Ist t(11;14)(q13;q32) gut oder schlecht für neu diagnostiziertes multiples Myelom?
Das multiple Myelom (MM) ist eine hämatologische Malignität, die durch die klonale Proliferation von Plasmazellen im Knochenmark gekennzeichnet ist. Zytogenetische Aberrationen (CAs) spielen eine entscheidende Rolle bei der Risikostratifizierung und Prognose des MM. Unter diesen steht die Translokation t(11;14)(q13;q32) im Mittelpunkt der Kontroverse bezüglich ihrer prognostischen Bedeutung. Dieser Artikel beleuchtet die Ergebnisse einer retrospektiven Studie, die am Peking University People’s Hospital durchgeführt wurde und deren Ziel es war, die Auswirkungen von t(11;14) auf die Ergebnisse von Patienten mit neu diagnostiziertem multiplem Myelom (NDMM) zu klären, insbesondere im Kontext zusätzlicher Hochrisiko-zytogenetischer Anomalien.
Studiendesign und Patientencharakteristika
Die Studie umfasste 109 NDMM-Patienten mit fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH)-nachgewiesener t(11;14)(q13;q32), die zwischen Januar 2009 und Dezember 2019 am Peking University People’s Hospital behandelt wurden. Patienten mit primärer Plasmazellleukämie oder einer Nachbeobachtungszeit von weniger als einem Jahr wurden ausgeschlossen. Die Kontrollgruppe bestand aus 109 zufällig ausgewählten Patienten aus einem Pool von 1046 NDMM-Patienten ohne t(11;14), die nach dem Jahr der Diagnose gematcht wurden. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 5,18 Jahre.
Hochrisiko-CAs (HR CAs) wurden definiert als t(4;14)(p16;q32), t(14;16)(q32;q23), Deletion (del) 17p13 und Gain/Amplifikation (amp) von 1q21. Standardrisiko-CAs (SR CAs) basierten auf dem Fehlen dieser HR-Aberrationen. Die Studie zielte darauf ab, die Charakteristika und Ergebnisse von t(11;14)-MM-Patienten zu analysieren, mit besonderem Fokus auf die Auswirkungen zusätzlicher HR CAs.
Baseline-Charakteristika und Behandlungsmuster
Das mediane Alter der t(11;14)-Gruppe betrug 59,4 Jahre, mit 75 Männern und 34 Frauen. Eine Niereninsuffizienz (Serumkreatinin >2,0 mg/dL) lag bei 18,3% der Patienten vor. Die Verteilung der International Staging System (ISS)-Stadien I, II und III betrug 25, 44 bzw. 40 Patienten. Es gab keine signifikanten Unterschiede in Alter, Geschlechtsverteilung oder ISS-Stadium zwischen der t(11;14)- und der Nicht-t(11;14)-Gruppe.
Der Leichtketten-Subtyp des M-Proteins war in der t(11;14)-Gruppe (33,9%) häufiger vertreten als in der Nicht-t(11;14)-Gruppe (20,2%). Weniger Patienten in der t(11;14)-Gruppe hatten einen Gain/Amp von 1q21 (45,9%) im Vergleich zur Nicht-t(11;14)-Gruppe (60,6%). Die Positivitätsrate von CD20 war in der t(11;14)-Gruppe (31,7%) signifikant höher als in der Nicht-t(11;14)-Gruppe (13,9%).
Die Behandlungsmuster waren zwischen den beiden Gruppen ähnlich. In der t(11;14)-Gruppe erhielten 61,5% der Patienten ein Proteasominhibitor (PI)-basiertes Regime, 14,7% ein Immunmodulator (IMiD)-basiertes Regime und 22,9% eine Kombination aus Bortezomib mit Thalidomid oder Lenalidomid. Ein Patient erhielt eine konventionelle Chemotherapie. Nach der Induktionstherapie unterzogen sich 22,0% der Patienten einer erstlinigen autologen Stammzelltransplantation (ASCT). In der Nicht-t(11;14)-Gruppe erhielten 71,6% ein PI-basiertes Regime, 13,8% ein IMiD-basiertes Regime und 11,9% ein PI+IMiD-basiertes Regime.
