Transbrachiale Arterienzugang für Koronararterieneingriffe ist machbar und sicher: Daten aus einem Einzelzentrum in Macau
Der transradiale Arterienzugang (TRA) gilt als bevorzugter Zugangsweg für perkutane Koronarinterventionen (PCI) aufgrund seiner Vorteile gegenüber dem transfemoralen Zugang (TFA). TRA reduziert die 30-Tage-Mortalität, klinisch relevante Blutungen, Zugangskomplikationen und ermöglicht eine frühzeitige Mobilisation. Dennoch bestehen Limitationen wie Gefäßspasmen, anatomische Varianten und das Risiko asymptomatischer Radialarterienokklusionen. Bei TRA-Versagen wird häufig auf TFA ausgewichen, doch der transbrachiale Zugang (TBA) gewinnt als Alternative an Bedeutung. Diese Studie evaluiert die Machbarkeit und Sicherheit von TBA bei PCI nach gescheitertem TRA.
In der monozentrischen Studie am Centro Hospital Conde de Sao Januario (Macau) wurden 1708 Patienten (1. Januar 2013–31. Dezember 2017) analysiert. Bei 143 Patienten (8,4%) mit TRA-Versagen erfolgte die Umstellung auf TBA (n=25) oder TFA (n=118). Die Erfolgsrate von TBA lag bei 96,2% (25/26). Beide Gruppen wurden hinsichtlich Risikofaktoren, Komorbiditäten, prozeduralen Ergebnissen und klinischen Follow-up-Daten verglichen.
Methodik
Nach modifizierter Seldinger-Technik wurden 6-French-Schleusen verwendet. Eine Heparinisierung (3000 IE für Angiografie; 100 IE/kg für PCI) erfolgte standardisiert. Die Hämostase wurde durch manuelle Kompression und elastische Bandagen erreicht, bei TBA ergänzt durch Ellenbogenimmobilisation. Erfasst wurden prozedurale Komplikationen (Blutungen, Thrombosen), kardiale Todesfälle, Myokardinfarkte und Schlaganfälle. Das Follow-up (durchschnittlich 889,3 Tage) umfasste neurologische und vaskuläre Komplikationen.
Ergebnisse
In der TBA-Gruppe traten zwei Gefäßkomplikationen auf: eine Minor-Blutung (Rehospitalisation) und eine Major-Blutung (Transfusionsbedarf). In der TFA-Gruppe gab es vier Komplikationen (eine Femoralvenenthrombose, drei Major-Blutungen; ein Todesfall aufgrund von Myokardinfarkt). Statistisch zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in prozeduralen Ergebnissen (adjustierte Odds Ratio: 3,39; 95%-KI: 0,33–34,44; p=0,302) oder im Follow-up (adjustierte Hazard Ratio: 1,36; 95%-KI: 0,50–3,73; p=0,551). Beide Gruppen wiesen keine neurologischen Folgeschäden auf.
Diskussion
TBA wird historisch mit erhöhten Komplikationsraten assoziiert, bedingt durch die anatomische Nähe zur Vena brachialis und zum Nervus medianus. Dennoch demonstrierte diese Studie unter erfahrenen Operateuren vergleichbare Sicherheitsprofile zwischen TBA und TFA. Die hohe Erfolgsrate (96,2%) und fehlende Langzeitkomplikationen unterstützen TBA als praktikable Alternative. Frühere Studien variieren: Während Kiemeneij et al. häufige Zugangskomplikationen bei TBA/TFA berichteten, fanden Sabbah et al. niedrigere MACE-Raten bei TBA. Die aktuelle Datenlage unterstreicht die Bedeutung operativer Expertise und standardisierter Hämostasetechniken.
Limitationen
Einschränkungen umfassen die kleine Fallzahl (n=25 TBA), fehlende Randomisierung und den Lernkurveneffekt bei TBA-Einführung. Zudem präferierten Operateure TFA bei primären PCI-Fällen zur Verkürzung der „door-to-balloon“-Zeit.
Fazit
TBA stellt eine sichere und effektive Zugangsoption bei TRA-Versagen dar, insbesondere in Zentren mit entsprechender Expertise. Die Vorteile frühzeitiger Mobilisation, reduzierter Krankenhauskosten und erweiterter Einsatzmöglichkeiten (z. B. intraaortale Ballonpumpen) unterstreichen seinen klinischen Nutzen. Weitere prospektive Studien sind erforderlich, um die Langzeitergebnisse zu validieren.