Projizierte Belastung durch Schlaganfälle in China bis 2050
Schlaganfälle bleiben die häufigste Todesursache in China und tragen zu einem Drittel der weltweiten Schlaganfallsterblichkeit bei. In den letzten Jahrzehnten hat die Belastung durch Schlaganfälle dramatisch zugenommen, angetrieben durch die Alterung der Bevölkerung und die zunehmende Prävalenz von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen. Diese Studie projiziert die Entwicklung der Schlaganfallbelastung in China von 2019 bis 2050, einschließlich Inzidenz, Prävalenz, Mortalität und behinderungsbereinigte Lebensjahre (DALYs). Durch die Nutzung demografischer Trends und historischer epidemiologischer Daten sollen die Ergebnisse politische Entscheidungen unterstützen und Prioritäten für die Prävention und Behandlung von Schlaganfällen setzen.
Methoden
Die Studie verwendete Daten aus dem Global Burden of Disease (GBD) 2019-Bericht, der die Schlaganfallinzidenz, -prävalenz, Todesfälle und DALYs in China zwischen 1990 und 2019 abdeckt. Drei statistische Modelle – log-linear, Lee-Carter und funktionelle Zeitreihen (FTS) – wurden getestet, um alters- und geschlechtsspezifische Schlaganfallraten zu prognostizieren. Die Modellleistung wurde anhand des mittleren absoluten prozentualen Fehlers (MAPE) und des quadratischen Mittelwertfehlers (RMSE) bewertet. Das Lee-Carter-Modell zeigte die beste Genauigkeit und wurde für die endgültigen Projektionen ausgewählt. Bevölkerungsdaten der Vereinten Nationen wurden mit den projizierten Raten kombiniert, um absolute Zahlen von Schlaganfällen und deren Folgen bis 2050 zu schätzen.
Sensitivitätsanalysen untersuchten drei Szenarien:
- Stabile Raten: Annahme, dass die Raten von 2019 unverändert bleiben.
- Fortsetzung des historischen Trends: Verlängerung der durchschnittlichen jährlichen Veränderungsrate von 1990–2019.
- Fortsetzung des jüngsten Trends: Anwendung der jüngsten jährlichen Veränderungsrate (aus dem letzten in den Daten von 1990–2019 identifizierten Joinpoint).
Ergebnisse
Gesamtbelastung
Von 2019 bis 2050 werden die rohen Raten für Schlaganfallinzidenz, -prävalenz, Mortalität und DALYs voraussichtlich erheblich steigen:
- Inzidenz: 55,58 % Anstieg (3,94 Millionen auf 6,13 Millionen Fälle).
- Prävalenz: 119,16 % Anstieg (28,76 Millionen auf 63,03 Millionen Fälle).
- Todesfälle: 72,15 % Anstieg (2,19 Millionen auf 3,77 Millionen).
- DALYs: 20,04 % Anstieg (45,95 Millionen auf 55,16 Millionen).
Trotz dieser Anstiege in den rohen Raten zeigen die altersstandardisierten Raten (angepasst an die chinesische Bevölkerung von 2010) unterschiedliche Trends:
- Altersstandardisierte Inzidenz: Rückgang um 8,94 %.
- Altersstandardisierte Mortalität: Starker Rückgang um 40,37 %.
- Altersstandardisierte DALYs: Rückgang um 43,47 %.
- Altersstandardisierte Prävalenz: Anstieg um 10,82 %, was eine verbesserte Überlebensrate und längere Lebenserwartung von Schlaganfallüberlebenden widerspiegelt.
Altersspezifische Trends
Die Alterung der Bevölkerung wird die Belastung stark auf ältere Erwachsene (≥65 Jahre) verlagern:
- Inzidenz: Der Anteil der Fälle bei ≥65-Jährigen wird von 59,45 % (2,34 Millionen) im Jahr 2019 auf 75,98 % (4,79 Millionen) im Jahr 2050 steigen.
- Prävalenz: Die Prävalenz in dieser Altersgruppe wird um 218,48 % steigen, von 16,18 Millionen (56,25 % der Gesamtzahl) auf 51,53 Millionen (81,76 %).
- Todesfälle: Der Anteil der Todesfälle bei ≥65-Jährigen wird von 81,40 % (1,78 Millionen) auf 94,41 % (3,56 Millionen) steigen.
- DALYs: Diese Gruppe wird im Jahr 2050 84,45 % der DALYs ausmachen, gegenüber 63,70 % im Jahr 2019.
