Management der Lisfranc-Verletzung mit anterolateraler Kalkaneuskompressionsfraktur
Lisfranc-Verletzungen sind komplex und entstehen häufig durch Hochenergietrauma, was zu Frakturen oder Luxationen des Mittelfußkomplexes führt. Ein spezifisches Verletzungsmuster betrifft die laterale Säule des Lisfranc-Gelenks, insbesondere das Kuboid, infolge von Abduktionskräften. Verletzungen mit Beteiligung des anterolateralen Kalkaneus sind jedoch seltener und werden oft übersehen. Dies kann zu verzögerter chirurgischer Behandlung, chronischen Fußdeformitäten und funktionellen Einschränkungen führen. Dieser Artikel diskutiert das Management von Lisfranc-Verletzungen mit anterolateralen Kalkaneuskompressionsfrakturen unter Fokussierung auf Diagnostik, Behandlungsstrategien und klinische Ergebnisse.
Mechanismus und Diagnostik
Der Entstehungsmechanismus von Lisfranc-Verletzungen ist multifaktoriell und führt zu variierenden Frakturmustern oder Luxationen. Abduktionskräfte können insbesondere Frakturen oder Luxationen der lateralen Säule des Lisfranc-Gelenks verursachen. Die Beteiligung des anterolateralen Kalkaneus ist jedoch weniger häufig. Kalkaneokuboidale (CC) Gelenkfacettenfragmente sind in konventionellen Röntgenaufnahmen oft schwer erkennbar, was zu Fehldiagnosen führt. Chirurgen konzentrieren sich typischerweise auf das Lisfranc-Gelenk, wodurch anterolaterale Kalkaneuskompressionsfrakturen oder Chopart-Gelenkverletzungen übersehen werden können. Eine detaillierte klinische Untersuchung mit Fokussierung auf laterale Druckschmerzpunkte sowie 3D-CT-Untersuchungen sind entscheidend, um die Diagnose zu sichern.
Fallserie und Behandlungsergebnisse
In dieser Studie wurden 13 Patienten mit Lisfranc-Verletzungen und anterolateralen Kalkaneuskompressionsfrakturen eingeschlossen. Bei 38,5 % (5/13) wurde die Kalkaneusbeteiligung initial übersehen. Nach Stabilisierung der Weichteile erfolgte bei allen Patienten eine offene Reposition und interne Fixation (ORIF). Der mittlere Nachbeobachtungszeitraum betrug 27,69 ± 14,41 Monate (12–60 Monate). Zwei Patienten entwickelten früh postoperative Weichteilkomplikationen, die konservativ behandelt wurden. Die knöcherne Konsolidierung wurde bei allen Patienten innerhalb von drei Monaten radiologisch bestätigt.
Funktionelle Ergebnisse
Der Visuelle Analogskala (VAS)-Score verbesserte sich signifikant von präoperativ 5,9 ± 1,3 auf 1,8 ± 1,4 beim letzten Follow-up (t = 17,05; p < 0,05). Der finale AOFAS-Mittelfuß-Score lag bei 82,1 ± 10,9 (56,0–97,0). Alle Patienten kehrten nach durchschnittlich 7,5 ± 2,2 Monaten (5–12 Monate) in den Beruf zurück. Symptomatik und AOFAS-Scores korrelierten signifikant mit der Rückkehr zur Arbeit (r = 0,744 bzw. 0,871; p < 0,05).
Komplikationen
Bei 12 Patienten erfolgte die Implantatentfernung nach durchschnittlich 11 Monaten (8–14 Monate). Drei Fälle zeigten gebrochene Implantate, jedoch ohne klinische Symptomatik. Zwei Patienten (15,4 %) entwickelten eine posttraumatische Arthrose des Lisfranc-Gelenks, die konservativ behandelt wurde. Drei Patienten (23,1 %) klagten über Mittelfußsteifigkeit. Keine Fälle von Non-Union, Malunion oder Deformität traten auf.
Diskussion
Die häufigste laterale Kompressionsfraktur ist die „Nussknacker-Fraktur“ des Kuboids, die eine Verkürzung der lateralen Säule und Deformität des Vorfußes verursacht. Kombinierte Verletzungen des Chopart- und Lisfranc-Gelenks sind selten (5,8 % laut Ponkilainen et al.). Die anatomische Rekonstruktion der Gelenkflächen und die stabile Fixation sind entscheidend. Obwohl die primäre Arthrodese bei ligamentären Lisfranc-Verletzungen empfohlen wird, bevorzugten die Autoren die ORIF zur Vermeidung frühzeitiger Degeneration benachbarter Gelenke. Mini-Fragment-Platten ermöglichten eine stabile „Rafting“-Fixation der kleinen CC-Fragmente ohne sekundäre Dislokation.
Schlussfolgerung
Lisfranc-Verletzungen mit anterolateraler Kalkaneuskompressionsfraktur sind selten und werden häufig fehldiagnostiziert. Eine umfassende Evaluation des gesamten Mittelfußkomplexes mittels 3D-CT ist essenziell. Die ORIF bleibt der Goldstandard, um akzeptable klinische Ergebnisse zu erzielen. Langzeitstudien sind erforderlich, um die optimale Implantatentfernungszeit und Klassifikationssysteme für kombinierte Mittelfußverletzungen weiter zu evaluieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001924