Adhärenz bei der Asthmatherapie und damit verbundene Faktoren in Shanghai, China

Adhärenz bei der Asthmatherapie und damit verbundene Faktoren in Shanghai, China

Asthma ist eine weit verbreitete chronische Atemwegserkrankung, von der weltweit etwa 300 Millionen Menschen betroffen sind. Trotz der hohen Prävalenz halten sich mindestens 50 % der erwachsenen und pädiatrischen Patienten nicht an ihre verordneten Kontrollmedikamente. Geringe Therapietreue ist ein wesentlicher Faktor für unkontrollierte Symptome, Exazerbationen und Hospitalisierungen. Das Verständnis der Einflussfaktoren auf die Adhärenz sowie die Umsetzung von Strategien zu deren Verbesserung sind entscheidend für eine optimale Asthmakontrolle. Diese Studie untersuchte die Medikamentenadhärenz und damit zusammenhängende Faktoren bei Asthma-Patienten in Shanghai, einer der am weitesten entwickelten Metropolen Chinas, um potenzielle Interventionsansätze zur Optimierung des Asthmamanagements zu identifizieren.

Studiendesign und Methodik

Diese multizentrische Querschnittsstudie wurde in vier Tertiärkrankenhäusern und sechs Sekundärkrankenhäusern in Shanghai durchgeführt. Teilnehmer waren ambulante Patienten mit einer Asthma-Diagnose von mindestens drei Monaten, einem Alter von ≥18 Jahren, grundlegenden Kommunikationsfähigkeiten und der Möglichkeit, den Studienfragebogen auszufüllen. Die ethische Genehmigung erfolgte durch die Ethikkommission des Ruijin-Krankenhauses der Medizinischen Fakultät der Jiaotong-Universität Shanghai. Alle Teilnehmer gaben eine schriftliche Einverständniserklärung ab.

Ein speziell entwickelter Fragebogen erfasste die Adhärenz bei der Asthmamedikation. Dieser umfasste soziodemografische Daten (Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, Art der ambulanten Versorgung), Krankheitswissen, Medikamenteneinnahme im letzten Monat sowie die 8-item Morisky Medication Adherence Scale (MMAS-8). Die MMAS-8, ein validiertes Tool zur Adhärenzmessung, vergibt maximal 8 Punkte: Werte <6 deuten auf geringe, Werte ≥6 auf gute Adhärenz hin. Zusätzlich wurden 13 potenzielle Gründe für Non-Adhärenz, basierend auf Vorstudien und klinischer Erfahrung, abgefragt.

Teilnehmercharakteristika und Adhärenzraten

Es wurden 552 gültige Fragebogen ausgewertet. Die Teilnehmer wurden anhand der MMAS-8-Scores in zwei Gruppen unterteilt: 275 Patienten (49,8 %) wiesen eine geringe Adhärenz auf, 277 (50,2 %) eine gute Adhärenz. Analysen zeigten signifikant niedrigere Adhärenzraten bei jüngeren Patienten (18–30 Jahre) im Vergleich zu über 50-Jährigen. Patienten in Facharztpraxen hatten eine geringere Adhärenz als solche in allgemeinen oder spezialisierten Kliniken. Hochgebildete Patienten (Universitätsabschluss oder höher) tendierten zu schlechterer Adhärenz als Niedriggebildete (Hauptschulniveau oder darunter), allerdings ohne statistische Signifikanz.

Krankheitswissen und sein Einfluss auf die Adhärenz

Das Asthma-Wissen der Teilnehmer wurde anhand von fünf Fragen bewertet. Die korrekten Antwortraten lagen bei 79,9 %, 61,6 %, 50,5 %, 52,2 % bzw. 40,4 %. Nur 30,4 % beantworteten alle fünf Fragen richtig, 19,6 % kannten drei bis vier Antworten, 50,0 % zwei oder weniger. Die Gruppe mit geringer Adhärenz zeigte signifikant niedrigere Wissensraten bei vier der fünf Fragen (Ausnahme: Frage 3). Zudem wussten signifikant mehr Patienten in dieser Gruppe zwei oder weniger Antworten im Vergleich zur Hochadhärenzgruppe.

