Messung des Sehnervenscheidendurchmessers mittels MRT – Studie an chinesischen Erwachsenen

Messung des Sehnervenscheidendurchmessers mittels Magnetresonanztomographie und Einflussfaktoren auf die Ergebnisse bei gesunden chinesischen Erwachsenen: Eine Querschnittsstudie

Die Messung des intrakraniellen Drucks (ICP) ist entscheidend für die Behandlung neurochirurgischer und neurologischer Erkrankungen. Ein erhöhter ICP kann zu schwerwiegenden Komplikationen wie Hirnherniation und Tod führen. Obwohl invasive Methoden wie intraparenchymales oder intraventrikuläres Monitoring der Goldstandard bleiben, sind sie aufgrund fehlender Neurochirurgen, Kontraindikationen (z. B. Gerinnungsstörungen) und Komplikationen (z. B. Infektionen) nicht immer durchführbar. Daher besteht ein zunehmender Bedarf an nicht-invasiven Methoden zur ICP-Schätzung. Die Messung des Sehnervenscheidendurchmessers (ONSD) zeigt eine lineare Beziehung zum ICP und gewinnt insbesondere durch bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Magnetresonanztomographie (MRT) an Bedeutung.

Die MRT ermöglicht aufgrund ihrer hohen räumlichen Auflösung eine präzise Darstellung orbitaler Strukturen. Dennoch fehlen etablierte Normwerte für den ONSD in der MRT, insbesondere außerhalb kaukasischer Populationen. Diese Studie zielte darauf ab, Referenzwerte für den ONSD mittels MRT bei gesunden chinesischen Erwachsenen zu ermitteln und Zusammenhänge mit demografischen, klinischen und anatomischen Parametern zu analysieren.

Die Studie wurde von der Ethikkommission der University of Science and Technology of China (USTC) genehmigt. Retrospektiv wurden MRT-Aufnahmen von 428 Teilnehmern ausgewertet, die zwischen Juli 2017 und November 2019 in der First Affiliated Hospital of USTC untersucht wurden. Einschlusskriterien waren ein Alter ≥18 Jahre und keine Anamnese mit pathologischem ICP. Ausschlusskriterien umfassten ophthalmologische oder neurologische Erkrankungen, intrakranielle Raumforderungen und Artefakte. Letztlich wurden 413 Probanden (227 männlich, 186 weiblich; mittleres Alter 58,0 ± 16,0 Jahre) eingeschlossen.

Erhobene Parameter waren Alter, Geschlecht, Gewicht, Größe, Body-Mass-Index (BMI), mittlerer arterieller Blutdruck (MABP), ONSD und transversaler Augapfeldurchmesser (ETD). Die MRT erfolgte an einem 3,0-T-Gerät (GE Discovery MR750) mit TOF-MRA-Sequenzen. Zwei Radiologen maßen unabhängig den ONSD 3 mm hinter dem Bulbus auf einer senkrecht zum Nervus opticus ausgerichteten Achse sowie den ETD. Pro Auge wurden vier Aufnahmen analysiert und dreifach gemessen. Der Mittelwert diente als Endwert.

Die statistische Auswertung erfolgte mit SPSS 17.0. Kontinuierliche Variablen wurden als Mittelwert ± Standardabweichung (SD) bzw. Median (Interquartilsbereich), kategorische Variablen als Häufigkeiten angegeben. Einfache und multiple lineare Regressionsanalysen identifizierten ONSD-assoziierte Faktoren. Geschlechtsspezifische Unterschiede wurden mittels t-Test geprüft. Ein p-Wert <0,05 galt als signifikant.

Die mittleren ONSD-Werte betrugen 4,76 ± 0,43 mm (95 %-Konfidenzintervall [KI], 4,72–4,80 mm) ohne signifikanten Seitenunterschied. Das ONSD/ETD-Verhältnis lag bei 0,22 ± 0,02 (95 %-KI, 0,21–0,22). Die Regressionsanalyse zeigte eine signifikante Korrelation des ONSD mit Geschlecht (p <0,001) und ETD (p <0,001). Männer wiesen größere ONSD- (4,84 ± 0,42 mm vs. 4,66 ± 0,42 mm; p <0,001) und ETD-Werte (22,08 ± 0,88 mm vs. 21,48 ± 0,87 mm; p <0,001) auf als Frauen. Kein Zusammenhang bestand mit Alter, Gewicht, Größe, BMI oder MABP.

Die ermittelten ONSD-Werte lagen über denen ultraschallbasierter Studien, was auf die höhere MRT-Auflösung zurückgeführt wird. Vergleiche mit internationalen Daten zeigen ethnische Unterschiede: Europäische/Amerikanische Populationen weisen höhere Werte (5,08–5,72 mm) auf als asiatische (4,71–5,1 mm). Geschlechtsspezifische Differenzen könnten auf Variationen der Nervenfaserdichte beruhen.

Zusammenfassend etabliert diese Studie MRT-basierte ONSD-Referenzwerte für gesunde chinesische Erwachsene. Der mittlere ONSD beträgt 4,76 mm (95 %-KI, 4,72–4,80 mm) bei einem ONSD/ETD-Verhältnis von 0,22. Geschlecht und ETD sind signifikante Einflussfaktoren, sodass geschlechtsspezifische Referenzbereiche für die ICP-Diagnostik erforderlich erscheinen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001353

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