Sind hämostatische Agenzien bei minimal-invasiver partieller Nephrektomie wirksam und sicher?
Zusammenfassung
Das Nierenzellkarzinom (NZK) zählt zu den zehn häufigsten Krebserkrankungen bei Erwachsenen. Die partielle Nephrektomie (PN) ist der Standard für die Behandlung kleiner NZK. In den letzten Jahrzehnten haben minimal-invasive PN-Verfahren, einschließlich der roboterassistierten (RAPN) und laparoskopischen partiellen Nephrektomie (LPN), aufgrund ihrer geringeren Invasivität an Bedeutung gewonnen. Trotz kürzerer Krankenhausaufenthalte und guter klinischer Ergebnisse bleiben intraoperative oder postoperative Blutungen (1,2–9,5 %) und Harnleckagen (1,2–4,5 %) häufige Komplikationen. Die Naht ist der Standard zur hämostatischen Kontrolle, jedoch werden hämostatische Agenzien (HA) wie Fibrinkleber (z. B. TachoSil) oder Gelatine-Matrix-Thrombinklebemittel (z. B. FloSeal) häufig zusätzlich eingesetzt. Diese Metaanalyse untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von HA in Kombination mit Naht versus Naht allein bei minimal-invasiver PN.
Methoden
Eine systematische Literatursuche in PubMed, Ovid Embase, CENTRAL und ClinicalTrials.gov bis Juni 2021 identifizierte Studien, die HA plus Naht versus Naht allein bei RCC-Patienten verglichen. Primäre Endpunkte waren Transfusionsrate, Harnleckagen (UL) und hämorrhagische Komplikationen (HCs). Sekundäre Endpunkte umfassten Krankenhausverweildauer (LOS), geschätzten Blutverlust (EBL), Warmischämiezeit (WIT) und Operationszeit (OT). Die methodische Qualität wurde mittels Newcastle-Ottawa-Skala bewertet.
Ergebnisse
Zehn Studien mit 1976 Patienten (7 LPN, 3 RAPN) wurden eingeschlossen. Die Metaanalyse zeigte keine signifikanten Unterschiede in Transfusionsrate, UL, HCs, LOS, EBL, WIT oder OT zwischen HA plus Naht und Naht allein. Subgruppenanalysen ergaben jedoch:
- Bei LPN reduzierten HA signifikant UL (OR=0,26; 95%-KI=0,09–0,78; p=0,02) und HCs (OR=0,25; 95%-KI=0,07–0,90; p=0,03).
- Bei RAPN zeigten sich keine Vorteile durch HA.
- Fibrinkleber senkten HCs (OR=0,40; 95%-KI=0,17–0,96; p=0,04), während Gelatine-Matrix-Thrombinklebemittel die OT verkürzten (MD=−25,49; 95%-KI=−50,55 bis −0,43; p=0,05).
Diskussion
HA scheinen bei LPN, nicht aber bei RAPN, von Nutzen zu sein. Die präzisere Nahttechnik und Visualisierung bei RAPN könnten den zusätzlichen HA-Einsatz obsolet machen. Die hohen Kosten von HA (insbesondere bei RAPN) und fehlender Outcome-Verbesserung lassen ihren routinemäßigen Einsatz fragwürdig erscheinen. Limitationen umfassen den retrospektiven Charakter der Studien, Heterogenität in OP-Techniken und HA-Dosierungen. Zukünftige randomisierte Studien sind notwendig, um diese Ergebnisse zu validieren.
Schlussfolgerung
HA in Kombination mit Naht reduzieren Komplikationen bei LPN, nicht jedoch bei RAPN. Ihr Einsatz sollte bei LPN erwogen, bei RAPN jedoch kritisch hinterfragt werden. Kosteneffizienz und individuelle Patientenmerkmale müssen berücksichtigt werden.
Interessenkonflikte
Keine deklariert.
Finanzierung
Keine angegebene Finanzierung.
Datenverfügbarkeit
Die den Ergebnissen zugrunde liegenden Daten sind im Artikel und den ergänzenden Materialien enthalten.
DOI
10.1097/CM9.0000000000001992