Thorakale endovaskuläre Aortenreparatur bei Patienten mit Typ-B-Aortendissektion

Thorakale endovaskuläre Aortenreparatur bei Patienten mit Typ-B-Aortendissektion: Eine 11-Jahres-Erfahrung aus einem chinesischen Schwerpunktzentrum

Die thorakale endovaskuläre Aortenreparatur (TEVAR) hat sich als Standardtherapie für Typ-B-Aortendissektionen (TBAD) etabliert, insbesondere bei komplizierten akuten Fällen. Dieses minimalinvasive Verfahren wird aufgrund seiner guten klinischen Ergebnisse weltweit eingesetzt. Allerdings stammt der Großteil der vorhandenen Daten zu Aortendissektionen und endovaskulären Behandlungsmethoden aus westlichen Registern wie dem International Registry of Acute Aortic Dissection (IRAD) oder der Vascular Quality Initiative (VQI), die nur begrenzte Daten asiatischer – insbesondere chinesischer – Patienten umfassen. Diese Studie präsentiert die 11-jährige Einzelzentrumserfahrung mit TEVAR bei TBAD-Patienten aus einem hochvolumigen chinesischen Tertiärzentrum und liefert wichtige Erkenntnisse zur Erkrankung und ihrem Management in dieser Population.

Studiendesign und Patientenkollektiv

Retrospektiv analysiert wurden Daten von TBAD-Patienten, die zwischen 2009 und 2019 an der Abteilung für Gefäßchirurgie des Zhongshan-Krankenhauses der Fudan-Universität in Shanghai mittels TEVAR behandelt wurden. Die Patienten wurden nach dem Zeitpunkt des Symptombeginns in drei Gruppen eingeteilt: akut (1–14 Tage), subakut (15–90 Tage) und chronisch (>90 Tage). Das TEVAR-Verfahren sowie operative Details entsprachen früheren Publikationen des Zentrums. Die Studie wurde von der Ethikkommission des Zhongshan-Krankenhauses genehmigt.

Klinische Charakteristika und Ergebnisse

Insgesamt wurden 1.573 TBAD-Patienten eingeschlossen. Das mittlere Alter lag bei 56,1 Jahren, die Mehrheit (50–70 Jahre) war männlich (83,2 %). 67,9 % hatten eine Hypertonieanamnese. Nur 38,3 % der Patienten waren durch die lokale Krankenversicherung abgedeckt.

Die aortenspezifische Krankenhaussterblichkeit betrug 2,42 % (38/1.573), die Gesamtkomplikationsrate lag bei 8,07 % (127/1.573). Retrograde Typ-A-Dissektionen (RTAD) waren die häufigste Todesursache (15 Fälle, 0,95 %), davon 10 mit letalem Ausgang. Weitere Komplikationen umfassten akutes Nierenversagen (51 Patienten, 3,24 %), Schlaganfälle (28 Patienten, 1,78 %), Darmischämien (14 Patienten, 0,89 %) und Paraplegien (9 Patienten, 0,57 %). Nach RTAD führten Rupturen, Darmischämien, aortoösophageale Fisteln und andere dissektionsbedingte Komplikationen zur Mortalität.

Trends in Mortalität und Krankenhausverweildauer

Joinpoint-Regressionsanalysen zeigten für die jährliche Gesamtmortalität keinen signifikanten Rückgang. In der akuten Subgruppe sank die Mortalität jedoch um −12,91 % pro Jahr. Die durchschnittliche Krankenhausverweildauer (LOS) reduzierte sich signifikant um −6,50 % jährlich. Zwischen Patienten mit importierten (n = 1.012) und domestischen Stentgrafts (n = 561) bestand kein Unterschied in der LOS (p = 0,9256). Frühoutcomes waren vergleichbar.

Risikofaktoren für Krankenhaussterblichkeit

Ein verallgemeinertes lineares Modell identifizierte Hypertonie als signifikanten Risikofaktor (Risikoverhältnis 3,13; 95 %-KI: 1,23–7,93). Diese Erkenntnis unterstreicht die Bedeutung der Blutdruckkontrolle bei TBAD-Patienten.

Vergleich mit früheren Studien

Die Komplikationsrate entspricht Literaturdaten, allerdings lag die Paraplegierate unter dem internationalen Durchschnitt. Die Mortalitätsrate von 2,42 % ist niedriger als die 10,6 % im 20-Jahres-IRAD-Bericht. Diskrepanzen in Risikofaktoren (z. B. systolischer Blutdruck in IRAD vs. Hypertonie hier) könnten populationsbedingt sein.

Implikationen für die klinische Praxis

Die Studie zeigt die Sicherheit und Effektivität von TEVAR über ein Jahrzehnt, wobei importierte und domestische Stentgrafts vergleichbar abschnitten. Die reduzierte LOS spiegelt technische Fortschritte und klinische Expertise wider. Die Hypertonie als Mortalitätsrisiko unterstreicht die Notwendigkeit strikter Blutdruckkontrolle.

Limitationen und Ausblick

Retrospektives Design und Einzelzentrumcharakter limitieren die Generalisierbarkeit. Langzeitdaten fehlen, insbesondere zu domestischen Stentgrafts. Multizentrische prospektive Studien sind erforderlich.

Zusammenfassung

Diese 11-Jahres-Analyse aus einem chinesischen Zentrum demonstriert erfolgreiche TEVAR-Ergebnisse bei TBAD mit vergleichbarer Leistung importierter und domestischer Stentgrafts. Hypertonie wurde als kritischer Mortalitätsfaktor identifiziert. Die Ergebnisse tragen zum wachsenden Wissen über TBAD-Management in asiatischen Populationen bei und fordern weitere Forschung zur Therapieoptimierung.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001420

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