Splenose im Douglas-Raum 15 Jahre nach traumatischer Splenektomie mit Präsentation als pelviner Raumforderung
Splenose ist ein seltenes Krankheitsbild, das durch die Autotransplantation von Milzgewebe nach traumatischer Verletzung oder Splenektomie entsteht. Dieser Prozess erfolgt, wenn Fragmente der Milz während des Traumas dislozieren und sich an verschiedenen Körperstellen implantieren, wo sie analog zur ursprünglichen Milz funktionieren können. Obwohl Splenose häufig asymptomatisch und ein Zufallsbefund ist, kann sie maligne Tumoren imitieren und somit diagnostische Herausforderungen darstellen. Dieser Artikel beschreibt einen Fall von Splenose im Douglas-Raum, die 15 Jahre nach traumatischer Splenektomie im Rahmen einer routinemäßigen gynäkologischen Untersuchung als pelvine Raumforderung auffiel.
Fallpräsentation
Die 49-jährige Patientin hatte vor 15 Jahren eine Splenektomie aufgrund eines traumatischen Milzrisses nach einem Verkehrsunfall erhalten. Bei einer routinemäßigen gynäkologischen Untersuchung wurden asymptomatische Raumforderungen im Douglas-Raum entdeckt. Die weitere Abklärung erfolgte am Affiliated Hangzhou First People’s Hospital der Zhejiang University School of Medicine.
Klinische Untersuchungen und Laborparameter zeigten keine Auffälligkeiten. Die vaginale Sonographie identifizierte mehrere nicht-konfluierende Raumforderungen (1–4 cm) außerhalb des Uterus. In der Computertomographie (CT) des Beckens zeigten sich multiple Weichteilherde ohne Kontrastmittelaufnahme (Abbildung 1). Aufgrund der Anamnese und Bildgebung wurde die Diagnose einer ektopen Milzautotransplantation (ESAT/Splenose) gestellt.
Pathophysiologie der Splenose
Splenose entsteht durch die Implantation von Milzfragmenten nach Trauma oder Splenektomie. Diese Fragmente können insbesondere im Abdomen, einschließlich des Beckenperitoneums, überleben und funktionelles Gewebe bilden. Obwohl asymptomatisch, kann das implantierte Gewebe immunologische Funktionen der Milz aufrechterhalten, was bei splenektomierten Patienten von protektivem Nutzen sein kann.
Diagnostische Abklärung
Die Differenzialdiagnose von Splenose umfasst maligne Tumoren, Endometriose oder entzündliche Läsionen. Entscheidend sind hier die Anamnese (Splenektomie/Trauma) und bildgebende Verfahren. Die Sonographie und CT können Hinweise liefern, jedoch ist die nuklearmedizinische Milzszintigraphie mit Technetium-99m-Schwefelkolloid hochspezifisch. Feinnadelbiopsien oder laparoskopische Explorationen sind weitere Optionen, wurden bei dieser Patientin jedoch aufgrund der asymptomatischen Natur und eindeutigen Anamnese nicht durchgeführt.
Klinisches Management
Asymptomatische Splenose erfordert meist keine Intervention, da das implantierte Gewebe immunologische Vorteile bietet. Bei Komplikationen (z. B. Ileus) oder unklarer Malignität ist die Resektion indiziert. In diesem Fall erfolgte eine konservative Überwachung. Eine Kontrolle nach einem Jahr zeigte stabile Befunde ohne Größenprogredienz.
Bedeutung der Splenose im Douglas-Raum
Der Douglas-Raum (Excavatio rectouterina) ist eine seltene Lokalisation für Milzimplantate. Dies unterstreicht die Fähigkeit von Milzgewebe, auch in untypischen Regionen ohne Omentum majus zu überleben. Solche Fälle erfordern ein differenzialdiagnostisches Bewusstsein, um unnötige operative Eingriffe zu vermeiden.
Fazit
Splenose sollte bei Patienten mit Splenektomie- oder Milztrauma-Anamnese in die Differenzialdiagnose pelviner Raumforderungen einbezogen werden. Die Bildgebung und Anamnese sind wegweisend, während invasive Verfahren nur bei Unklarheiten notwendig sind. Asymptomatische Fälle profitieren von einer abwartenden Strategie, wobei das Milzgewebe einen Infektionsschutz bieten kann. Dieser Fall demonstriert zudem die Möglichkeit von Splenose in atypischen Lokalisationen und unterstreicht die klinische Relevanz ihrer Erkennung.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000075