Regime: Taxane + Trastuzumab
  • AC-TH-Regime: Anthrazykline + Cyclophosphamid, sequenziell Taxane + Trastuzumab
  • TC + H-Regime: Taxane + Cyclophosphamid + Trastuzumab
  • TCbHP-Regime: Taxane + Carboplatin + Trastuzumab + Pertuzumab
  • THP-Regime: Taxane + Trastuzumab + Pertuzumab
  • AC-THP-Regime: Anthrazykline + Cyclophosphamid, Taxane + Trastuzumab + Pertuzumab

Die Studie betonte auch die Bedeutung der kardialen Sicherheitsüberwachung während der neoadjuvanten Therapie. Regelmäßige Echokardiographien wurden durchgeführt, um die LVEF vor und während der Behandlung zu bewerten. Es wurden keine signifikanten kardiovaskulären AEs beobachtet, was die Sicherheit der dualen zielgerichteten Therapie in dieser Patientengruppe bestätigt.

Die Ergebnisse dieser Studie stimmen mit früheren klinischen Studien und Metaanalysen überein, die die Wirksamkeit der dualen zielgerichteten Therapie bei der Erhöhung der pCR-Raten demonstriert haben. Die NeoSphere-Studie, die 2012 veröffentlicht wurde, etablierte die Rolle von Trastuzumab plus Pertuzumab in der neoadjuvanten Therapie und berichtete über pCR-Raten von 45,8% in der dualen zielgerichteten Gruppe im Vergleich zu 29,0% in der Trastuzumab-Gruppe. Ebenso berichtete die PEONY-Studie, eine Phase-III-Studie in einer asiatischen Population, über eine pCR-Rate von 39,3% in der dualen zielgerichteten Gruppe im Vergleich zu 21,8% in der Trastuzumab-Gruppe.

Die Studie behandelte auch die wirtschaftlichen Aspekte der neoadjuvanten Therapie in China. Pertuzumab wurde im März 2019 von der National Medical Products Administration (NMPA) zugelassen und ist seitdem im nationalen Krankenversicherungsformular enthalten. Die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Pertuzumab variiert jedoch regional, was die Wahl der neoadjuvanten Therapie beeinflusst. Die Studie fand keinen Zusammenhang zwischen dem Anteil der Patientinnen, die eine duale zielgerichtete Therapie erhielten, und dem regionalen Pro-Kopf-BIP, was darauf hindeutet, dass wirtschaftliche Faktoren allein die Behandlungsentscheidungen nicht bestimmen.

Zusammenfassend liefert diese multizentrische Real-World-Studie robuste Evidenz, die den Einsatz der neoadjuvanten Therapie mit Trastuzumab plus Pertuzumab plus Chemotherapie bei Patientinnen mit frühem HER2-positivem Brustkrebs in China unterstützt. Die duale zielgerichtete Therapie erhöhte die pCR-Rate signifikant im Vergleich zu Trastuzumab plus Chemotherapie, bei einem vertretbaren Sicherheitsprofil. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit standardisierter klinischer Praktiken und betonen die Bedeutung fortgesetzter Forschung und Nachbeobachtung, um langfristige Ergebnisse in dieser Patientengruppe zu bewerten.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002197

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