Untersuchung eines durch Salmonella enterica Serovar Aberdeen verursachten Enteritisausbruchs in China
Epidemiologische Untersuchung
Vom 10. bis 12. Juni 2018 erkrankten 75 Angestellte im Fushan-Bezirk von Yantai, Provinz Shandong, China, an Enteritis (33 Männer, 42 Frauen; mittleres Alter 34,2 ± 5,3 Jahre). Die epidemiologische Analyse ergab, dass alle Infizierten am 9. Juni 2018 ein Mittagessen desselben Catering-Unternehmens konsumiert hatten. Von 22 gesammelten Proben (4 Stuhlproben, 5 Lebensmittelreste, 8 Küchenutensilien, 5 Rohstoffproben) waren 6 (27,2%) positiv für Salmonella Aberdeen (Serotyp O11:Hi;1,2). Dies umfasste 3 Stuhlproben (75%) und 3 Lebensmittelreste (60%).
Molekularbiologische Charakteristika
Die Pulsfeld-Gelelektrophorese (PFGE) mit den Restriktionsenzymen XbaI (96,8% Ähnlichkeit) und BlnI (100% Ähnlichkeit) zeigte eine hohe genetische Übereinstimmung der Isolate. Die Analyse der Virulenzgene ergab, dass alle 6 Isolate die Gene stn, fimA, virK, invA (SPI-1), mgtC (SPI-3) und siiE (SPI-4) aufwiesen. Die Gene sseL, sopB und spvC wurden nicht nachgewiesen.
Antimikrobielle Resistenz und Resistenzgene
In Antibiogrammen (CLSI-Mikrodilution) zeigten alle Isolate Resistenz gegen Cefazolin (CFZ), jedoch Empfindlichkeit gegenüber 14 anderen getesteten Antibiotika. Mittels PCR wurden die β-Laktamase-Gene CTX-M-Gruppe II (351 bp) und CTX-M-Gruppe IV (474 bp) in allen Stämmen identifiziert.
Klinische Symptome und Inkubationszeit
Die Inkubationszeit variierte zwischen 1 und 88 Stunden (Mittelwert 14 Stunden). Die häufigsten Symptome waren Durchfall (89,3%, 67/75), Bauchschmerzen (89,3%), erhöhte CRP-Werte (77,3%), Übelkeit (65,3%), Fieber (52,0%) und Erbrechen (45,3%). Schwer erkrankte Patienten erholten sich nach 3–7 Tagen Therapie mit Cefotaxim und Levofloxacin.
Diskussion
Salmonella Aberdeen ist ein seltener Auslöser von lebensmittelbedingten Ausbrüchen. In China wurde der erste dokumentierte Fall 1964 beschrieben. Die hohe PFGE-Übereinstimmung der Isolate aus Stuhl und Lebensmitteln bestätigt die Infektionsquelle. Mangelnde Küchenhygiene und Kreuzkontamination zwischen rohen und gegarten Lebensmitteln wurden als Ausbruchsursache identifiziert.
Die Virulenzgen-Konstellation erklärt die klinische Manifestation: stn (Enterotoxin), fimA (Zelladhäsion), invA (Invasivität) und mgtC (Überleben in Makrophagen). Die Resistenz gegen CFZ korreliert mit der Prävalenz von CTX-M-ESBL-Genen in chinesischen Salmonella-Stämmen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit kontinuierlicher Resistenzüberwachung.
Fazit
Der Ausbruch demonstriert die Bedeutung strenger Hygienestandards in der Lebensmittelverarbeitung und die klinische Relevanz von Salmonella Aberdeen. Die Kombination aus molekularen Analysen und epidemiologischen Daten liefert wertvolle Insights für zukünftige Präventionsstrategien.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000938