Eine neuartige Apolipoprotein-E-Mutation (p.Arg150Cys) bei LPG-Patientin

Eine neuartige Apolipoprotein-E-Mutation (p.Arg150Cys) bei einer chinesischen Patientin mit Lipoprotein-Glomerulopathie

Die Lipoprotein-Glomerulopathie (LPG) ist eine seltene vererbte Nierenerkrankung, charakterisiert durch lipoproteinreiche Thromben in dilatierten glomerulären Kapillarlumina, erhöhte Plasma-Apolipoprotein-E(apoE)-Spiegel und Proteinurie. Die Erkrankung tritt vorwiegend bei Personen japanischer oder chinesischer Abstammung auf, mit bisher etwa 117 dokumentierten Fällen. Obwohl APOE-Genmutationen als mögliche Ursache diskutiert werden, entwickeln nicht alle Träger solcher Varianten eine LPG. Diese Studie beschreibt eine neuartige APOE-Mutation (p.Arg150Cys) in einer chinesischen Familie mit einer LPG-Patientin und einer asymptomatischen Trägerin, was neue Einblicke in die Pathogenese der LPG liefert.

Die Studie erfolgte gemäß der Deklaration von Helsinki und wurde von der Ethikkommission der Shenzhen-Universität genehmigt. Von allen Teilnehmern wurde eine schriftliche Einverständniserklärung eingeholt. Die Probandin, eine 21-jährige Chinesin, wies während einer routinemäßigen Schwangerschaftsvorsorge im Dezember 2016 erstmals eine moderate Proteinurie (bis 5,2 g/Tag) auf. Vier Monate postpartal zeigten sich anhaltende Proteinurie (4,0 g/Tag), eine glomeruläre Filtrationsrate von 145 ml/min und Hämaturie (5–8 Erythrozyten pro Gesichtsfeld). Laborchemisch fielen erhöhte Gesamtcholesterin- (8,53 mmol/L), LDL-Cholesterin- (6,44 mmol/L) und ApoE-Spiegel auf. Die Abdomensonographie ergang eine Splenomegalie bei unauffälliger Nierenmorphologie.

Die lichtmikroskopische Untersuchung der Nierenbiopsie zeigte dilaterte glomeruläre Kapillaren mit geschichteten, lipidreichen Thromben. Ölrot-O-Färbung bestätigte lipidhaltige Ablagerungen in den Kapillarlumina. Immunfluoreszenz wies segmentale Ablagerungen von ApoE und ApoB nach. Elektronenmikroskopisch waren die Kapillarlumina durch Lipidgranula und lamelläre Vakuolen verlegt.

Die genetische Analyse von APOE-Exon 4 identifizierte bei der Patientin und ihrer Mutter eine heterozygote c.308C>T-Mutation (p.Arg150Cys), bezeichnet als „APOE Shenzhen“. Während die Mutter asymptomatisch blieb, wies die Patientin deutlich erhöhte Lipid- und ApoE-Werte auf. Unter Therapie mit Fenofibrat und Perindopril sanken die Cholesterinwerte (5,1 mmol/L) und die Proteinurie (2,03 g/Tag) signifikant.

Die Befunde unterstreichen den Zusammenhang zwischen APOE-Mutationen und LPG-Entstehung. Die diskordante Phänotypausprägung bei Mutationsträgern deutet auf zusätzliche modifizierende Faktoren hin. Die beobachtete Splenomegalie, untypisch für LPG, bedarf weiterer Abklärung. Obwohl lipidsenkende Therapien wirksam sein können, erfordert die Progression einiger Fälle zur Niereninsuffizienz eine langfristige Überwachung.

Diese Studie beschreibt erstmals die APOE-Shenzhen-Mutation in einer chinesischen Familie und trägt zum Verständnis der molekularen Mechanismen bei, die zur glomerulären Lipoproteinablagerung führen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000050

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