Wert der kontrastverstärkten Ultraschalluntersuchung in Kombination mit der ultraschallgesteuerten Feinnadelaspiration bei der Diagnose solider Pankreasläsionen
Pankreaskarzinome zählen zu den aggressivsten Tumoren mit hoher Mortalität und einer 5-Jahres-Überlebensrate von lediglich 7%. Die meisten soliden Pankreasläsionen sind maligne, jedoch können andere Erkrankungen wie eine fokale Pankreatitis die Diagnose erschweren. Die präzise Differenzierung solider Pankreasmassen ist entscheidend für die Therapieplanung, da die Entscheidung für eine chirurgische Intervention oder andere Behandlungsmethoden maßgeblich von der Dignität der Läsion abhängt. Die ultraschallgesteuerte Feinnadelaspiration (FNA) ist ein etabliertes diagnostisches Verfahren für Pankreasläsionen, das eine hohe Genauigkeit und geringere Komplikationsraten im Vergleich zur Stanzbiopsie (CNB) aufweist. Die konventionelle Sonografie (US) zeigt jedoch Limitationen bei der Detektion von Nekrosen, Fibrosen oder entzündungsassoziierten Läsionen. Die kontrastverstärkte Ultraschalluntersuchung (CEUS) bietet hier einen wesentlichen Fortschritt durch die Darstellung der Mikrovaskularisation und morphologischer Charakteristika der Läsionen.
Diese retrospektive Studie untersuchte die diagnostische Genauigkeit der FNA mit und ohne CEUS-Voruntersuchung bei 181 Patienten mit soliden Pankreasläsionen, die zwischen 2014 und 2018 mittels FNA und ThinPrep-Zytologie (TCT) untersucht wurden. Die Patienten wurden in eine CEUS-Gruppe (n = 123) und eine US-Gruppe (n = 58) eingeteilt. Die endgültige Diagnose erfolgte durch Histologie oder klinisch-radiologischen Follow-up über mindestens 12 Monate.
Von 181 Patienten (107 männlich, 74 weiblich; Durchschnittsalter 60 Jahre) wurden 123 Läsionen (76,4%) als maligne bestätigt. In der CEUS-Gruppe lag die diagnostische Genauigkeit bei 95,1% (117/123), verglichen mit 86,2% (50/58) in der US-Gruppe. Die Sensitivität, Spezifität, der positive (PPV) und negative prädiktive Wert (NPV) waren in der CEUS-Gruppe um 7,5%, 16,7%, 3,4% bzw. 18,8% höher, jedoch ohne statistische Signifikanz. CEUS erwies sich insbesondere bei der Identifizierung nekrotischer Areale, fibrotischer Veränderungen und entzündungsüberlagerter Läsionen als vorteilhaft. Beispielsweise ermöglichte CEUS bei einem Patienten die Detektion einer hypoechogenen Zone, die sich als Pankreasadenokarzinom bestätigte. In einem weiteren Fall wurde durch CEUS eine randständige hypoechogene Struktur identifiziert, die bioptisch als solides pseudopapilläres Neoplasma (SPN) diagnostiziert wurde.
Eine besondere Herausforderung stellten metastatische Pankreastumoren (MTP) dar. Drei Fälle mit initial negativer Zytologie wurden später als metastasiertes Nierenzellkarzinom bestätigt. CEUS zeigte hier eine charakteristische Hypervaskularisation in der arteriellen Phase und ein Washout in der venösen Phase, was zusammen mit der Anamnese zur korrekten Diagnose führte.
Die Komplikationsrate war in beiden Gruppen niedrig (je ein Fall von akuter Pankreatitis), ohne schwere Nebenwirkungen. Die Studie unterstreicht den Nutzen von CEUS zur Verbesserung der FNA-Genauigkeit, insbesondere in komplexen Fällen. Trotz höherer Kosten und Zeitaufwand reduziert CEUS die Notwendigkeit wiederholter Biopsien und erhöht die diagnostische Effizienz.
Zusammenfassend empfiehlt die Studie den Einsatz von CEUS zur Evaluierung solider Pankreasläsionen, insbesondere bei unklaren Befunden in der konventionellen Sonografie. Weitere multizentrische Studien sind erforderlich, um standardisierte Leitlinien für CEUS zu etablieren.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000001638