Medikationsmuster und Adhärenz

Patienten mit geringer Adhärenz erhielten häufiger kurzwirksame Bronchodilatator-Inhalatoren, orale Kombinationen mit Methoxyphenamin und traditionelle chinesische Medikamente. Sie verwendeten auch signifikant häufiger ≥4 Medikamententypen als die Hochadhärenzgruppe. Diese Befunde deuten darauf hin, dass nicht standardisierte Therapieregime und komplexe Medikationsschemata die Adhärenz verschlechtern.

Gründe für Non-Adhärenz

Die 13 häufigsten genannten Gründe waren: Selbstwahrgenommene Symptomverbesserung (31,9 %), Vergesslichkeit (24,5 %), erschwerter Medikamentenkauf (21,2 %), Vorbehalte gegen Langzeitanwendung von Inhalatoren (17,2 %), Angst vor Medikamentenabhängigkeit (16,7 %), als unfair empfundene Medikamentenpreise (15,9 %), Schwierigkeiten mit Langzeittherapie (14,9 %), Angst vor Nebenwirkungen (9,1 %), finanzielle Belastung (5,6 %), Bedienprobleme bei Inhalationsgeräten (5,4 %), unterbrochene Medikamentenverfügbarkeit (4,7 %), mangelnde Wirksamkeitswahrnehmung (3,6 %) und Trageunannehmlichkeiten (2,7 %). Die Niedrigadhärenzgruppe nannte signifikant häufiger Selbstwahrgenommene Besserung, Vergesslichkeit, Vorbehalte gegen Langzeitanwendung, Abhängigkeitsängste, Schwierigkeiten mit Langzeittherapie, Bedienprobleme und mangelnde Wirksamkeitswahrnehmung.

Diskussion

Die Studie zeigt kritische Defizite in der Asthmatherapieadhärenz in Shanghai. Trotz hochentwickelter medizinischer Infrastruktur weist nur die Hälfte der Patienten eine gute Adhärenz auf. Die geringere Therapietreue jüngerer Erwachsener (18–30 Jahre) unterstreicht deren Risikoprofil für Non-Adhärenz, was frühere Studien bestätigen. Überraschenderweise zeigten Patienten in Facharztpraxen schlechtere Adhärenz als in allgemeinen oder spezialisierten Kliniken. Dies deutet auf unzureichende Kommunikationsstrukturen in Fachpraxen hin, während spezialisierte Ambulanzen mit begrenzter Patientenzahl und intensiverer Betreuung bessere Ergebnisse erzielten.

Geringes Krankheitswissen, insbesondere über die Notwendigkeit langfristiger Therapien, korrelierte stark mit Non-Adhärenz. Dies bekräftigt die zentrale Rolle patientenzentrierter Aufklärung. Nicht standardisierte Therapien (z.B. kurzwirksame Bronchodilatatoren, traditionelle chinesische Medizin) und polymedikamentöse Schemata erwiesen sich als weitere Hindernisse, möglicherweise aufgrund kurzfristiger Symptomlinderung oder erhöhter Therapiekomplexität.

Die genannten Adhärenzbarrieren – insbesondere die vorzeitige Therapiebeendigung bei subjektiver Besserung – verdeutlichen die Notwendigkeit, Patienten über den präventiven Charakter von Dauermedikationen aufzuklären. Weitere Herausforderungen wie Vergesslichkeit, Gerätebedienung oder Abhängigkeitsängste erfordern individualisierte Lösungsansätze.

Fazit

Die Asthmatherapieadhärenz in Shanghai ist suboptimal. Junge Patienten, nicht standardisierte Therapieregime, geringes Krankheitswissen und subjektive Therapiebewertungen sind wesentliche Einflussfaktoren. Zur Verbesserung müssen Versorger auf patientenindividuelle Edukation, vereinfachte Therapieschemata und verstärkte Kommunikation fokussieren. Ein umfassender Ansatz, der soziodemografische, krankheitsspezifische und therapiebezogene Faktoren integriert, ist entscheidend für nachhaltige Verbesserungen der Asthmakontrolle.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001680

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