Behandlungsergebnisse und Überlebensdaten
Die Gesamtansprechrate (ORR) und die Rate an sehr gutem partiellen Ansprechen (VGPR) + kompletter Remission (CR) waren zwischen der t(11;14)- und der Nicht-t(11;14)-Gruppe nach der Induktionstherapie ähnlich. Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) betrug 2,48 Jahre in der t(11;14)-Gruppe und 1,87 Jahre in der Nicht-t(11;14)-Gruppe, ohne signifikanten Unterschied (P = 0,342). Es gab einen Trend zu einem längeren medianen Gesamtüberleben (OS) in der t(11;14)-Gruppe (7,25 Jahre) im Vergleich zur Nicht-t(11;14)-Gruppe (4,75 Jahre), aber dieser Unterschied war nicht statistisch signifikant (P = 0,074).
Die Patienten wurden weiter in vier Gruppen unterteilt: t(11;14) ohne HR CA, t(11;14) mit mindestens einem HR CA, Nicht-t(11;14) mit mindestens einem HR CA und Nicht-t(11;14) ohne HR CA. Das PFS und OS in diesen Gruppen zeigte, dass Patienten mit t(11;14) ohne HR CA vergleichbare Ergebnisse hatten wie Patienten ohne t(11;14) und ohne HR CA. Im Gegensatz dazu hatten Patienten mit HR CA schlechtere Ergebnisse, unabhängig vom Vorhandensein von t(11;14). Diese Ergebnisse legen nahe, dass das Vorhandensein von HR CA der primäre Faktor für eine schlechte Prognose ist und t(11;14) keinen zusätzlichen Nutzen oder Schaden bringt.
Auswirkungen von Gain/Amplifikation von 1q21 bei t(11;14)-MM
Die Studie analysierte auch die Auswirkungen von Gain/Amp von 1q21 in der t(11;14)-Gruppe. Es gab keine signifikanten Unterschiede in den Baseline-Charakteristika wie Alter, ISS-Stadium, Nierenfunktion, Laktatdehydrogenase (LDH)-Spiegel, Thrombozytenzahl, Leichtketten-M-Protein-Verhältnis oder dem Anteil der Plasmazellen zwischen der 1q21-positiven und der 1q21-negativen Gruppe. Die 1q21-positive Gruppe hatte jedoch ein niedrigeres Lymphozyten-Monozyten-Verhältnis (LMR) und ein höheres Neutrophilen-Lymphozyten-Verhältnis (NLR), was auf eine Immunstörung hinweisen könnte.
Das mediane PFS war in der 1q21-positiven Gruppe (1,65 Jahre) signifikant kürzer als in der 1q21-negativen Gruppe (3,49 Jahre) (P = 0,003). Es gab auch einen Trend zu einem kürzeren medianen OS in der 1q21-positiven Gruppe (5,41 Jahre) im Vergleich zur 1q21-negativen Gruppe (nicht erreicht) (P = 0,091). Die multivariate Analyse bestätigte, dass Gain/Amp von 1q21 ein unabhängiger Risikofaktor für sowohl PFS (P = 0,030, HR = 2,350) als auch OS (P = 0,004, HR = 5,660) bei t(11;14)-NDMM war.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die Studie kam zu dem Schluss, dass t(11;14) unabhängig keine schlechte Prognose bei NDMM darstellt. Patienten mit t(11;14) ohne HR CA hatten Überlebensergebnisse, die vergleichbar waren mit denen von Patienten ohne t(11;14) und ohne HR CA. Das Vorhandensein zusätzlicher HR CAs, insbesondere Gain/Amp von 1q21, war jedoch mit einem schlechteren PFS und OS bei t(11;14)-MM assoziiert.
Die nachteilige Auswirkung von 1q21-Gain/Amp auf die Prognose könnte nicht auf eine reduzierte Ansprechrate auf die Induktionstherapie zurückzuführen sein, sondern vielmehr auf ein erhöhtes Risiko eines frühen Rückfalls. Dies unterstreicht die Bedeutung einer engmaschigen Überwachung und potenziell aggressiverer Konsolidierungs-/Erhaltungstherapien bei diesen Patienten. Die Studie hob auch die potenzielle Rolle der ASCT bei der Verbesserung der Ergebnisse für Patienten mit 1q21-Gain/Amp hervor, obwohl weitere Forschung erforderlich ist, um diesen Befund zu bestätigen.
Zusammenfassend bietet diese Studie wertvolle Einblicke in die Heterogenität von t(11;14)-MM und die prognostische Bedeutung zusätzlicher HR CAs, insbesondere von Gain/Amp von 1q21. Diese Erkenntnisse tragen zu einem besseren Verständnis der Erkrankung bei und können die Risikostratifizierung und Behandlungsstrategien für Patienten mit t(11;14)-MM leiten.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002159