Einfluss des Dekompressionsbereichs auf die Dekompressionsgrenze bei der zervikalen Laminoplastie
Die dorsale zervikale Dekompressionschirurgie ist ein etabliertes Verfahren zur Behandlung der mehrsegmentigen zervikalen kompressiven Myelopathie (CCM). Der primäre Mechanismus dieser Operation besteht darin, eine ventrale Kompression indirekt durch eine dorsale Verlagerung des Rückenmarks zu reduzieren. Diese indirekte Dekompression unterliegt jedoch inhärenten Grenzen. Das Verständnis der Dekompressionsgrenze sowie der beeinflussenden Faktoren ist entscheidend, um chirurgische Ergebnisse zu optimieren. Diese Studie zielte darauf ab, die Dekompressionsgrenze dorsaler zervikaler Eingriffe zu evaluieren und den Einfluss des Dekompressionsbereichs auf diese Grenze zu bestimmen.
Methodik
Retrospektiv wurden Daten von 129 Patienten ausgewertet, die zwischen 2008 und 2012 eine zervikale Open-Door-Laminoplastie erhielten. Die Patienten wurden entsprechend des Dekompressionsbereichs in vier Gruppen eingeteilt: C4–C7 (n = 11), C3–C6 (n = 61), C3–C7 (n = 32) und C2–C7 (n = 25). Die Dekompression auf jeder Wirbelsegmentebene wurde anhand ihrer Lage relativ zum Dekompressionsbereich in drei Typen kategorisiert: externe Dekompression (ED), interne Dekompression (ID) und zentrale Dekompression (CD). ED wurde an Segmenten unmittelbar außerhalb des Dekompressionsbereichs erreicht, ID an Segmenten innerhalb des Randbereichs und CD an zentral gelegenen Segmenten. Der Wirbelsäulen-Mark-Abstand (VCD) diente zur Evaluierung der Dekompressionsgrenze. Postoperative Magnetresonanztomographie (MRT) wurde zur Messung des C2–C7-Winkels und des VCD verwendet, wobei die Ergebnisse zwischen den Gruppen verglichen wurden.
Ergebnisse
Es zeigte sich keine signifikante Kyphose der zervikalen Kurvatur, und die C2–C7-Winkel unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Gruppen. Der VCD variierte je nach Dekompressionstyp gemäß dem Muster ED < ID < CD. Der Dekompressionstyp einer Wirbelsegmentebene wurde durch den Dekompressionsbereich beeinflusst. Bei gegebener Größe des ventralen kompressiven Faktors (MCF) war die Wahrscheinlichkeit einer residualen Kompression in Gruppen mit größerem VCD auf derselben Ebene geringer.
Beispielsweise änderte sich der Dekompressionstyp auf C3/4 von ED in der C4–C7-Gruppe zu ID in den C3–C6- und C3–C7-Gruppen sowie zu CD in der C2–C7-Gruppe. Diese Änderung korrelierte mit einem signifikanten Anstieg des VCD. Die Studie schlussfolgerte, dass der Dekompressionsbereich die Dekompressionsgrenze durch Änderung des Dekompressionstyps auf einer bestimmten Ebene beeinflusst. Zentrale Dekompression ermöglichte die maximale Dekompressionsgrenze, ohne dass eine weitere Ausdehnung des Dekompressionsbereichs zusätzlichen Nutzen brachte.
Die Beziehung zwischen MCF und der Wahrscheinlichkeit residualer Kompression zeigte, dass bei steigendem MCF (z. B. von 5 mm auf 9 mm auf C3/4) die residuale Kompressionsrate in der C3–C7-Gruppe von 12,82 % auf 95,56 % anstieg, während sie in der C2–C7-Gruppe nur von 0,76 % auf 56,70 % zunahm.
Diskussion
Die dorsale Verlagerung des Rückenmarks, oft zur Beurteilung der indirekten Dekompressionsgrenze herangezogen, korreliert nicht immer mit klinisch guten Ergebnissen. Die gemessene dorsale Verlagerung (MBS) wird durch den ventralen MCF beeinflusst, was zu einer Unterschätzung der Dekompressionsgrenze führt. Die theoretische Verlagerung (TBS) repräsentiert die tatsächliche Dekompressionsgrenze, ist klinisch jedoch nicht direkt messbar. Daher erwies sich der VCD als präziserer Parameter zur Evaluation.
Klinisch ist die Dekompressionsgrenze entscheidend, da eine adäquate Dekompression die neurologische Erholungsrate signifikant verbessert. Im Gegensatz zur K-Line-Methode, die weder den Dekompressionsbereich noch die Ebenenspezifität berücksichtigt, ermöglichte diese Studie eine quantitative Analyse der Grenzen von C2/3 bis C6/7.
Schlussfolgerung
Der VCD ist ein idealer Parameter zur Beurteilung der Dekompressionsgrenze dorsaler zervikaler Eingriffe. Die Grenze folgt dem Muster ED < ID < CD, wobei zentrale Dekompression das Maximum bietet. Durch präoperative Abschätzung des MCF und des voraussichtlichen VCD kann der Dekompressionsbereich gezielt gewählt werden, um residuale Kompression zu minimieren und das Outcome zu optimieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000730