Validierung des FLI und HSI für NAFLD-Screening bei OSAHS-Patienten

Validierung des Fatty Liver Index und Hepatic Steatosis Index für das Screening der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung bei Erwachsenen mit obstruktivem Schlafapnoe-Hypopnoe-Syndrom

Einleitung
Das obstruktive Schlafapnoe-Hypopnoe-Syndrom (OSAHS) ist eine häufige schlafbezogene Atmungsstörung, die durch wiederholte Episoden einer oberen Atemwegsobstruktion mit daraus resultierender Hypoxie gekennzeichnet ist. Es betrifft etwa 2–4 % der Allgemeinbevölkerung und 35–45 % adipöser Personen. OSAHS ist eng mit Komponenten des metabolischen Syndroms wie viszeraler Adipositas, Hypertonie, Dyslipidämie und Insulinresistenz assoziiert. Folglich besteht auch ein Zusammenhang mit der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD), die durch eine pathologische Fettakkumulation in Hepatozyten definiert ist.

NAFLD hat sich aufgrund ihrer hohen Prävalenz, insbesondere in asiatischen Ländern (über 25 % der Bevölkerung), zu einem bedeutenden Public-Health-Problem entwickelt. In China ist NAFLD die häufigste Ursache chronischer Lebererkrankungen und abnormaler Leberfunktionstests. Bei OSAHS-Patienten, insbesondere mit schwerer Ausprägung, ist die NAFLD-Prävalenz weiter erhöht. Aufgrund der starken Assoziation zwischen OSAHS und NAFLD ist ein Screening von OSAHS-Patienten auf NAFLD für ein umfassendes Gesundheitsrisikomanagement essenziell.

Obwohl die Leberbiopsie der Goldstandard zur NAFLD-Diagnostik bleibt, ist sie invasiv, kostenintensiv und mit Risiken verbunden. Nicht-invasive Algorithmen wie der Fatty Liver Index (FLI) und Hepatic Steatosis Index (HSI) wurden zur NAFLD-Erkennung in verschiedenen Populationen validiert. Ihre diagnostische Leistung bei OSAHS-Patienten, die häufig ungünstigere klinische und laborchemische Parameter aufweisen, ist jedoch unzureichend untersucht. Diese Studie vergleicht die diagnostische Genauigkeit von FLI und HSI zur NAFLD-Erkennung bei Erwachsenen mit OSAHS und ermittelt optimale Cut-off-Werte.

Methoden
Die Studie wurde von März 2016 bis Januar 2018 in zwei Schlaflaboren in China durchgeführt. Eingeschlossen wurden konsekutive erwachsene Patienten mit neu diagnostiziertem OSAHS (Apnoe-Hypopnoe-Index [AHI] ≥5 Ereignisse/Stunde). Ausschlusskriterien umfassten vorherige OSAHS-Therapie, übermäßigen Alkoholkonsum, Hepatitis B/C, autoimmune Hepatitis, arzneimittelinduzierte Leberschäden oder andere Einflussfaktoren auf FLI/HSI.

Anthropometrische Parameter (Body-Mass-Index [BMI], Taillenumfang [WC], Halsumfang [NC]) wurden erfasst. Nüchternblutproben dienten der Analyse von Glukose, Alanin-Aminotransferase (ALT), Aspartat-Aminotransferase (AST), Gamma-Glutamyltransferase (GGT) und Lipidprofilen. Mittels Polysomnographie (PSG) wurde der OSAHS-Schweregrad ermittelt (einteilung in mild-moderat [AHI 5–30] und schwer [AHI ≥30]).

Die NAFLD-Diagnose erfolgte per Abdomensonographie, die hepatische Steatose anhand erhöhter Echogenität, Gefäßverwaschenheit und tiefer Echoabschwächung identifizierte. FLI und HSI wurden mittels folgender Formeln berechnet:

  • FLI = (e^(0,953 ln(TG/0,0113) + 0,139 BMI + 0,718 ln(GGT) + 0,053 WC – 15,745)) / (1 + e^(0,953 ln(TG/0,0113) + 0,139 BMI + 0,718 ln(GGT) + 0,053 WC – 15,745)) * 100
  • HSI = 8 * (ALT/AST-Verhältnis) + BMI (+2 bei Diabetes mellitus; +2 bei Frauen)

Die statistische Analyse umfasste ROC-Kurven zur Bestimmung der Fläche unter der Kurve (AUC) und optimaler Cut-off-Werte. Gruppenunterschiede wurden mittels t-Test, Mann-Whitney-U-Test oder Chi-Quadrat-Test analysiert.

Ergebnisse
Es wurden 431 Probanden eingeschlossen (326 NAFLD, 105 Kontrollen). NAFLD-Patienten waren jünger und wiesen signifikant höhere BMI-, WC-, NC-, Nüchternglukose-, Gesamtcholesterin (TC)-, Triglycerid (TG)-, ALT-, AST-, ALT/AST-, GGT-, AHI-, Oxygen-Desaturation-Index (ODI)- und T90%-Werte (Schlafzeit mit SpO2 <90 %) auf. HDL-Cholesterin (HDL-C), niedrigste Sauerstoffsättigung (LaSO2) und durchschnittlicher SpO2 waren reduziert.

Sowohl FLI als auch HSI waren in der NAFLD-Gruppe signifikant erhöht. Die AUC für FLI und HSI betrug 0,802 bzw. 0,753, wobei FLI eine signifikant bessere diagnostische Leistung zeigte. Optimale Cut-off-Werte lagen bei 60 (FLI: Sensitivität 66 %, Spezifität 80 %) und 35 (HSI: Sensitivität 81 %, Spezifität 60 %).

In Subgruppenanalysen betrug die AUC für FLI/HSI bei mild-moderatem OSAHS 0,770/0,732 und bei schwerem OSAHS 0,802/0,748. Keine signifikanten Unterschiede zwischen FLI und HSI in Subgruppen.

Diskussion
Die Studie validiert FLI und HSI als Screeningtools für NAFLD bei OSAHS-Patienten. FLI zeigte mit einer AUC von 0,802 eine höhere diagnostische Genauigkeit als HSI (AUC 0,753). Die Cut-off-Werte 60 (FLI) und 35 (HSI) bieten akzeptable Sensitivität/Spezifität für diese Population.

Die Ergebnisse decken sich mit früheren Studien in Allgemeinpopulationen. Bedogni et al. berichteten, dass FLI <30 NAFLD mit hoher Sensitivität ausschließt, während FLI ≥60 es mit hoher Spezifität bestätigt. Lee et al. fanden, dass HSI <30 bzw. >36 NAFLD ausschließt bzw. detektiert. Die leicht reduzierte Leistung bei OSAHS-Patienten könnte auf deren klinische Besonderheiten zurückzuführen sein.

FLI und HSI bieten kosteneffektive, nicht-invasive Screeningmöglichkeiten für NAFLD bei OSAHS. FLI ermöglicht zudem eine quantitative Risikobewertung und Prädiktion kardiovaskulärer Mortalität. Limitationen umfassen potenzielle Selektionsbias, die Abhängigkeit von der Sonographie und fehlende Biopsiedaten.

Schlussfolgerung
FLI und HSI sind wertvolle Screeninginstrumente für NAFLD bei OSAHS-Patienten, wobei FLI eine höhere diagnostische Genauigkeit aufweist. Die Cut-off-Werte 60 (FLI) und 35 (HSI) ermöglichen eine praktikable, nicht-invasive Identifikation von NAFLD, die frühzeitige Interventionen und ein umfassendes Risikomanagement unterstützt.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000503

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