Prävalenz und Charakteristika von Makrosomie in 1. und Folgeschwangerschaft

Prävalenz und Charakteristika von Makrosomie in der ersten und Folgeschwangerschaft: Eine multizentrische retrospektive Studie

Makrosomie, definiert als ein Geburtsgewicht von ≥4000 Gramm, stellt aufgrund des erhöhten Risikos für maternale und neonatale Komplikationen ein global wachsendes Gesundheitsproblem dar. In China hat die Prävalenz von Makrosomie in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen, bedingt durch wirtschaftlichen Aufschwung, verbesserte Lebensstandards und veränderte Ernährungsgewohnheiten. Dies führt zu einer erheblichen gesellschaftlichen und individuellen Belastung, insbesondere im Kontext der chinesischen „Zwei-Kind-Politik“ und „Drei-Kind-Politik“, die zu einem Anstieg von Mehrlingsschwangerschaften führten. Obwohl angenommen wird, dass das Geburtsgewicht in Folgeschwangerschaften tendenziell höher ist, fehlen umfassende Studien zu Prävalenz und Charakteristika von Makrosomie bei Erst- und Folgeschwangerschaften in China. Diese Studie zielt darauf ab, diese Lücke durch eine multizentrische retrospektive Analyse zu schließen.

Methodik
Die Studie umfasste 18 medizinische Zentren in 12 chinesischen Provinzen. Eingeschlossen wurden Frauen im gebärfähigen Alter mit zwei aufeinanderfolgenden Entbindungen in derselben Klinik, wobei die zweite Entbindung zwischen Januar und Oktober 2018 stattfand. Ausgeschlossen wurden Frauen mit unbekanntem Makrosomie-Status in einer der Schwangerschaften. Erhobene Daten umfassten maternale Alter, Größe, Gewicht vor der Schwangerschaft, Gewichtszunahme während der Schwangerschaft, Schwangerschaftskomplikationen, Gestationsalter bei Entbindung, Entbindungsmodus, Geburtsgewicht, Schwangerschaftsoutcomes, Krankengeschichte, intergraviden Intervall und intergravide Gewichtsveränderungen. Die Studie wurde von der Ethikkommission des Peking-Universitätskrankenhauses genehmigt.

Ergebnisse
Von 6200 eingeschlossenen Frauen betrug die Gesamtprävalenz von Makrosomie 7,2 % (445/6200) in der ersten und 7,6 % (470/6200) in der Folgeschwangerschaft. Die Rezidivrate bei Mehrgebärenden mit Makrosomie in der Anamnese lag bei 27,2 % (121/445), im Vergleich zu 6,1 % (349/5755) bei Frauen ohne solche Vorgeschichte.

Vergleiche zwischen Erst- und Folgeschwangerschaften zeigten signifikant höhere Werte in Folgeschwangerschaften für:

  • Maternale Alter (28,4 ± 3,8 vs. 30,1 ± 4,1 Jahre)
  • Prägravidaler BMI (22,1 ± 3,1 vs. 23,0 ± 3,5 kg/m²)
  • Prävalenz von Gestationsdiabetes (12,3 % vs. 15,6 %)
  • Geburtsgewicht (3285 ± 485 vs. 3340 ± 502 Gramm)

Hingegen waren folgende Parameter in Folgeschwangerschaften reduziert:

  • Übermäßige Gewichtszunahme (34,1 % vs. 29,8 %)
  • Gestationshypertonie (5,2 % vs. 3,9 %)
  • Gestationsalter bei Entbindung (39,2 ± 1,1 vs. 38,9 ± 1,3 Wochen)

Diskussion
Der leichte Anstieg der Makrosomieprävalenz in Folgeschwangerschaften korreliert mit globalen Trends. Historische Daten aus China zeigen einen Anstieg von 6,0 % (1994) auf 7,8 % (2005), wobei die aktuelle Studie mit 7,3 % konsistent ist. Die signifikante Rezidivrate von 27,2 % unterstreicht die Notwendigkeit gezielter Interventionen bei Risikopatientinnen.

Pathophysiologisch spielen metabolische Adaptationen wie erhöhter prägravider BMI und Insulinresistenz eine Schlüsselrolle. Die Reduktion von übermäßiger Gewichtszunahme in Folgeschwangerschaften könnte auf verbesserte pränatale Betreuung zurückzuführen sein.

Schlussfolgerung
Die Studie unterstreicht die Bedeutung der Primärprävention ab der ersten Schwangerschaft, insbesondere vor dem Hintergrund der chinesischen Bevölkerungspolitik. Während die Gesamtprävalenz von Makrosomie in Folgeschwangerschaften nur moderat steigt, erfordert die hohe Rezidivrate bei Risikokollektiven stratifizierte Versorgungsansätze. Künftige Maßnahmen sollten sich auf Gewichtsmanagement, Glukosekontrolle und intergravide Betreuung fokussieren.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002077

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