Seborrhoische Keratose imitiert Basalzellkarzinom in der Dermatoskopie: Ein Fallbericht
Die seborrhoische Keratose (SK) gehört zu den häufigsten benignen Hauttumoren in der klinischen Praxis. Trotz ihres benignen Charakters können ihre vielfältigen klinischen Erscheinungsformen die Differenzierung von anderen benignen oder malignen Hauttumoren erschweren, insbesondere wenn sowohl klinische als auch dermatoskopische Befunde atypisch sind. Dieser Fallbericht beschreibt eine adenoidale SK, die dermatoskopisch ein pigmentiertes Basalzellkarzinom (BCC) imitierte, und unterstreicht die diagnostischen Herausforderungen.
Fallbeschreibung
Eine 49-jährige Patientin stellte sich mit einer seit zwei Jahren langsam wachsenden Papel am rechten Unterarm vor. Die läsion war gelegentlich juckend. Die klinische Untersuchung zeigte eine 4 × 5 mm große, raue, ovaläre braune Papel mit zentraler Erosion. Der Verdacht auf einen malignen Hauttumor führte zur dermatoskopischen Abklärung mittels CBS-908-Gerät.
Dermatoskopische Befunde
Die Läsion wies zentral eine Ulzeration sowie haarnadelförmige Gefäße auf, umgeben von blau-grauen Globuli und blattartigen Arealen am Rand. Diese Merkmale – insbesondere pigmentierte Strukturen ohne Pigmentnetz – sprachen zunächst für ein pigmentiertes BCC. Die histopathologische Untersuchung ergab jedoch ein anderes Bild.
Histopathologie
Es zeigten sich Akanthose sowie dünne, basaloid proliferierende Zellstränge, die von der Epidermis ausgingen und in der Dermis verwoben waren. Das Stratum corneum fehlte zentral, während pseudohornzysten in der Epidermis nachweisbar waren. Eine Hyperpigmentierung des Epithels, Pigmentablagerungen und entzündliche Infiltrate in der oberflächlichen Dermis bestätigten die Diagnose einer adenoidalen SK.
Diskussion
Dermatoskopisch fehlten klassische SK-Merkmale wie komedonenähnliche Öffnungen, zerebriformes Muster oder Milien. Stattdessen dominierten Merkmale, die typischerweise mit BCC assoziiert werden. Die zentrale Erosion könnte auf Kratztraumen zurückzuführen sein, was die Atypie der Befunde erklärt. Bemerkenswert waren:
- Erosion statt Ulkus: Differenzierung dermatoskopisch schwierig.
- Haarnadelgefäße ohne weißen Hof: Hinweisend auf SK (im Gegensatz zu arborsierenden Gefäßen bei BCC).
- Hyperkeratotische Ränder und epidermale Hyperpigmentierung: Initial als BCC-typische blattartige Areale und blau-graue Globuli fehlinterpretiert.
Dieser Fall verdeutlicht, dass dermatoskopische Befunde allein bei atypischen Läsionen unzureichend sein können. Die adenoidale SK kann insbesondere nach Traumata ein BCC imitieren. Eine differenzialdiagnostische Abklärung erfordert daher:
- Histopathologie
- Detaillierte Anamnese (z. B. Juckreiz, Trauma)
- Klinisch-morphologische Korrelation
Schlussfolgerung
Obwohl die Dermatoskopie ein wertvolles Werkzeug zur SK-Diagnostik ist, können adenoidale Subtypen unter atypischen Bedingungen pigmentierte BCC nachahmen. Kliniker sollten bei unklaren Befunden stets eine integrative Diagnostik anstreben, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001010