Klinische Faktoren zur Vorhersage einer extremen Frühgeburt nach Cerclage
Cerclage ist ein chirurgisches Verfahren zur Reduktion der Frühgeburtsrate und Verbesserung perinataler Outcomes bei Patientinnen mit Zervixinsuffizienz. Die Wirksamkeit der Cerclage kann jedoch durch klinische Faktoren beeinflusst werden, wobei frühere Studien uneinheitliche Ergebnisse zeigten. Diese Studie zielte darauf ab, klinische Prädiktoren für extreme Frühgeburten (<32 Schwangerschaftswochen, SSW) nach Cerclage zu identifizieren.
Methodik
Eingeschlossen wurden 127 Patientinnen mit Einlingsschwangerschaften, die zwischen Januar 2016 und Juni 2019 aufgrund einer Zervixinsuffizienz eine Cerclage erhielten. Ausschlusskriterien waren schwere fetale Fehlbildungen, Mehrlingsschwangerschaften, Infektionszeichen (Körpertemperatur >38°C, Leukozyten >15 × 10⁹/L, positive Vaginalkulturen) sowie unzuverlässige Follow-up-Daten. Die Studie wurde vom Ethikkomitee der Frauenklinik der Fudan-Universität genehmigt; alle Teilnehmerinnen gaben ihre schriftliche Einwilligung.
Die Patientinnen wurden in zwei Gruppen eingeteilt:
- Prophylaktische Cerclage: Anamnese oder sonografische Indikation.
- Therapeutische Cerclage: Notfallcerclage bei erweitertem innerem Muttermund („nicht T-förmige“ Zervix).
Prä- und postoperativ (2 Wochen nach Cerclage) erfolgten transvaginale Sonografien zur Bestimmung der Zervixlänge. Bei Prolaps der Fruchtblase wurde die Trendelenburg-Lagerung empfohlen. Die Cerclage wurde mittels McDonald- oder Shirodkar-Methode durchgeführt. Postoperativ wurden monatliche Vaginalabstriche sowie Tokolyse bei Wehentätigkeit (Indomethacin vor der 20. SSW; Ritodrin, Nifedipine oder Atosiban danach) veranlasst.
Statistische Auswertung
Mit SPSS 23 wurden 12 klinische Faktoren mittels Ridge-Regression analysiert. Signifikanzniveau: p < 0,05.
Ergebnisse
- Mittleres Alter: 31,76 Jahre.
- Mittlere Gestationszeit bei Cerclage: 19,09 SSW.
- Mittlere Überdauerung nach Cerclage: 97,07 Tage.
- Mittlerer Entbindungszeitpunkt: 32,95 SSW.
Von 127 Patientinnen hatten 107 Lebendgeburten; 20 Fälle (alle <32 SSW) umfassten Totgeburten oder neonatale Todesfälle. Sieben Faktoren korrelierten signifikant mit der Überdauerung und dem Entbindungszeitpunkt:
- Gestationsalter bei Cerclage,
- Prophylaktische Indikation,
- Prä- und postoperative Zervixlänge,
- T-förmige Zervix,
- Länge der Ektocervix-Lippen präoperativ,
- Negative Vaginalkultur postoperativ.
Die Shirodkar-Methode zeigte lediglich eine schwache Assoziation mit dem Entbindungszeitpunkt. Notfallcerclage, McDonald-Methode und kurze Zervixlänge zwei Wochen postoperativ erhöhten das Risiko einer extremen Frühgeburt signifikant (Ridge-Regression). Kein prädiktiver Wert wurde für Alter, Cerclage-Nahttyp oder Schwangerschaftskomplikationen gefunden.
Schlussfolgerung
Notfallcerclage, die McDonald-Technik und eine verkürzte Zervixlänge zwei Wochen postoperativ sind kritische Prädiktoren für extreme Frühgeburten. Bei Indikation zur Cerclage sollte der Eingriff nicht verzögert werden. Regelmäßige sonografische Kontrollen (insbesondere der Zervixlänge) sowie die frühzeitige Planung der Lungenreifung und neonatologischen Versorgung sind essenziell.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002188