Klassifizierung des nicht-sauren laryngopharyngealen Refluxes

Klassifizierung des nicht-sauren laryngopharyngealen Refluxes

Die laryngopharyngeale Refluxkrankheit (LPRD) ist eine entzündliche Erkrankung der oberen Atemwege und des Verdauungstrakts, verursacht durch direkte und indirekte Effekte des gastroduodenalen Refluxes. Dieser kann morphologische Veränderungen der Gewebe auslösen. Während der pH-Wert des Mageninhalts typischerweise niedrig ist (saurer Reflux), weist der duodenale Inhalt einen höheren pH-Wert auf, was zu schwach saurem oder alkalischem Reflux führt. Durch die Umwandlung von CO₂ in Bikarbonat mittels Carboanhydrase in der Ösophagusschleimhaut wird Magensäure neutralisiert. Dadurch kann saurer Reflux (pH ≤4) im distalen Ösophagus im Hypopharynx als schwach saurer (pH 4–7) oder alkalischer Reflux (pH >7) erscheinen.

Mittels 24-Stunden-Multikanalintraluminaler-Impedanz-pH-Metrie (MII-pH) werden laryngopharyngeale Refluxereignisse (LPR) kategorisiert: (1) Saurer LPR (pH ≤4), (2) Schwach saurer LPR (pH 4–7) und (3) Alkalischer LPR (pH >7). Schwach saurer und alkalischer LPR gelten als nicht-saurer Reflux. Letzterer wird weiter unterteilt in „wahren“ nicht-sauren Reflux (pH >4 im distalen Ösophagus und Hypopharynx) und „falschen“ nicht-sauren Reflux (pH ≤4 im distalen Ösophagus, aber pH >4 im Hypopharynx).

Die Verteilung dieser Subtypen ist entscheidend für die Therapieplanung. Dominieren „wahre“ nicht-saure Refluxereignisse, sind Säuresuppressiva möglicherweise unwirksam. Bei Vorherrschen von „falschem“ nicht-saurem oder saurem Reflux bleibt die Säuresuppression jedoch essenziell. Bisher fehlen umfassende Daten zu dieser Klassifizierung, weshalb MII-pH-Daten von 50 LPRD-Verdachtsfällen analysiert wurden.

Methodik
Von Januar 2015 bis Januar 2020 unterzogen sich 50 Patienten (37 Männer, 13 Frauen; Alter 54,16 ± 11,45 Jahre) mit LPRD-Symptomen einer 24-Stunden-MII-pH-Messung. Vor der Messung wurden der Reflux-Symptom-Index (RSI) und der Reflux-Finding-Score (RFS) erhoben. Patienten mit RSI >13 und/oder RFS >7 wurden in die Studie eingeschlossen. Begleiterkrankungen umfassten Reinke-Ödem (25 Fälle), chronische Pharyngitis (6), laryngeale Kontaktgranulome (5), Stimmlippenpolypen (4) und andere.

Ergebnisse
Insgesamt wurden 332 LPR-Ereignisse detektiert:

  • Saurer LPR: 83 Ereignisse (Median 1 [0; 3])
  • Schwach saurer LPR: 238 Ereignisse (Median 4,5 [2; 7])
  • Alkalischer LPR: 11 Ereignisse (Median 0 [0; 0])

Von den 249 nicht-sauren Refluxereignissen waren 31,3 % (78/249) „wahre“ und 68,7 % (171/249) „falsche“ nicht-saure Refluxereignisse. Somit machten „wahre“ nicht-saure Ereignisse nur 23,5 % (78/332) aller LPR-Ereignisse aus.

Diskussion
Die Studie zeigt, dass 75 % der LPR-Ereignisse nicht-saurer Reflux sind, wobei der Großteil (68,7 %) auf „falschen“ nicht-sauren Reflux zurückgeht. Dies unterstreicht die Bedeutung der Säuresuppression als primäre Therapie bei LPRD. Dennoch sollte bei therapieresistenten Fällen der Einfluss „wahrer“ nicht-saurer Refluxereignisse evaluiert werden. Die Klassifizierung des nicht-sauren Refluxes ist somit klinisch relevant, um gezielte Behandlungsstrategien zu entwickeln.

Frühere Studien deuten darauf hin, dass etwa 35 % der therapierefraktären Fälle mit nicht-saurem Reflux assoziiert sind. Die vorliegenden Daten bestätigen, dass saurer Reflux im Hypopharynx seltener auftritt als bisher angenommen, jedoch durch Neutralisation im Ösophagus maskiert werden kann.

Fazit
Die präzise Unterscheidung zwischen „wahren“ und „falschen“ nicht-sauren Refluxereignissen ermöglicht eine optimierte Therapiesteuerung. Obwohl Säuresuppressiva weiterhin die Erstlinientherapie darstellen, sollte bei unzureichendem Ansprechen eine weiterführende Diagnostik nicht-saurer Refluxkomponenten erfolgen.

doi:10.1097/CM9.0000000000001223

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