Ausweitung der Tests auf das Humane Immundefizienz-Virus: Gesellschaftliche Beteiligung und mehrstufige Förderung
HIV-Tests bilden die Grundlage zur Identifizierung von Personen, die mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) leben (PLWH). Früherkennung und zeitnahe Behandlung verlängern nicht nur die Lebenserwartung von PLWH, sondern reduzieren auch signifikant die Übertragung des Virus. Somit sind HIV-Tests ein zentraler Bestandteil globaler Public-Health-Strategien. In den letzten zehn Jahren hat sich der Umfang von HIV-Tests weltweit dramatisch erweitert. Im Jahr 2018 kannten etwa 79 % der geschätzten 37 Millionen PLWH weltweit ihren HIV-Status – ein deutlicher Anstieg gegenüber 12 % im Jahr 2005. In China waren 2018 hingegen nur 68,9 % der PLWH diagnostiziert, was deutlich unter dem 90 %-Ziel des chinesischen Umsetzungsplans zur Eindämmung von HIV/AIDS (2019–2022) liegt. Die Ausweitung der HIV-Tests bleibt daher eine entscheidende, aber herausfordernde Priorität für Chinas HIV/AIDS-Präventionsbemühungen.
Deutlicher Anstieg der HIV-Tests in China
China hat in den letzten Jahren bemerkenswerte Fortschritte bei der Ausweitung von HIV-Tests erzielt. Die Zahl der getesteten Personen stieg von 128 Millionen im Jahr 2014 auf 241 Millionen im Jahr 2018. Gleichzeitig stieg die Zahl der neu diagnostizierten Fälle von etwa 100.000 auf 148.000. Diese Expansion wurde durch eine Kombination aus passiven und aktiven Testansätzen vorangetrieben, die eine umfassende nationale Strategie bilden.
Passive Testansätze
Passive HIV-Tests in China umfassen drei Hauptmethoden. Erstens ist der HIV-Nukleinsäuretest (NAT) in Blutspendezentren seit 2016 verpflichtend und ergänzt den traditionellen ELISA-Test. Dieser duale Ansatz hat die Blutproduktsicherheit Chinas auf ein internationales Niveau gehoben, mit keinen gemeldeten HIV-Übertragungsfällen durch Bluttransfusionen.
Zweitens wird der anbietergestützte HIV-Test in Gesundheitseinrichtungen forciert. Medizinische Einrichtungen, die seit 2013 über 50 % der HIV-Diagnosen stellen, sind der wichtigste Detektionskanal. Dieser Ansatz erhöht die Zugänglichkeit von Tests, insbesondere in Schlüsselabteilungen wie Notaufnahmen oder chirurgischen Stationen.
Drittens werden HIV-Tests im Rahmen von Voruntersuchungen vor Eheschließungen oder Schwangerschaften empfohlen. In Hochprävalenzregionen wird Personal in Unterhaltungsstätten oder Beauty-Salons alle sechs Monate zum Test aufgefordert.
Aktive Testansätze
Freiwillige Beratung und Testung (VCT) zählt zu den effektivsten aktiven Strategien. Bis 2018 wurden in China über 10.000 VCT-Kliniken etabliert, die 2017 für 27 % der Neuinfektionsdiagnosen verantwortlich waren. Früherkennung ermöglicht rechtzeitige Therapie und verbessert die Prognose. Gleichzeitig erhalten HIV-negative Personen Zugang zu Präventionsangeboten.
HIV-Selbsttests (HIVST) bieten eine innovative Option für Hochrisikogruppen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfahl HIVST 2016 als Ergänzung zu bestehenden Diensten. China implementierte HIVST über Apotheken, Online-Plattformen und anonyme Urintests via Automaten an 73 Universitäten (2016–2019). Diese Maßnahmen steigerten die Testbereitschaft unter Hochrisikostudierenden nachweislich.
Herausforderungen für HIV-Tests in China
Trotz Fortschritten bestehen zentrale Herausforderungen:
- Geringe Diagnoserate: 2018 kannten nur 68,9 % der PLWH ihren Status (Ziel: 95 %). Bei MSM (Hochrisikogruppe) lag die Rate bei 56,4 %. Undiagnostizierte Personen tragen maßgeblich zur Transmission bei.
- Niedrige aktive Testrate: 2018 stammten nur 25 % der Tests aus Eigeninitiative. Die WHO und Chinas Welt-AIDS-Tag-Kampagnen (2018) betonten daher „Testen durch Eigeninitiative“.
- Spätdiagnosen: 35–42 % der PLWH (2010–2014) wurden erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Bei über 50-Jährigen betrug die durchschnittliche Diagnoseverzögerung 6,8 Jahre (2008–2014), wobei 70,6 % bei Diagnose eine CD4-Zahl <350 Zellen/mm³ aufwiesen.
Trotz erheblicher Investitionen bleibt HIV die führende Todesursache unter Infektionskrankheiten. 2020 starben 18.800 PLWH – viermal mehr als an COVID-19.
Empfehlungen zur Ausweitung der Testdienste
- Bewusstseinsförderung: Systematische Aufklärungskampagnen zu Testindikationen, -methoden und Folgehandlungen. Betonung individueller Gesundheitsverantwortung.
- Verbesserte Zugänglichkeit: Stärkung gemeindebasierter Tests durch Sozialorganisationen, insbesondere Heimtests für Hochrisikogruppen.
- Integration digitaler und analoger Ressourcen: Online-Plattformen mit Informationen, Standortsuche und Ergebnisübermittlung; Offline-Verteilung von HIVST-Kits und personalisierter VCT.
- Innovative Methoden:
- Partnermeldung: Eine RCT in Shenyang zeigte, dass kombinierte Partnermeldung, HIVST und NGO-Beratung die Testrate bei Partnern HIV-positiver MSM signifikant steigert.
- „Pay-it-forward“-Modelle: Kostenübernahme für Tests Dritter erhöhte die Akzeptanz umfassender Tests bei MSM.
- Sozialnetzwerk-basierte Tests: Zielgruppenspezifische Ansätze für MSM, Drogenkonsumenten und Sexarbeiter gemäß WHO-Leitlinien (2019).
Fazit
Die frühzeitige Diagnose aller PLWH ist Kernstrategie von Chinas „Umsetzungsplan zur Eindämmung von AIDS (2019–2022)“. Um das 95 %-Ziel bis 2030 zu erreichen, bedarf es einer menschenzentrierten Herangehensweise: Steigerung der Testbereitschaft, Einbindung von Sozialorganisationen, Optimierung der VCT, verbesserter Zugang und innovative Testmethoden. Nur durch gesamtgesellschaftliche Beteiligung und mehrstufige Förderung lässt sich die HIV-Epidemie effektiv kontrollieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001812