Implementierung eines präoperativen Rehabilitationsprotokolls und dessen Auswirkungen auf die Erholungsqualität nach kolorektalen Eingriffen

Implementierung eines präoperativen Rehabilitationsprotokolls und dessen Auswirkungen auf die Erholungsqualität nach kolorektalen Eingriffen

Kolorektale Karzinome und andere benigne Erkrankungen stellen weltweit die Hauptgründe für kolorektale Operationen dar. Chirurgische Darmverletzungen und perioperative Belastungen führen häufig zu Schmerzen und verzögerter Wiederherstellung der gastrointestinalen (GI) Funktion. Enhanced Recovery After Surgery (ERAS)-Protokolle verbessern nachweislich die Prognose, Patientenzufriedenheit und verkürzen die Krankenhausverweildauer im Vergleich zur konventionellen Therapie. ERAS fördert minimalinvasive Chirurgie, reduziert operationsbedingten Stress, bietet Ernährungstherapie und nutzt multimodale Analgesie. Trotz dieser Fortschritte bleibt die postoperative gastrointestinale Dysfunktion (POGD) eine häufige Komplikation, die zu verlängerten Hospitalisierungen führt. In dieser Studie wurde ein neuartiges ERAS-Protokoll mit präoperativer Rehabilitation evaluiert.

Ziel war es, die Nebenwirkungen perioperativen Stresses zu minimieren und die GI-Funktion sowie Lebensqualität nach kolorektalen Eingriffen zu beschleunigen. In einer prospektiven randomisierten Studie (Januar 2018–September 2019) an der First Affiliated Hospital of Chongqing Medical University wurden Patienten entweder einer Standard-ERAS-Gruppe (S-ERAS) oder einer präoperativen Rehabilitations-ERAS-Gruppe (PR-ERAS) zugeteilt. Die PR-ERAS-Gruppe erhielt zusätzlich strukturierte präoperative Übungen.

Der primäre Endpunkt war die GI-Erholung gemäß dem I-FEED-Score-System (Intestinal-Functional Recovery Evaluation Score). Sekundäre Endpunkte umfassten Lebensqualität (QOR-40-Fragebogen), Handgriffstärke und Nebenwirkungen innerhalb von 30 Tagen postoperativ. Von 240 gescreenten Patienten wurden 213 eingeschlossen (104 S-ERAS, 109 PR-ERAS).

Ergebnisse: Die PR-ERAS-Gruppe zeigte eine höhere Rate an normaler GI-Erholung (79,0 % vs. 64,3 %, p < 0,050) sowie verbesserte QOR-40-Subscores für Lebensfähigkeit und körperliches Wohlbefinden 72 Stunden postoperativ (p < 0,050). Die Handgriffstärke war in der PR-ERAS-Gruppe signifikant stärker (p < 0,050). Die Rate an Nebenwirkungen (darunter POGD) und die Krankenhausverweildauer unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen (p > 0,050).

Das präoperative Rehabilitationsprogramm umfasste Übungen der oberen/unteren Extremitäten, thorakoabdominale Atemübungen und Bauchmuskeltraining (2× täglich, 10–15 Wiederholungen/Bewegung). Die I-FEED-Klassifikation ergab in der PR-ERAS-Gruppe weniger postoperative gastrointestinale Intoleranz (POGI, Score 3–5), jedoch keine signifikante Reduktion von POGD (Score ≥6).

Die Studie legt nahe, dass präoperative Rehabilitation die frühe GI-Erholung und Lebensqualität nach kolorektalen Operationen fördert. Mögliche Mechanismen umfassen eine verbesserte mesenteriale Durchblutung, gesteigerte kardiorespiratorische Fitness und Muskelkraft. Limitationen sind fehlende Daten zur mesenterialen Perfusion, Entzündungsmarkern, Tumorgrading und Chemotherapie-Einflüssen. Zudem wurde die Wirksamkeit des Protokolls bei offenen Eingriffen nicht untersucht.

Zusammenfassend unterstreichen die Ergebnisse den Nutzen präoperativer Rehabilitation innerhalb von ERAS-Protokollen. Weitere Forschung sollte optimierte, operationsspezifische Rehabilitationsstrategien für kurz- und langfristige Patientenoutcomes evaluieren.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001709

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