Präoperative proteinreiche Ernährung verbessert die Serumalbuminspiegel bei Patienten vor Knie-Totalendoprothese
Malnutrition stellt einen bedeutenden Risikofaktor für postoperative Komplikationen nach Knie-Totalendoprothese (KTEP) dar. Persistierende Wundsekretion, verzögerte Wundheilung, oberflächliche und tiefe Infektionen des chirurgischen Bereichs sowie erhöhte Aufnahmeraten auf die Intensivstation korrelieren eng mit einem schlechten Ernährungsstatus. Serumalbumin (ALB), das am häufigsten vorkommende Plasmaprotein, dient als sensitiver Biomarker für Malnutrition. Niedrige präoperative ALB-Spiegel stehen in Zusammenhang mit postoperativen pulmonalen Infektionen, Nierenfunktionsstörungen, ungeplanten Intubationen, verlängertem Krankenhausaufenthalt, höheren Wiederaufnahmerisiken und gesteigerten Behandlungskosten. Obwohl Humanalbuminlösungen (HAS) zur Korrektur von Hypoalbuminämie eingesetzt werden, bergen sie Risiken wie thromboembolische Ereignisse, akutes Nierenversagen und erhöhte ICU-Aufnahmen sowie erhebliche Kosten. Diese Studie untersucht den Einfluss präoperativer ALB-Spiegel auf die postoperative HAS-Anwendung und bewertet die Wirksamkeit einer proteinreichen Ernährung während der präoperativen Wartezeit zur Verbesserung der ALB-Spiegel bei KTEP-Patienten.
Zusammenhang zwischen präoperativem Albumin und postoperativer HAS-Anwendung
Eine retrospektive Analyse von 660 KTEP-Patienten des Jahres 2019 zeigte, dass 14,7 % (97 Patienten) postoperativ HAS benötigten, primär bei ALB-Werten unter 35 g/L. Es bestand eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen präoperativem ALB und HAS-Anwendung: Pro 1 g/L Anstieg des präoperativen Albumins verringerte sich das relative Risiko für HAS um 28 % (RR = 0,720; 95 %-KI: 0,665–0,778; p < 0,001). Dieser inverse Zusammenhang blieb auch nach Adjustierung für Demografie (Alter, Geschlecht, BMI) und klinische Faktoren wie Hypertonie und Diabetes bestehen. Eine restriktive kubische Spline-Regression bestätigte eine lineare, dosisabhängige Risikoreduktion (pGesamt < 0,001; pnicht-linear = 0,186), was die Bedeutung der präoperativen Albuminoptimierung unterstreicht.
Wirksamkeit einer proteinreichen Ernährungsintervention
In einer Kohorte von 88 Patienten aus dem Jahr 2020 wurde während der präoperativen Wartezeit (im Mittel 39,05 ± 22,78 Tage) eine strukturierte proteinreiche Diät implementiert. Die Intervention umfasste den täglichen Verzehr von mindestens drei Eiern und 50 g magerem Fleisch (≈35 g Protein/Tag). Dies führte zu einem signifikanten Anstieg des Serum-ALB von 42,79 ± 4,09 g/L beim ersten ambulanten Termin auf 46,04 ± 2,49 g/L bei stationärer Aufnahme (p < 0,001). Die Intervention zeigte keine negativen Auswirkungen auf Leber-, Nierenfunktion oder Lipidstoffwechsel:
- Globulin: Keine signifikante Veränderung (28,29 ± 4,59 g/L vs. 27,64 ± 3,81 g/L; p = 0,158).
- Hämoglobin (Hb): Leichter Anstieg von 134,63 ± 12,59 g/L auf 136,34 ± 11,48 g/L (p = 0,069).
- Nieren- und Leberwerte: Kreatinin, eGFR, ALT und AST blieben stabil (p > 0,05).
- Lipidprofil: Triglyceride, Cholesterin und LDL zeigten keine klinisch relevanten Änderungen.
Klinische Implikationen und Sicherheit
Die Studie betont die Notwendigkeit präoperativer Ernährungsassessments, insbesondere bei Patienten mit BMI <25 kg/m² oder grenzwertigen ALB-Werten (35–45 g/L). Durch frühzeitige Optimierung des Albumins lässt sich die postoperative HAS-Anwendung reduzieren, wodurch Risiken und Kosten sinken. Die proteinreiche Diät erwies sich bei Patienten ohne Leber- oder Nierenvorerkrankungen als sicher:
- Gesamtbilirubin: 10,29 ± 3,98 mmol/L vs. 10,57 ± 3,98 mmol/L (p = 0,569).
- Harnstoff: 5,69 ± 1,72 mmol/L vs. 5,94 ± 1,78 mmol/L (p = 0,082).
- Nüchternblutzucker: 5,63 ± 1,26 mmol/L vs. 5,46 ± 0,86 mmol/L (p = 0,208).
Limitierungen und zukünftige Forschung
Die Aussagekraft der Studie ist durch den Ausschluss von Patienten mit chronischer Nieren- oder Lebererkrankung, fehlende Compliance-Kontrolle und das retrospektive Single-Center-Design eingeschränkt. Prospektive, multizentrische Studien sind notwendig, um die Ergebnisse zu validieren. Zukünftige Forschung sollte Langzeiteffekte der Albuminoptimierung auf Gelenkfunktion, Patienten-outcomes und Kosteneffizienz untersuchen.
Fazit
Präoperatives Serumalbumin ist ein modifizierbarer Risikofaktor für postoperative Komplikationen und Ressourcennutzung nach KTEP. Eine einfache, kostengünstige proteinreiche Ernährung verbessert ALB-Spiegel effektiv und sicher innerhalb klinisch praktikabler Zeiträume. Die Integration ernährungsmedizinischer Maßnahmen in präoperative Abläufe kann Morbidität, Kosten und Behandlungsqualität in der Endoprothetik optimieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002209