Klinische Praxisleitlinie für Brustfibroadenome: CSBrS 2021

Klinische Praxisleitlinie für Brustfibroadenome: Praxisleitlinie der Chinesischen Gesellschaft für Brustchirurgie (CSBrS) 2021

Brustfibroadenome sind die häufigsten benignen Tumoren der Brust bei Frauen und treten in allen Altersgruppen auf, vorwiegend jedoch bei Frauen zwischen 15 und 35 Jahren. Diese Tumoren zeigen typischerweise ein selbstlimitierendes Wachstum, das sich nach einigen Jahren stabilisiert. Die klinische Diagnose eines Fibroadenoms stützt sich primär auf klinische Palpation und sonographische Untersuchung, wobei die pathologische Untersuchung der Goldstandard zur definitiven Diagnosestellung bleibt. Um die klinische Diagnostik und Therapie von Brustfibroadenomen zu standardisieren, entwickelte die Chinesische Gesellschaft für Brustchirurgie (CSBrS) die 2021er Praxisleitlinie. Diese Leitlinie entstand durch eine umfassende Literaturrecherche, Expertenkonsens und Evidenzbewertung mittels des GRADE-Systems (Grading of Recommendations Assessment, Development, and Evaluation). Sie soll evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für Brustchirurg:innen in China bieten.

Evidenzgrade und Empfehlungsstärken

Die Leitlinie klassifiziert Evidenz in fünf Stufen (I: hochwertige Evidenz aus randomisierten Studien oder systematischen Reviews; V: Expertenmeinung oder Fallberichte) und ordnet Empfehlungen drei Stärken zu: Stark (A), Mittel (B) oder Schwach (C), basierend auf Nutzen-Risiko-Abwägung.

Zielgruppe

Die Leitlinie richtet sich an klinisch tätige Fachkräfte in China, darunter Brustchirurg:innen, medizinische Onkolog:innen, Radiolog:innen, Patholog:innen und Epidemiolog:innen.

Empfehlungen

Empfehlung 1: Diagnostik des Fibroadenoms

Die Diagnostik umfasst klinische Palpation, Sonographie und pathologische Untersuchung.

  1. Klinische Palpation: Grundlegendes Diagnosewerkzeug mit Evidenzgrad II und starker Empfehlung (A). Fibroadenome sind typischerweise als ovale, gummiartige, gut verschiebliche Resistenzen mit klaren Grenzen tastbar. Bei 25–35 % der Patient:innen kann die Palpation jedoch unauffällig sein.

  2. Sonographie: Primäres bildgebendes Verfahren (Evidenzgrad I, Empfehlung A). Die diagnostische Genauigkeit liegt zwischen 78,8 % und 99,5 %, insbesondere zur Abgrenzung von Malignomen.

  3. Pathologische Untersuchung: Goldstandard (Evidenzgrad I, Empfehlung A). Die Stanzbiopsie ist die Methode der Wahl (Diagnosesicherheit: 93,4–98,3 %). Feinnadelaspiration, vakumassistierte Biopsie und Exzisionsbiopsie sind Alternativen.

Empfehlung 2: Chirurgische Therapie

Operative Indikationen umfassen schnelles Tumorwachstum, große Tumorgröße, BI-RADS-Kategorie-Erhöhung sowie Verdacht auf Phyllodes-Tumor oder atypische Hyperplasie.

  1. Operationsindikationen:

    • Schnelles Wachstum: Definiert als Volumenwachstum ≥16 %/Monat (unter 50 Jahre) bzw. ≥13 %/Monat (ab 50 Jahre) oder Größenänderung >20 % in 6 Monaten (Evidenzgrad II, Empfehlung A).
    • Tumorgröße >3 cm: Operative Entfernung empfohlen (Evidenzgrad II, Empfehlung A).
    • BI-RADS-Kategorie-Erhöhung: Starke Operationsempfehlung (Evidenzgrad I, Empfehlung A).
    • Verdacht auf Phyllodes-Tumor oder atypische Hyperplasie: Biopsiegestützte Verdachtsfälle erfordern Operation (Evidenzgrad I, Empfehlung A).
  2. Chirurgische Optionen:

    • Offene Exzision: Effektivste Methode, besonders bei großen Tumoren (Evidenzgrad I, Empfehlung A).
    • Vakuumassistierte Biopsie (VABB): Sicher und effektiv bei adäquater Tumorgröße und -lage, jedoch nicht für Tumoren >3 cm aufgrund höherer Resttumorrisiken (Evidenzgrad II, Empfehlung A).

Empfehlung 3: Nicht-chirurgisches Management

Nicht-operative Strategien sind bei BI-RADS-3-Läsionen oder sonographisch typischen Fibroadenomen bei jungen Patient:innen indiziert.

  1. Nicht-operative Indikationen:

    • BI-RADS 3: Stark empfohlene konservative Therapie (Evidenzgrad I, Empfehlung A).
    • Sonographisch typische Fibroadenome bei jungen Patient:innen: Biopsie kann vermieden werden, da die Übereinstimmung zwischen Sonographie und Pathologie hoch ist (Evidenzgrad II, Empfehlung A).
  2. Nachsorgeintervalle:

    • Alle 6 Monate: Klinische und sonographische Kontrolle bei BI-RADS-3-Läsionen (Evidenzgrad I, Empfehlung A).
    • Jährliche Mammographie: Ab 40 Jahren empfohlen (Evidenzgrad I, Empfehlung A).
  3. Nachsorgemethoden:

    • Klinische Palpation und Sonographie: Standardverfahren (Evidenzgrad I, Empfehlung A).
    • Mammographie: Insbesondere bei Verdacht auf Mikroverkalkungen oder unklaren Läsionen (Evidenzgrad I, Empfehlung A).

Diskussion

Fibroadenome sind die häufigsten benignen Brusttumoren, meist solitär (15 % multipel). Palpatorisch imponieren sie als ovale, gummiartige Resistenzen, jedoch ist die Tastuntersuchung in bis zu 35 % der Fälle unauffällig. Die Diagnostik kombiniert Palpation, Sonographie, Mammographie und MRT. Die Sonographie ist aufgrund ihrer Kosteneffektivität und Genauigkeit das bildgebende Verfahren der Wahl. Die pathologische Sicherung erfolgt bevorzugt mittels Stanzbiopsie. Das Malignomrisiko ist gering, sodass regelmäßige Nachsorge bei gesicherter Diagnose sicher ist.

Die offene Exzision bleibt die effektivste chirurgische Therapie, während VABB bei ästhetischen Anforderungen eine Alternative darstellt. Phyllodes-Tumoren sind präoperativ schwer von Fibroadenomen abzugrenzen, weshalb bei rascher Größenzunahme oder Verdacht eine Operation indiziert ist.

Fazit

Die 2021er CSBrS-Leitlinie bietet evidenzbasierte, standardisierte Handlungsempfehlungen zur Diagnostik und Therapie von Brustfibroadenomen. Sie betont die Bedeutung klinischer, bildgebender und pathologischer Verfahren sowie individueller Therapieentscheidungen. Die Leitlinie dient als wesentliche Referenz für Fachkräfte in China, um eine optimale und einheitliche Versorgung von Patient:innen mit Brustfibroadenomen zu gewährleisten.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001462

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