Jüngere Altersgruppen (z. B. <60 Jahre) werden voraussichtlich einen Rückgang der Schlaganfallinzidenz und -mortalität erleben, was auf verbesserte präventive Gesundheitsversorgung und Risikofaktormanagement zurückzuführen ist.
Geschlechtsspezifische Unterschiede
- Frauen: Größere relative Anstiege bei der Inzidenz (+62,75 %) und Prävalenz (+122,28 %) im Vergleich zu Männern.
- Männer: Höhere Anstiege bei Todesfällen (+74,62 %) und DALYs (+21,75 %), wahrscheinlich aufgrund höherer Ausgangsraten von Risikofaktoren wie Rauchen.
Sensitivitätsanalyse
Unter alternativen Szenarien variiert die projizierte Belastung:
- Stabile Raten: Bis 2050 würden Inzidenz (7,05 Millionen), Prävalenz (48,99 Millionen), Todesfälle (5,88 Millionen) und DALYs (91,20 Millionen) die Basisprojektionen überschreiten, was die entscheidende Rolle laufender Verbesserungen im Gesundheitswesen unterstreicht.
- Historische Trends: Inzidenz (6,49 Millionen) und Todesfälle (3,80 Millionen) wären niedriger als die Basisprojektionen, während Prävalenz (65,17 Millionen) und DALYs (57,86 Millionen) steigen würden.
- Jüngste Trends: Weitere Rückgänge bei Todesfällen (2,92 Millionen) und DALYs (49,25 Millionen) deuten darauf hin, dass beschleunigte Rückgänge bei Risikofaktoren oder verbesserte Behandlungen die zukünftige Belastung mildern könnten.
Diskussion
Treiber der steigenden Belastung
Die Alterung der Bevölkerung ist der Haupttreiber für die zunehmende Schlaganfallbelastung. Bis 2050 werden 32,69 % der chinesischen Bevölkerung ≥60 Jahre alt sein (gegenüber 18,06 % im Jahr 2019), was die absolute Zahl der Schlaganfälle trotz rückläufiger altersspezifischer Raten erhöht. Eine verbesserte Überlebensrate aufgrund von Fortschritten in der Akutversorgung und der Sekundärprävention trägt ebenfalls zu einer höheren Prävalenz bei.
Implikationen für das Gesundheitswesen
Der prognostizierte Anstieg der Schlaganfallüberlebenden, insbesondere bei älteren Erwachsenen, wird die Rehabilitations- und Langzeitpflegesysteme belasten. Politiker müssen folgende Prioritäten setzen:
- Prävention: Zielgerichtete Maßnahmen gegen modifizierbare Risikofaktoren (z. B. Blutdruckkontrolle, Raucherentwöhnung).
- Sekundärversorgung: Ausbau von Schlaganfallzentren und Rehabilitationsdiensten.
- Altersspezifische Strategien: Anpassung von Interventionen für ältere Menschen, die ein höheres Risiko für Behinderungen und wiederkehrende Schlaganfälle haben.
Vergleich mit globalen Trends
Während die altersstandardisierten Mortalitäts- und DALY-Raten Chinas mit globalen Rückgängen übereinstimmen, übertreffen die rohen Raten diejenigen von Ländern mit hohem Einkommen. Beispielsweise prognostiziert die Europäische Union einen Anstieg der Schlaganfallsterblichkeit um 4,3 % bis 2047, weitaus niedriger als der Anstieg von 72,15 % in China. Diese Diskrepanz unterstreicht die Dringlichkeit, die Alterung der Bevölkerung und den Zugang zur Gesundheitsversorgung in China anzugehen.
Einschränkungen
- Ausgeschlossene Risikofaktoren: Das Modell berücksichtigte keine Trends bei Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen, die die Projektionen verändern könnten.
- Regionale Unterschiede: Provinzielle Unterschiede in der Schlaganfallbelastung wurden nicht bewertet.
- Demografische Annahmen: Die Studie verwendete mittlere Varianten der UN-Bevölkerungsprojektionen; politische Veränderungen (z. B. Chinas Drei-Kind-Politik) könnten die Alterungstrends verlangsamen.
Schlussfolgerung
China steht vor einer zunehmenden Schlaganfallkrise, die durch demografische Veränderungen angetrieben wird. Ohne beschleunigte Prävention und Investitionen in das Gesundheitswesen werden schlaganfallbedingte Todesfälle, Behinderungen und wirtschaftliche Kosten eskalieren. Nachhaltige Bemühungen zur Kontrolle von Risikofaktoren, Verbesserung der Akutversorgung und Ausbau von Rehabilitationsdiensten – insbesondere für ältere Erwachsene – sind unerlässlich, um diese Belastung zu mildern.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002060