Immunsuppressive Medikation und Verbesserung der Herzfunktion könnten bei Takayasu-Arteritis-Patienten mit Aortitis kardiochirurgische Eingriffe verhindern
Die Takayasu-Arteritis (TA) ist eine unspezifische Großgefäßvaskulitis, die durch eine granulomatöse Entzündung der Gefäßwände gekennzeichnet ist. Sie stellt eine häufige Ursache für Aortitis dar (53 % der Fälle). Bei TA-Patienten betrifft die Aortitis häufig die Aorta, die Aortenwurzel (inklusive Ring und Sinus) sowie die Klappen, was zu schwerwiegenden Komplikationen wie Aortenstenose, Dilatation, Aneurysma, Dissektion, Aortenklappeninsuffizienz und paravalvulärer Leckage führt. Diese Komplikationen können Herzinsuffizienz und eine erhöhte Mortalität verursachen. Während immunmodulatorische Therapien (Glukokortikoide, konventionelle Immunsuppressiva und Biologika) die Grundlage der Behandlung darstellen, profitieren einige Patienten auch von kardiochirurgischen Eingriffen wie Aortenklappenersatz (AVR), Bentall-Operation, koronarer Bypass-Transplantation (CABG) oder perkutaner Koronarintervention (PCI). Die Prognose von TA-Patienten mit Aortitis bleibt jedoch unklar. Diese Studie untersuchte klinische Outcomes und Einflussfaktoren, um die Behandlungspraxis zu optimieren.
Methodik
In die prospektive Registerstudie aus Ostchina (seit 2009) wurden 115 TA-Patienten mit Aortitis eingeschlossen, die die ACR-Klassifikationskriterien von 1990 erfüllten. Basisdaten zu Demografie, Manifestationen, Komorbiditäten, Labor- und bildgebenden Befunden sowie Krankheitsaktivität (Kerr-Score) wurden erhoben. Einschlusskriterien waren bildgebende (CT-/MR-Angiografie, PET, Echokardiografie), intraoperative (Ödem, Wandverdickung, Pseudoaneurysma) oder pathologische Nachweise einer nicht-infektiösen Entzündung. Ausschlusskriterien umfassten Atherosklerose, Infektionen, Tumore, rheumatische Erkrankungen oder angeborene Herzfehler.
Primärer Endpunkt war die Durchführung primärer kardiochirurgischer Eingriffe, sekundärer Endpunkt Reoperationen. Die Herzfunktion wurde nach NYHA-Klassifikation bewertet. Statistische Analysen umfassten univariate Vergleiche, multiple logistische Regression (OR) und Kaplan-Meier-Kurven. Klinische Remission wurde definiert als Fehlen neuer Symptome, Normalisierung von BSG und CRP sowie Glukokortikoiddosis ≤15 mg/Tag.
Ergebnisse
Zu Studienbeginn waren 87,8 % der Patienten aktiv (Kerr-Score), und 71,3 % erhielten Immunsuppressiva (Glukokortikoide: 31,4 ± 16,0 mg/Tag; Kombinationen mit Hydroxychloroquin, Cyclophosphamid, Leflunomid u. a.). Die NYHA-Klassifikation zeigte 37 Patienten in Klasse I, 20 in II, 53 in III und 5 in IV.
Während des Follow-ups (39,1 ± 30,2 Monate) erreichten 57,4 % unter Immunsuppression sowohl klinische Remission als auch NYHA I-II. Von den aktiven Patienten mit NYHA III-IV erhielten 60,3 % primäre Operationen (35 Patienten: 10 Bentall, 8 AVR, 5 Aortenersatz, 6 CABG). Fünf Patienten benötigten Reoperationen (2 PCI bei Restenose, 2 AVR bei Leckage). Ein Patient verstarb postoperativ.
Prädiktoren für Operationen waren NYHA III-IV (OR = 6,7; 95 %-KI: 2,6–17,1) und fehlende Immunsuppression (OR = 0,3; 95 %-KI: 0,1–0,5). Patienten unter Medikation zeigten signifikant seltener primäre Eingriffe (p < 0,001) und verbesserte Parameter (Aortenwurzel-Durchmesser, linksventrikuläre Funktion). Die mittlere Zeit bis zur Remission betrug 4,7 ± 1,9 Monate, bis zur Operation 11 Monate.
Schlussfolgerung
Eine frühzeitige und suffiziente Immunsuppression kann bei aktiver TA mit Aortitis sowohl die Krankheitsaktivität kontrollieren als auch die Herzfunktion stabilisieren, wodurch kardiochirurgische Eingriffe vermieden oder verzögert werden. Insbesondere bei NYHA III-IV-Patienten reduziert eine präoperative Immunsuppression das Reoperationsrisiko. Die duale Remission (klinisch und kardial) korreliert mit verbesserten Langzeitergebnissen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001160