Verzögerte Transplantatfunktion und Transplantatverlust bei Nierenempfängern

Verzögerte Transplantatfunktion korreliert mit Transplantatverlust bei Empfängern von Nieren nach erweiterten Spenderkriterien im Vergleich zu Standardkriterien: Eine retrospektive, multizentrische Beobachtungskohortenstudie

Die Nierentransplantation stellt nach wie vor die kosteneffektivste Therapie für terminale Niereninsuffizienz (ESRD) dar. Aufgrund der zunehmenden Diskrepanz zwischen der Anzahl transplantationsbedürftiger Patienten und der Verfügbarkeit von Spenderorganen wird vermehrt auf Nieren von Spendern mit erweiterten Kriterien (ECD) zurückgegriffen. Obwohl ECD-Nieren den Organmangel mildern, weisen sie eine höhere Inzidenz der verzögerten Transplantatfunktion (DGF) auf, einer häufigen postoperativen Komplikation. Der Einfluss der DGF auf das Transplantatüberleben bleibt jedoch unklar. Diese Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen DGF und Transplantatüberleben, insbesondere bei Empfängern von ECD- versus Standardkriterien-Spendernieren (SCD).

Es handelte sich um eine retrospektive, multizentrische Beobachtungskohortenstudie mit 284 verstorbenen Spendern und 541 Nierenempfängern (Februar 2012–März 2017). Der primäre Endpunkt war DGF (Dialysebedarf innerhalb der ersten Woche post Transplantation). Transplantatverlust wurde als Rückkehr zur Dialyse definiert (ohne Todesfälle mit funktionierendem Transplantat). ECD-Nieren stammten von Spendern ≥60 Jahre oder ≥50 Jahre mit mindestens zwei der folgenden Kriterien: Hypertonie, Serumkreatinin >1,5 mg/dl oder Tod durch zerebrovaskuläre Ursachen.

Von 284 Spendern wurden 65 (22,8 %) als ECD klassifiziert. Unter 541 Empfängern entwickelten 107 (19,8 %) eine DGF. Die DGF-Inzidenz war bei ECD-Nieren signifikant höher (29,2 % vs. 17,1 % bei SCD). Die 5-Jahres-Transplantatüberlebensrate unterschied sich bei SCD-Empfängern mit/ohne DGF nicht (95,8 % vs. 95,4 %). Bei ECD-Empfängern zeigten jene mit DGF jedoch eine signifikant schlechtere 5-Jahres-Überlebensrate (71,4 % vs. 97,6 % ohne DGF). In der multivariaten Analyse war DGF ein unabhängiger Risikofaktor für Transplantatverlust bei ECD-Empfängern (adjustierte Hazard Ratio [HR]: 1,885). Eine Induktionstherapie mit Anti-Thymozyten-Globulin (ATG) reduzierte das DGF-Risiko (Odds Ratio [OR]: 0,359) und verbesserte das Transplantatüberleben (HR: 0,308).

Schlüsselergebnisse

  1. DGF als Risikofaktor: DGF beeinflusst das Transplantatüberleben ausschließlich bei ECD-Empfängern. Dies klärt widersprüchliche Literaturergebnisse.
  2. Warme Ischämiezeit (WIT): Eine WIT >18 Minuten war mit erhöhter DGF-Inzidenz (47 % vs. 13,8 %) und Transplantatverlust (16,4 % vs. 4,6 % über 5 Jahre) assoziiert. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, die WIT bei ECD-Nieren zu minimieren.
  3. Induktionstherapie: ATG reduzierte die DGF-Rate bei ECD-Empfängern auf 22 % (vs. 44 % unter Basiliximab) und die Transplantatverlustrate auf 7,5 % (vs. 18,5 %).
  4. Donor-Proteinurie: Spender mit Proteinurie Grad 3+ führten zu höherem DGF- und Transplantatverlustrisiko. ECD-Empfänger mit DGF zeigten zudem einen signifikanten eGFR-Abfall und häufiger de-novo-Proteinurie im 5-Jahres-Verlauf.

Pathophysiologische Zusammenhänge
Die erhöhte DGF-Anfälligkeit von ECD-Nieren wird auf eine gesteigerte Sensitivität gegenüber Ischämie-Reperfusions-Schäden, reduzierte Regenerationskapazität und häufiger präexistente chronische Nierenschäden (CKD) bei Spendern zurückgeführt. Die Interaktion zwischen akuter und chronischer Schädigung (AKI-CKD-Kontinuum) erschwert die Erholung post Transplantation.

Fazit
Diese Studie identifiziert DGF als kritischen Risikofaktor für ECD-Nierenempfänger, nicht jedoch für SCD-Empfänger. Die Optimierung der WIT und der Einsatz von ATG als Induktionstherapie können die Prognose bei ECD-Nieren verbessern. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, ECD-Nieren stratifiziert zu nutzen und präventive Strategien gegen DGF zu entwickeln. Künftige Forschung sollte diese Befunde validieren und weitere Risikominderungsansätze evaluieren.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000666

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