Einfluss der Messentfernung und Kälteexposition im Freien auf die Temperaturmessung mit einem berührungslosen Infrarotthermometer

Einfluss der Messentfernung und Kälteexposition im Freien auf die Temperaturmessung mit einem berührungslosen Infrarotthermometer

Die Fiebererkennung spielt eine entscheidende Rolle beim Screening und der Kontrolle hoch ansteckender fieberhafter Erkrankungen. Obwohl axillare oder rektale Temperaturen in der klinischen Praxis als Goldstandard gelten, sind sie für Massenscreenings unpraktikabel. Schnelle, kosteneffiziente und berührungslose Messmethoden mit hoher Sensitivität und Genauigkeit sind essenziell. Berührungslose Infrarotthermometer (NCITs) wurden in China häufig zum COVID-19-Screening eingesetzt, da Fieber ein typisches Frühsymptom ist. Die Messgenauigkeit kann jedoch durch Faktoren wie Messabstand und Kälteexposition beeinflusst werden. Diese Studie untersucht den Einfluss dieser Faktoren auf NCIT-Messungen.

Die Studie wurde in einer kontrollierten Innenumgebung (20°C) durchgeführt, während die Außentemperatur bei 10°C lag. 29 gesunde Teilnehmer (18–35 Jahre) wurden eingeschlossen. Ausgeschlossen wurden Schwangere, Stillende, Personen mit kürzlicher körperlicher Anstrengung oder störendem Haarschnitt. Das verwendete NCIT war das Berrcom Non-Contact Digital Thermometer JXB-180.

Nach 45-minütiger Akklimatisierung wurden Stirn- und Handgelenkstemperaturen aus drei Entfernungen gemessen: Direktkontakt (Nah), 3–5 cm (Standard) und 10 cm (Fern). Nach 15 Minuten im Freien erfolgten halbstündige Messungen im 3-Minuten-Takt. Kleidung konnte angepasst werden, wobei Handgelenkmessungen unter Textilien stattfanden.

Die Bland-Altman-Analyse (SPSS 26.0) verglich Standardmessungen mit Nah-/Fernwerten. Eine Differenz ≤0,2°C galt als klinisch akzeptabel. Temperaturabweichungen nach Kälteexposition wurden mittels Heatmaps (R 3.6.2) visualisiert.

Die Ergebnisse zeigten:

  1. Messentfernung: Geringer Einfluss auf die Werte. Maximale Differenzen zwischen Standard- und Fern/Nah-Messungen betrugen 0,2°C. Die 95%-Limits-of-Agreement lagen zwischen -0,27°C und +0,23°C. Nur 1–2 von 29 Datenpunkten überschritten die Limits.
  2. Kälteexposition:
    • Stirn: 90% der Probanden erreichten binnen 9 Minuten die Ausgangstemperatur (mittlere Wiedererwärmungszeit: 6,2 Min.; 95%-KI 5,0–7,5 Min.). Bei 24% traten stressbedingte Hyperthermien (+0,3–0,6°C) auf.
    • Handgelenk: Kein konsistentes Muster. 72% der Messungen wiesen Schwankungen >0,2°C (Spanne: 0,1–1,1°C) auf.

Zusammenfassend beeinflusst die Messentfernung (bis 10 cm) NCIT-Werte minimal, wobei Stirnmessungen zuverlässiger sind als Handgelenkswerte. Nach Kälteexposition reichen 9 Minuten zur Wiedererwärmung bei 90% der Personen aus. Limitationen umfassen die kleine Stichprobe junger Gesunder, die Einrichtungsbindung und die Beschränkung auf ein NCIT-Modell. Weitere Studien unter variierenden Umweltbedingungen sind notwendig.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001546

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